
- Überflutungen an der Nordseeküste bei einem Anstieg des Meeresspiegels um einen Meter (Quelle: Google Flood)
Erneuerbare Energien
Für meine Umwelt und die norddeutschen Designer
Immer wieder werde ich gefragt: „Herr Buchholz, wo bekommen Sie denn immer Ihre kreativen Energien her?“ Meine Antwort fällt präzise aus: „Von Lichtblick!“ Aufgrund des dann folgenden zumeist fragenden Blicks ergänze ich: „Ich nutze erneuerbare Energien, muss weder Ruß rechtfertigen noch Atommüll, habe mich zukunftssicher aufgestellt und verfüge über unbegrenzte Energieressourcen.“ Nach einem kurzen Schweigen fügt dann mein Gesprächspartner in der Regel hinzu: „Und für die nächsten Generationen ist es auch besser.“ Recht hat er.
Doch ist das Argument Ich-tue-etwas-für-meine-Kinder-und-Enkel inzwischen so oft ausgesprochen, dass es zwar wahr bleibt, aber auch etwas floskelhaft und abgedroschen wirkt. Ich argumentiere seit kurzem so: Ich nutze regenerative Energien, weil ich etwas für meine Umwelt und für die norddeutschen Designerinnen und Designer tun möchte.
Am 6. Februar veröffentlichte der Berliner Tagesspiegel eine Karte von Google Flood, auf der der Landverlust an der norddeutschen Küste eingezeichnet ist, wenn der Meeresspiegel aufgrund der gobalen Erwärmung um nur einen Meter steigen würde. Ein Drittel der Stadtfläche von Hamburg, so der Tagesspiegel, wäre von Überflutungen bedroht, 180000 Menschen würden ihre Wohnungen verlieren.
Die komplette Designerschaft der Hansestadt wäre direkt von der Überflutung betroffen – darunter allein im Stadtgebiet von Hamburg 147 AGD Mitglieder. Denn nicht nur Wohnungen gingen verloren, auch die Ateliers und Büros der Kolleginnen und Kollegen ständen unter Wasser – von den Auftraggebern und den Lieblings-Restaurants und In-Cafés ganz abgesehen.
Bei einem Anstieg des Meeresspiegels von nur einem Meter wäre St.-Peter-Ording eine Insel, Heide hätte das Meer direkt vor der Tür und die Künstlersozialkasse müsste aus Wilhelmshaven evakuiert werden.
Es stimmt, der Meeresspiegel steigt, aber er steigt langsam und über Jahre. Natürlich können durch Maßnahmen des Küstenschutzes auch erhöhte Wasserstände irgendwie in Schach gehalten werden. Doch frage ich mich: Wenn ich heute zwei Cent pro Kilowattstunde mehr für erneuerbare Energien und den Klimaschutz ausgeben könnte, warum sollten übermorgen Milliarden in eine defensive Eindeichungspolitik gesteckt werden, die das Grundproblem – die von Menschen gemachte Umweltveränderung – nicht löst?
Darum nutze ich erneuerbare Energien. Für mich, für meine Kinder, für die norddeutschen Kollegen – und dadurch indirekt auch für die AGD.
