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Designpreis Brandenburg 2008

Design verleiht ein Gesicht

Ulrich Junghanns, Wirtschaftsminister von Brandenburg

Nach einer Pause von 7 Jahren wird am 3. Dezember wieder der Designpreis Brandenburg verliehen. Er trägt, so das Brandenburgische Ministerium für Wirtschaft, "dazu bei, die bestehende Verbindung des Landes zu Design hervorzuheben." Er soll aber auch das Netzwerk der Brandenburger Designer stärken und den Preisträgern helfen, ihr Design zu verwirklichen.

Prämiert wird in den Bereichen "Kommunikationsdesign", "Industrie- und Produktdesign" und "Juniordesign" – der Preis für Studenten ist Designsparten-übergreifend. Verliehen werden die Preise vom Brandenburgischen Minister für Wirtschaft Ulrich Junghanns.

"Design ist die Seele des Geschäfts"

Prof. Dr. Rainer Grahn,Thomas Ingenlath, Joachim Kobuss, Cornelia Horsch, Silvio Blazevic, Andrea Maria Vock.

"Design als Wirtschaftsfaktor" steht als Motto über dem Designpreis 2008. Und sämtliche Referenten sind sich über die Bedeutung von Design als Wirtschaftsfaktor einig: Sie ist groß.

Der erste Redner des Abends ist Prof. Dr. Rainer Grahn, Dekan des Fachbereichs Design an der Fachhochschule Potsdam. Seiner Meinung nach ist Design heute bei zahlreichen Produkten das wichtigste Unterscheidungsmerkmal überhaupt. Als markantes Beispiel nennt er das iPhone.

Prof. Dr. Grahm kündigt eine Initiative der Fachhochschule Potsdam an. Sie will Designer auf ihrem Weg in die Wirtschaft unterstützen – und die Wirtschaft auf ihrem Weg zum Design.

Cornelia Horsch vom IDZ Berlin bestätigt ihn mit den Ergebnissen der "1. österreichischen Designleiter", einer Studie über das Designbewusstsein österreichischer Unternehmen. "Untersucht wurden die vier 'Stufen' des Einsatzes von Designprozessen in Unternehmen: Vom NO-Design, über Styling, Prozess bis zur innovativen Strategie. Die beiden letzteren führen nachweislich zu mehr Innovation, Konkurrenzfähigkeit und wirtschaftlichem Wachstum." [Studie PDF].

"Design ist die Seele des Geschäfts" sagt Andrea Maria Vock von der UVA Kommunikation und Medien GmbH, die dritte Referentin. Für sie birgt die "riesige Emotionalität" die Design erzeugen kann, große Chance, und ihre Botschaft an Unternehmen ist eindeutig: "Design ist überall möglich!". Gerade in Deutschland sei Design das Rückgrat von Unternehmen, sagt Frau Vock und nennt zahlreiche Beispiele von Faber Castell bis Bionade.

In der anschließenden Podiumsdiskussion sehen und hören wir neben den drei Referenten: Thomas Ingenlath, Geschäftsleiter Volkswagen Design Center Potsdam; Silvio Blazevic, Leiter International Markets und Design Cleo Schreibgeräte Bad Wilsnack; Joachim Kobuss, Coach und Scout für Designer und Unternehmen. Zur Diskussion steht u.a. die Rolle von Design in Zeiten der Wirtschaftskrise. "Schlechte Nachrichten sind Herausforderung und Aufgabe" findet Andrea Maria Vock und Joachim Cobuss sieht hier gar eine besondere Chance, denn "gutes Design kostet nicht, es spart."

 

Die Preisträger, die Arbeiten – wir gratulieren!

Nach der Pause hat Ulrich Junghanns das Wort, Minister für Wirtschaft des Landes Brandenburg. Er bestätigt, dass der Designpreis Brandenburg zukünftig im zweijährigen Rhythmus Anreize für Designer schaffen soll. Zu Einzelheiten haben wir ihn später persönlich befragt. "Design ist wichtig, und das sag ich als Wirtschaftsminister. Design ist keine Frage des Luxus, sondern der Qualität und damit Antwort auf eine wirtschaftliche schwierige Situation."

Die Verleihung der Preise beginnt mit der Ehrung der Junioren. Und wer dabei an "klein anfangen" denkt, liegt gründlich daneben. Die Arbeiten sind von extrem hoher Qualität und beträchtlichem Innovationsgrad. Wenn das die Zukunft des Designs ist, dürfen wir sehr viel Hoffnung haben.

Juniordesign

1. Preis: das AirPiano von Omar Yosha.
Das AirPiano ist ein musikalisches Interface. Durch einfache Bewegungen in der Luft kann man softwarebasierte Musikinstrumente spielen – und mit einer vergleichbaren Matrix jedes andere technische Gerät steuern [mehr...]

2. Preis: Fraktur mon Amour von Judith Schalansky
Fraktur mon Amour ist ein typografisches Kompendium und eine Liebenserklärung an die gebrochenen Schriften. 333 von ihnen stellt es vor. [mehr...]

3. Preis: Switch 2.1 – Next Generation Lighttool von Stefan Schmechel
Switch 2.1 vereint die Funktionen des Lichtschalters und der Türklinke in einem Produkt. So lässt sich schon beim Betreten des Raums jede gewünschte Lichtquelle einschalten. [mehr...]

 

Forever Young: das Buch

Die Laudatio für den Bereich Kommunikationsdesign wird von Jürgen Grothues, stellvertretender Vorsitzender der AGD gehalten – was ihm nicht nur deshalb ein Vergnügen ist, weil unter den Preisträgern auch ein AGD Mitglied ist: Marco Linke von Artivista. Eine Buchreihe, ein Kinotrailer und eine Printmedien-Ausstattung für ein Theater erringen Preise. Und allen Befürchtungen zum Trotz, das Buch könne ein aussterbendes Medium sein, macht es den ersten Platz.

Kommunikationsdesign

1. Preis: Potsdamer Pomologische Geschichten von Bettina Müller
Die Pomologie ist die Lehre von den Arten und Sorten des Obstes. Bisher sieben Sorten bringt uns diese Buchreihe näher – immer mit Bezug zu Brandenburg und aufs Köstlichste illustriert und ausgestattet. [mehr...]

2. Preis: 10 Jahre DEFA Stiftung von buchstabenschubser
Ein animiertes Gewächs – bevölkert von Figuren aus elf ausgewählten DEFA-Filmen – zeigt die Entwicklung der DEFA und das Entstehen der DEFA-Siftung. Verblüffend und unterhaltsam. |mehr...]

3. Preis: Kommunikation für den Nikolaisaal Potsdam von Artivista
Das Spielplanbuch ziert ein roter Samtumschlag, die Innenseiten zeigen spektakuläre Fotos von Natur und Instrumenten – und wir können den Nikolaisaal außerhalb seiner Wände erleben. [mehr...]

 

Die anonymen Gewinner

Die dritte Gruppe, die ihre Preise erhielt, waren die Industrie- und Produktdesigner. Die Designer? Nun, eher das Design und die Auftraggeber. Denn diese hatten die Projekte eingereicht und präsentierten sie nun auch. Durchaus kompetent und mit Begeisterung – aber gerne hätten wir auch die Designer kennen gelernt, deren Arbeit die Preise errungen hatte.

Industrie- und Produktdesign

1. Preis: Modulhaus ar-che, eingereicht durch Wilde Metallbau GmbH
Ein futuristisches Haus aus Metall und Glas in freitragender Modulbauweise. Erhältlich als schwimmendes Haus auf Pontons und als Landvariante. [mehr...]

2. Preis: mobiler Hafenkran Ardelt Adler 1500, eingereicht durch Kiow Ardelt AG
Ein mobiler Kran, der keine Schienen braucht. Mit zahlreichen technischen Neuerungen und einer beeindruckenden Optik, der man ansieht, dass sie nicht den Ingenieuren zu verdanken ist. [mehr...]

3. Preis: timescope, eingereicht durch Wall AG
timescope ist ein multimediales Fernrohr, das Zeitreisen möglich macht. Wer z.B. in Zukunft vor der Berliner Gedächtniskirche steht, kann nicht nur die Gegenwart sehen, sondern auch die Vergangenheit bis zurück ins Jahr 1890. [Bilder...]

 

Jürgen Grothues AGD spricht die Laudatio
Jürgen Grothues AGD spricht die Laudatio
 
Artivista: Barbara Schilling, Marco Linke AGD und Sebastian Schmidt
Artivista: Barbara Schilling, Marco Linke AGD und Sebastian Schmidt
 
Alle Preisträger des Designpreises Brandenburg 2008
Alle Preisträger des Designpreises Brandenburg 2008
 
Wirtschaftsminister Junghanns im Gespräch mit AGD Chefredakteurin Christina Sahr
Wirtschaftsminister Junghanns im Gespräch mit AGD Chefredakteurin Christina Sahr 

 

Auf ein Wort danach

Nach der Preisverleihung konnten wir den Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns für ein kurzes Interview gewinnen. Er zeigte sich sehr überzeugt von den positiven Auswirkungen des Designpreises. Aktuell liegt das Preisgeld bei 2000 Euro für den ersten, 1000 Euro für den zweiten und 500 Euro für den dritten Platz. Eine Aufstockung der Preisgelder für 2010 ist nicht ausgeschlossen.

Über die geplante Design-Initiative der Fachhochschule Potsdam sagte der Minister: "Für gute Ideen bin ich immer zu haben." Es wird Gespräche zwischen ihm und Prof. Dr. Grahm geben.

Die Verleihung des Designpreises Brandenburg sei für ihn auch mit persönlichen neuen Erfahrungen verbunden, so Ulrich Junghanns: die Leidenschaft, die Designer für ihre Arbeit zeigen, die Sensibilität für das, was sie tun. Das alles ließe in für die Zukunft Gutes erwarten.

cs