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Essay

Was sie (er) sagt, hat Gewicht – Kommunikation als Erfolgsfaktor in der Chefetage

Isabel von Heymann

In Chefetagen sitzen Menschen – meistens Männer–, die ihre Kräfte dazu aufwenden, zu führen: also „Führungs“-Kräfte, und die ganz oben: Geschäfts-„Führer“. Führen, das kann nicht jede (jeder). Dazu braucht es „Führungs“-Kompetenzen. Beispielsweise die Fähigkeit, sich und andere zu motivieren, um sie zu Hochleistungen zu führen – zum Beispiel das Team und die Mitarbeiter. Oder: die Fähigkeit zu verhandeln und zu überzeugen – dies richtet sich eher auf Kunden und Geschäftspartner, potentielle und bestehende, weibliche und männliche. Oder, noch anders: die Fähigkeit zu kritisieren und Konflikte zu lösen – dies kann Führungskraft überall gebrauchen. – Alles Kommunikation!

"Alien" von Jörn Zimmermann

Das Erkennungsmerkmal von Führungspersönlichkeiten ist somit – die in Stellen- ausschreibungen viel zitierte – „Kommunikationskompetenz“, aber nur dann, wenn sie erfolgreich sind. Da es sich bei der Führungskraft, von der hier die Rede sein soll, nicht um einen speziellen „Er“ oder eine spezielle „Sie“ handelt, sondern um einen speziellen Typ Chef, heißt dieser nun fortan „er“ (der Chef).

Der Mann (Chef) und das Wort  Doch wie kommt nun Gewicht in die Sache? Schließlich geht es um Sprache, also um etwas Flüchtiges und Vergängliches?!
„Ein Mann ein Wort! So ist die Sprache denn der Ehre Hort“, wusste der böhmische Publizist, Satiriker und Medienkritiker Karl Kraus (1874 – 1936) zu dichten. Dies lässt nachträglich hoffen, dass Männer, die zu Kraus’ Lebzeiten zu Wort kamen oder etwas zu sagen hatten – also die Führungskräfte von damals – noch ein intaktes Ehrgefühl besaßen. „Doch diese, die verspricht, kann sich versprechen“ (die Sprache, nicht die Ehre), führt er fort und zeigt die Spannweite der Sprache zwischen Wahrheit und Lüge auf. Das Wort – selbstverständlich nur das wahre – führt schnurstracks zu den beiden Grundprinzipien erfolgreicher Kommunikation, generell und in der Chefetage, dort besonders: glaubwürdig – hinsichtlich der Taten die folgen – und nachvollziehbar – hinsichtlich der Gedanken die vorangehen – muss die Kommunikation sein. Doch dazu später.

„Oft haben Worte einen Mann ersetzt“, fasst der Dichter, beinahe warnend, zusammen. Es scheint, als könne es nicht weit her sein mit diesem Mann (das gleiche gilt auch hier für die Frau). Wie kann das gehen: das flüchtige Wort gegen den gewichtigen Mann? Oder spricht der Dichter hier von der unaussprechlichen Kraft des Wortes?

Man kann nicht nicht kommunizieren  Was er sagt, hat Gewicht! Das erwartet man eigentlich auch aus der Chefetage. – Aber auch die gegenteilige Behauptung ist richtig: Auch was er nicht sagt, hat Gewicht. Wie geht das zusammen?

Sobald sich zwei Personen gegenseitig wahrnehmen, so sagt der österreichische Kommunikationswissenschaftler, Soziologe und Philosoph Paul Watzlawick (1921 – 2007), „kommunizieren“ sie miteinander. „Verhalten hat kommunikativen Charakter“, klar, denn Verhalten ist Körpersprache. Es kommt noch besser: Verhalten sei Kommunikation: Da man sich nicht nicht verhalten könne, sei es auch unmöglich, nicht zu kommunizieren, sagt Watzlawick. Das kennt jeder: Ein Schweigen an richtiger Stelle kann mehr Gewicht haben als das Wort, es kann „Bände sprechen“, im Sinne von „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold!“. (Gold ist ja auch schwerer als Silber.)

Einheit von Wort und Tat  Augenscheinlich wird die Verbindung von Sprache und Verhalten besonders dann, wenn Wort und Tat des Gegenübers nicht so richtig zusammen passen wollen. Wenn dies der Fall ist – zur Erinnerung: beides ist Kommunikation – kommt es zu unterschiedlichen Aussagen. Es besteht die Gefahr, nicht verstanden zu werden: Irgend etwas stimmt nicht! Doch nicht nur die Botschaft sondern der Sprecher und „Täter“ selbst erscheint widersprüchlich. Als Chef wirkt er auf Mitarbeiter, Kunden und Geschäftspartner unglaubwürdig und „undurchsichtig“: Mit ihm stimmt etwas nicht! Kommunikation wird zur Falle! – Der Chef ist somit herausgefordert, die glaubwürdige (authentische) und nachvollziehbare (transparente) Botschaft zu finden, zu formulieren und zu vermitteln. Letztere bedürfen einer geschliffenen Rhetorik und einer disziplinierten Gestik. Reden kann jeder lernen – Verhalten auch!

Kommunikationskompetenz – eine Disziplin für Schwergewichte  Selbst wenn der Chef – im oben beschriebenen Sinne von Wort und Tat – noch so gekonnt kommuniziert, das heißt, wenn er sagen kann, was er meint, wenn er die „Message“ formulieren kann, die er mitteilen will, wenn er antizipieren kann, wie die „Performance“ seiner Kommunikation beim Gegenüber ankommt – ja, dann wird sein Erfolg als Führungspersönlichkeit auch noch daran gemessen werden, welche Taten er den eigenen Worten folgen lässt. Was wiederum Aufschluss über seine ursprünglichen Motive gibt, quasi die Gedanken dahinter (Hintergedanken).

Der „erfolgreiche Chef“ stimmt also mit sich selbst überein, er ist authentisch und transparent in dem, was er sagt und tut. Seine Kommunikationskompetenz beschränkt sich nicht auf argumentative Sicherheit, personale Zuwendung oder gar Kenntnis von vermeintlichen Erfolgsrezepten der Kommunikation.

Wenn die Kommunikation des sonst erfolgreichen Chefs einmal ohne Gewicht bleiben sollte, kann er sich trösten: „Wenn die anderen mir nicht folgen (können), liegt es an mir (und immerhin nicht an den anderen)!“ Und „folgen“ meint hier beides: „verstehen“ und „sich führen lassen“.

Kommunikation – mit Folgen! – kann also als Disziplin für echte „Schwergewichte“ bezeichnet werden.

Isabel von Heymann AGD

Illustration: "Alien" von Jörn Zimmermann AGD