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Allianz deutscher Designer (AGD) e. V.

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Volkssport Design

Symposium zur Lage der Designprofession

mehr Fotos und die Vortragsmanuskripte gibt es unter www.volkssport-design.de

 

26. Oktober in Berlin. Mit 400 Teilnehmern war die Arena – die Eingangshalle des Museums für Kommunikation – bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Beteiligten erlebten eine Veranstaltung der 1. Liga, in der es wenige Verlierer, viele Sieger und noch mehr Erkenntnisse gab.

"Die Designprofession ist einem tief greifenden Wandel unterworfen: Während Design einerseits an Bedeutung gewinnt, verliert es zugleich an Exklusivität. Kaum ein Bereich der Gesellschaft kommt heute noch ohne Gestaltung aus.

Auf der einen Seite ist die Designbranche als Teil der Kreativwirtschaft Hoffnungsträger für wirtschaftliches Wachstum und Standortfaktor im Wettstreit der Regionen. Auf der anderen Seite sind die Design-Methoden und Werkzeuge zunehmend Allgemeingut geworden. Der Umgang mit Gestaltungs-Software und die Tätigkeit des Entwerfens sind für die Generation Web 2.0 alltägliche, selbstverständliche Praxis.

Der Design-Beruf ist nicht geschützt und das Web fördert ein Verschwimmen der Grenzen zwischen Amateur und Profi auch in der Gestaltung. Kurzum: Design ist zum Volkssport geworden." So steht es im Intro der Veranstaltung.

Volkssport oder doch Spitzensport? Fair sein, schummeln oder dopen? In einer Mannschaft kämpfen oder allein? Richtig kassieren oder die Leistung aus Spaß und Sportsgeist erbringen? Was die Veränderung der Designprofession für Designer aber auch für Auftraggeber und Hochschulen bedeutet, wie man der Situation begegnet, welche Fähigkeiten und Strategien man braucht – diese und viele weitere Antworten gab das Symposium "Volkssport Design", zu dem die Kunsthochschule Berlin Weißensee und die Allianz deutscher Designer geladen hatten.

Florian A. Schmidt, Prof. Dr. Herbert Gröner, Dr. Lieselotte Kugler, Jürgen Grothues
Florian A. Schmidt, Prof. Dr. Herbert Grüner, Dr. Lieselotte Kugler, Jürgen Grothues
 
Volle Arena: 400 Teilnehmer im Museum für Kommunikation in Berlin
Volle Arena: 400 Teilnehmer im Museum für Kommunikation in Berlin 

 

Die Zeit läuft...

10:00 Begrüßung und Einführung, zwölf Fachvorträge, drei Diskussionen, drei Pausen, ein Panel – das sportliche Programm wurde mittels gelber Karte, roter Karte und Trillerpfeife minutengenau eingehalten; die begrenze Redezeit für die Vortragenden sicherten Spannung und ein hohes Tempo. Nach der herzlichen und sportlichen Begrüßung durch Dr. Lieselotte Kugler, Direktorin des Museums für Kommunikation, Prof. Dr. Herbert Grüner, Kunsthochschule Weißensee, und Jürgen Grothues, stellvertretender Vorsitzender der Allianz deutscher Designer gab Florian A. Schmidt eine Einführung ins Thema.

Web 2.0 im Design

Florian A. Schmidt: Volkssport Design – Amateur und Profi in der Gestaltung

10:10 Web 2.0 hat das Design demokratisiert. Ist das jetzt gut? Oder schlecht? Zuerst einmal ist es Tatsache. Wissen, Produktionsmittel und Publikationsmittel sind für jeden zugänglich und werden auch von (fast) jedem genutzt. Mit Ergebnissen von unterschiedlichster Qualität. Es begegnen uns Bastel-Ästhetik und Skurrilitäten. Andererseits: David Carson war Profi-Surfer ohne Design-Ausbildung und hat eben deshalb das Design revolutioniert. Rechtfertigt er das Lob des Amateurs? Oder ist er nur derjenige der ungezählten Affen an der Schreibmaschine, dem das Meisterwerk gelang*. Schließlich hatten schon Schiller und Goethe "Wider den Dilettantismus" gewettert.

Durch das Web 2.0 und hier vor allem durch Crowd Sourcing sind Profis und Amateure heute wirtschaftlich eng miteinander verknüpft. Was unterscheidet die einen von den anderen? Nach Ansicht von Florian A. Schmidt ist nur der Profi in der Lage, komplexe Design-Aufgaben zu lösen. Die niederkomplexen Aufgaben hingegen werden (auch) von Amateuren gelöst.

www.florianalexanderschmidt.de

*Das Fundament von Keens Web-2.0-Kritik ist das "infinite monkey theorem" des Evolutionsbiologen T.H. Huxley: "Diesem Lehrsatz zufolge müsste man nur eine unendliche Anzahl Affen an eine unendliche Anzahl von Schreibmaschinen setzen damit einer der Affen irgendwann ein Meisterwerk schreiben würde wie zum Beispiel ein Drama von Shakespeare, einen Dialog von Platon oder eine wirtschaftswissenschaftliche Abhandlung von Adam Smith."

  • Chart aus dem Vorttrag von Florian A. Schmidt
  • Chart aus dem Vorttrag von Florian A. Schmidt
  • Chart aus dem Vorttrag von Florian A. Schmidt
  • Chart aus dem Vorttrag von Florian A. Schmidt

 

Designwettbewerbe im Netz

Bastian Unterberg: Jovoto – der Unterschied

Bastian Unterberg, Mitbegründer von Jovoto

10:40 Crowed Sourcing ist eine Prozesstechnik und als solche neutral. Ob sie sich für die Beteiligten positiv oder negativ auswirkt, hängt von den Rahmenbedingungen ab. Jovoto hat sich zum Ziel gemacht, gute Rahmenbedingungen zu schaffen – und zwar für Auftraggeber und Designer gleichermaßen: "der Unterschied" zu anderen Crowd Sourcing Projekten im Netz.

Jovoto wurde 2007 an der Universität der Künste Berlin von Prof. Dr. Dr. Thomas Schildhauer und Bastian Unterberg gegründet. Unter anderem aus der Erkenntnis heraus, wie sehr junge Designer ausgebeutet werden und wie hoch die Einstiegshürden für sie sind. Fairness steht an erster Stelle und so wurden z.B. die Regelungen von Fidius e.V. für faire Wettbewerbe berücksichtigt. Offenheit, Transparenz und klare Konditionen sind Eckpfeiler der Arbeit von Jovoto. Die Community ist dialogfreudig und schätzt den Austausch, Kunden werden persönlich beraten. Große Unternehmen und auch Agenturen gehören inzwischen dazu. "Wir bringen die, die Ideen haben, mit denen zusammen, die Ideen suchen - auf faire Art, die Spaß macht." Den Preis, den der Kunde für den Spaß zu zahlen hat, beträgt zwischen 1.000 und 5.000 Euro, "wobei wir viel mehr Projekte für 5.000 Euro haben". Und da vor allem Ideen und nicht Artwork gehandelt werden, sind für die Designer oft Folgejobs d'rin – inklusive Nutzungsrechten.

www.jovoto.com

Michael Kubens: designenlassen.de – ein neuer Ansatz für Kreativprojekte

11:00 Auch designenlassen.de ist recht neu im Netz, die Plattform wurde 2008 von Michael Kubens und Eugen Sobolewski gegründet. Ursache war die Erfahrung, dass es für Firmengründer nicht einfach ist, sich ein Signet gestalten zu lassen, das einem dann auch gefällt. Vorbild für designenlassen.de war die Plattform 99designs.com

Michael Kubens hat sein Vorbild in mancher Hinsicht übertrumpft, bringt er es doch nicht nur auf 99, sondern auf aktuell 119 Design pro Projekt. Rund 100.000 Projekte wurden seit der Gründung von designenlassen.de abgewickelt und rund 150.000 Euro umgesetzt.

Michael Kubens ist durchaus vertraut mit Kritik an seiner Plattform, die vor allem die niedrigen Preise für die Entwürfe im Auge hat; sie bewegen sich fast immer im niedrigen dreistelligen Bereich. Neben einem dicken Kundenlob zitiert er auch einen Beitrag, der designenlassen.de schlicht als "Youporn für Mediengestalter" bezeichnet. Er selbst ist jedoch der Meinung, dass die Idee sehr gut funktioniert und dass die erfolgreichsten Designer in seinem Portal die mit ausgeprägter Kundenorientierung sind.

www.designenlassen.de

 

Prof. Torsten Stapelkamp: Erst Design schafft Bedeutung – Crowd Sourcing ist dafür nicht geeignet.

11:20 Die Idee des Crowd Sourcing im Allgemeinen und designenlassen.de im Speziellen bekommen die erste rote Karte von Prof. Torsten Stapelkamp. Gewinner könnten nur die Auftraggeber sein, die beteiligten Designer müssten verlieren. Neben keinem Geld gäbe es auch kein Renommee, niemand könne damit für seine Leistung werben, dass er bei designenlassen.de mitgemacht habe. Im Gegenteil.

Designer sind keine Zulieferer von Ideen, sondern sie geben Unternehmen Identität. Sie sind Berater und lösen Aufgaben von hoher Komplexität. Designer leisten Unternehmensberatung mit anschließender Produktentwicklung. Sind Designer vielleicht sogar die besseren Manager? Prof. Stapelkamp zitiert den Ökonomen Joseph Schumpeter: "Das Künstlerische am Management kann man nicht richtig erlernen, entweder man hat es oder nicht. Gerade das zeichnet den schöpferischen, kreativen, innovativen, aber auch risikobereiten Unternehmer aus." Schuld ist die "latente Hemmung", ein Filter für Reize. Bei Buchhaltern z.B. ist sie besonders ausgeprägt und befähigt sie zu hoher Konzentration. Bei Designern hingegen ist dieser Filter schwach. Deshalb sind sie störanfälliger – und kreativ. Und diese Gabe sollte man nicht verschleudern. "Der intuitive Geist ist ein heiliges Geschenk und der rationale Geist ein treuer Diener." Albert Einstein.

www.maas-co.com
www.interactions.de

Sabine Zentek: Fairness bei kommerziellen Design-Wettbewerben aus rechtlicher Sicht.


11:40 Die zweite rote Karte. Sabine Zentek, Fachanwältin für Urheber- und Medienrecht und Leiterin von FIDIUS, hält designenlassen.de für ein rechtlich waghalsiges Konstrukt. Zu einem drohten Nachforderungen der Designer, die mit "Lidl-Honoraren" abgespeist worden waren. Sie hätten laut Urheberrecht Anspruch auf ein "marktübliches Honorar", und gute Chancen, das auch nach Abwicklung der jeweiligen Projekte vor Gericht durchzusetzen. Zum zweiten sei eine pauschale Übertragung der Nutzungsrechte in der praktizierten Form nicht möglich, die Nutzungsrechte müssten genau benannt werden.

Das eigentliche Thema sind jedoch kommerzielle Wettbewerbe, die "zunehmend die normale Vergabe von Aufträgen ersetzen." Die meisten von ihnen sind leider keine fairen Wettbewerbe. Die Preisgelder sind oft zu gering, Nutzungshonorare werden in den seltensten Fällen ausgewiesen, oft sollen die Designer die Rechte an ihren Werken komplett an den Veranstalter abtreten. Das Ziel von FIDIUS ist es, eine faire Gestaltung von Wettbewerben zu erreichen und damit auch die Wertschätzung von Design zu fördern. Der Appell an die Hochschulen: Unterstützt keine unfairen Wettbewerbe, weil die Teilnehmer ja "nur" Studenten sind und lehrt die Studenten, Fairness zu kennen und zu fordern.

www.sabine-zentek.de
www.fidius-online.de

Diskussion. Die Referenten zum ersten Themenblock und das Publikum unter Leitung von Prof. Dr. Herbert Grüner

Michael Kubens, Bastian Unterberg, Sabine Zentek und Dr. Torsten Stapelkamp
Michael Kubens, Bastian Unterberg, Sabine Zentek, Torsten Stapelkamp 

Kaufen Agenturen ein Brainstorming bei designenlassen.de? Sind die Verträge von Baiersdorf wasserdicht? Wer ist schuld an der Erosion von Vergütungen? Die erste Diskussionsrunde bietet die meisten Kontroversen und steht hier bereit als

 

Preis und Wert von Design

Wolfgang Beinert: Think different! Klare Positionierung als Wettbewerbsstrategie

Wolfgang Beinert

13:30 Alles gehört zur Realität des Design: Bezahlungen, die Designer zu Prekariern machen und Phänomene wie billige Crowd Sourcing Plattformen. Die Chance für den Einzelnen besteht darin, sich dieser vermeintlichen Realität nicht anzupassen. Die persönlichen Zielsetzungen bestimmen den Weg – auch wenn sie nicht mit den marktspezifischen Rahmenbedingungen vereinbar zu sein scheinen.

Klare, authentische Positionierungen sind wichtiger als je zuvor. Sie ermöglichen klare Antworten gegenüber den Auftraggebern und eine klare Haltung gegenüber der eigenen Profession. Jeder von uns muss seinen eigenen Platz in "Gottes Tiergarten" finden, es ist für viele Arten Raum.

Wichtig: Nein sagen im richtigen Moment!

www.beinert.net
www.typoakademie.de

 

Boris Buchholz: Design hat seinen Preis. Über Kalkulationen, von denen man leben kann.

  • Boris Buchholz
  • Boris Buchholz

13:50 42.000 freiberufliche Designer leben und arbeiten in Deutschland, 3.223 von ihnen sind in der Allianz deutscher Designer organisiert. Europas größter Berufsverband für Designer aller Fachbereiche versteht sich als Serviceverband, er bietet ein breites Beratungsangebot und – seit rund 30 Jahren – den Vergütungstarifvertrag Design.

Er ist eine wichtige Kalkulationshilfe für Designer. Eine andere: das Errechnen des eigenen finanziellen Bedarfs. Am Anfang steht eine lückenlose und ungeschönte Liste aller Ausgaben: "Urlaub, Büromiete, Kitagebühren, Steuer, Ausrüstung, Fachbücher und Alterssicherung". Das sind 1.000 Euro? 3.000 Euro? 5.000 Euro? Die Summe für den monatlichen Bedarf wird durch die Anzahl der monatlichen Stunden geteilt. Doch Achtung: Nicht 160 Stunden im Monat lassen sich berechnen, denn viele Stunden, die wir arbeiten, bekommen wir von niemandem bezahlt: Die Steuerunterlagen zusammenstellen, die Technik betreuen, uns fortbilden und vieles mehr tun wir nicht gegen Entgelt. Realistisch ist es, ein Drittel bis die Hälfte unser monatlichen Arbeitsstunden anzusetzen, also 54 bis 80 Stunden. Das Verfahren klingt einfach, wird aber viel zu selten praktiziert und deshalb hier zur Nachahmung empfohlen.

www.borisbuchholz.de

Den Vergütungstarifvertrag Design VTV gibt es im AGD Shop www.agd.de/agd-shop.html

Malte Christensen: Designer X.0 – ein Leitfaden zur Etablierung im Web

14:10 Für jeden Designer gibt es einen anderen Weg, sich im Web zu etablieren. Was muss man dazu können? "Ich muss nicht programmieren können – ich muss verstehen!"

Das Internet ist omnipräsent, es hält ständig neue Informationen bereit, es schläft nie. Es bietet für jeden unzählige Möglichkeiten der Kontaktaufnahme, der Kommunikation, des Suchens und des Findens. "Wichtig: Geht raus! Ihr müsst eure Chancen selbst erzeugen." Und dafür auch an der eigenen Selbstdarstellung arbeiten. "Die Positionierung und die Schärfung des eigenen Profils wird in Zukunft immer wichtiger. Was könnt ihr besonders gut? Was sind eure Vorteile, bzw. wofür wollt ihr mit eurem Profil stehen?" Die eigenen Ziele erkennen, möglichst wenig Zeit für wiederkehrende Aufgaben verschwenden, Geschäftsmodelle entwickeln und sich "Vorteile durch die Aneignung von Wissen und geistigem Kapital verschaffen", das alles sind Schritte auf diesem Weg, den es für jeden gibt. Ganz real. Denn: "Egal, wie digital etwas ist, es landet alles wieder im Realen."

Der komplette Vortrag: http://kopfbunt.de/volkssport-design-aufarbeitung/4927/

www.maltechristensen.com

 

Ronen Kadushin: Open Design – Creativity in it Context

14:30 Das Konzept des Open Design basiert auf der Idee des Open Source. Die hat die Software-Industrie revolutioniert und ist zu einer sozialen Bewegung geworden. Auch im Grafik-Design und Web-Design werden Ideen geteilt, Projekte gemeinsam entwickelt und auf die Welt gebracht. Dach was machen Industrie-Designer? Vor der Realisierung ihrer Projekte stehen teure Produktionsprozesse, eine direkte Verbindung zum Endkunden gibt es nicht.

Das geht auch anders! Mit Open Design. Hier werden Entwürfe für Möbel, Leuchten und Einrichtungsgegenstände in Form von einfachen Schablonen zum Download angeboten. Jeder darf sie produzieren (lassen), mehr als eine CNC-Maschine ist nicht nötig. Und jeder ist eingeladen, sie zu verändern, mit ihnen zu spielen und sie den eigenen Wünschen anzupassen.

www.ronen-kadushin.com

 

Diskussion. Die Referenten zum zweiten Themenblock und das Publikum unter Leitung von Prof. Dr. Herbert Grüner

Wolfgang Beinert...
Wolfgang Beinert...
 
Ronen Kadushin, Prof Dr. Herbert Grüner, Malte Christensen, Boris Buchholz
Ronen Kadushin, Prof Dr. Herbert Grüner, Malte Christensen, Boris Buchholz 


Wolfgang Beinert empfiehlt Ausdauer bei der Durchsetzung der eigenen Positionierung; das geht immer besser mit dem Alter. Und er ist dafür, Wissen zu teilen.

Malte Christensen fragt, wer aktiv Inhalte ins Netz stellt (wenige), wehr Twitter nutzt (einige), wer es verstanden hat (einer) und wer den Eindruck hat, das Web würde seine Berufswelt verändern (erstaunlicherweise nicht alle).

Der Wunsch nach einer gemeinsamen Stimme für alle Designer in Deutschland wird geäußert.

Der Vergütungstarifvertrag Design wird gelobt.

Die Masse der Anwesenden ist glücklich.

 

Anforderungen an Profis

Manuela Kreisel: Von der Designwolke zur Bodenhaftung – Anforderungen aus der Perspektive einer Druckerei

15:30 Designer sind in erster Linie Kreative und müssen in zweiter Linie immer mehr Technik beherrschen. "Das Erstellen einer druckfähigen Datei setzt Wissen und Erfahrung voraus." Die Druckerei Laserline gibt ihr Know how an Designer weiter, z.B. mit der Blackbox als Informations-Konzentrat oder in der Laserline Academy.

Immer wichtiger wird in Zukunft Web-to-Print werden. Nicht nur in der einfachen B2C-Anwendung, die es jedem Computer-Nutzer ermöglicht, Visitenkarten bei einer Online-Druckerei zu bestellen, sondern auch als aufwändige B2B-Lösung. Solche Lösungen erfordern sehr viel technisches Wissen von Designern – die aber auch gerne ganz altmodisch von Angesicht zu Angesicht bedient werden.

www.laser-line.de

 

Thomas Klein: Demokratisierung des Designs – Fluch oder Segen?

15:50 Die Ansprüche an Design steigen, der Kunde will exzellentes Design, gleichzeitig nimmt die Wertschätzung ab. Welche Herausforderungen ergeben sich aus dieser Situation? Wohin muss Design sich entwickeln?
   
Design war und wurde: Schönheit und Ästhetik, Klarheit und Funktion, das Einheitliche und das Stimmige, das Strategische und das Systemische. Heute sind wir ganzheitlich, sinnlich und intuitiv.

Wir sind in der Lage, Wertsteigerungen für Unternehmen zu schaffen – nicht zuletzt das macht den Wert von Design aus. Die Bedeutung von Markenwert steigt ständig. Doch es beginnt auch eine Gegenbewegung: Die Konsumenten beginnen, sich zu wehren, sie schotten sich ab, sie möchten nicht mehr überlagert werden von Kommunikationsbotschaften.

Das macht die Herausforderung an gutes Design noch größer. Doch welche Fähigkeiten müssen Designer haben? Oder lernen? Welche Kernkompetenzen gestalten die Zukunft?

Eine Umfrage in den Büros von Metadesign.

  • Ganzheitlichkeit. Wir müssen die Dinge in ihrem Kontext erfassen und realisieren. Wir müssen das Abstrakte wahrnehmbar machen und das Erlebnis im Blick haben.
  • Empathie. Empathie bedeutet, sich in die Welt des Kunden zu versetzen, in die Welt seines Geschäfts und in die Welt seiner Gefühle. Dabei müssen wir bedenken, dass es die Gefühle von morgen sind, wir müssen immer einen Schritt voraus sein.
  • Interdisziplinarität. Unterschiedlichste Informationen aus unterschiedlichen Quellen werden zusammengetragen. Interdisziplinäres Arbeiten bedeutet das Zusammenfügen von vielen Teilaspekten. Wie Legosteine. Wenn wir es hinkriegen, dass alle gut zusammenarbeiten, kommt etwas Neues dabei heraus.
  • Nachhaltigkeit. Eine wichtige Anforderung an professionelles Design ist die Nachhaltigkeit der Lösungen und die Nachhaltigkeit der Kundenbeziehungen. Überreiche ich einen Blumenstrauß oder pflanze ich einen Baum?
  • Internationalität. Visitenkarten werden in China mit einer leichten Verbeugung und beiden Händen überreicht und entgegengenommen und mindestens zehn Sekunden lang angesehen und gewertschätzt, bevor sie weggelegt werden dürfen. Designer werden in Zukunft immer mehr Verständnis für die Bedürfnisse anderer Menschen und Märkte entwickeln.

"Designkompetenz von morgen ist die Fähigkeit, Perspektiven und Informationen unterschiedlicher Disziplinen zu verstehen, zu verbinden und weiter zu entwickeln. Designkompetenz ist die Fähigkeit, Design außerhalb der Designwelt zu vermitteln und zu vertreten, die Fähigkeit, die Bedürfnisse und Wünsche des Kunden und dessen Kunden zu antizipieren, die Fähigkeit, das Abstrakte und Komplexe in ein verständliches Design zu überführen, die Fähigkeit, individuelle und nachhaltige Beziehungen aufzubauen, die Fähigkeit, von anderen zu lernen, die Fähigkeit, Menschen mit herausragenden Ideen zu begeistern."

www.metadesign.de

Prof. Stefan Koppelkamm: Bande à Part (aus der Reihe tanzen)

16:10 Wettbewerbe, Preisverfall, das Nebeneinander mit Amateuren – keine der beschriebenen Entwicklungen ist aufzuhalten. Designern bleibt nur, ihre Position jeweils neu zu bestimmen. Der Beruf des Designers besteht weder darin, technische Dienstleitungen zu erbringen, noch darin, zusammen mit Amateuren an Logowettbewerben teil zu nehmen. Das Gute an solchen Entwicklungen ist, dass es die Designer dazu zwingt, darüber nachzudenken, was ihre Professionalität ausmacht. Und alles andere andere Leute machen zu lassen.

Worin besteht diese Professionalität, und was bedeutet das für die Lehre?
Die Lehre an einer Hochschule sollte sich nicht von kurzfristigen Entwicklungen abhängig machen. Kurzfristige Kursauschläge führen zum Kentern. Wohl aber gibt es Kurskorrekturen wie eine Erweiterung des Portfolios. Dabei geht es nicht um Spezialisierungen oder das Trainieren bestimmter Fertigkeiten, sondern im Vordergrund stehen immer grundlegende gestalterische Kompetenzen, die man medienunabhängig braucht:

Das Finden von Bildern, das Zueinenderstellen von Bilden und Texten im Raum, das Erzählen mit Bildern, das Strukturieren von Inhalten, das Entwickeln von Konzepten, das Finden von eigenen Themen. Das alles findet statt in einem Spannungsfeld zwischen intuitiven und systematischen Lösungsmethoden, Praxis, Theorie und Selbstreflexion.

Der Sinn des Studiums besteht darin, herauszufinden, was man will und so etwas wie eine Blaupause für das eigene Leben als Gestalter zu entwickeln. Erfolg ist mehr als materieller Erfolg, Erfolg ist die Fähigkeit, das eigene Leben selbstbestimmt zu leben, die eigenen Lebensprojekte zu verfolgen. Wichtig ist Eigensinn.

www.kh-berlin.de    

 

Prof. Dr. Gesche Joost: Design als Forschung

16:30 Kein Prekariat für Designer – die einzig wahre Lösung: Designforschung.

Designer haben die Kompetenz, sich in Forschungszusammenhängen zu bewegen. Sie beherrschen die Zusammenstellung von Analyse, Projektion und Synthese:

Designerinnen und Designer sind nicht nur damit befasst, Kontexte und Alltagssituationen zu analysieren, sondern sie projizieren Alternativen, sie projizieren Lösungen für Problemstellungen, die aus dem Alltag entstehen. In der Projektion steckt bereits der Entwurf. In der Synthese werden die Ergebnisse dann so zusammengefasst, dass sie als fertige Produkte und Servicekonzepte marktfähig werden.

Diese praktische Kompetenz wird in der Forschung immer wichtiger.

Die Deutschen Telekom Laboratories erforschen mit diesen Methoden Kommunikationstechnologien der Zukunft. Usability, Netzwerksicherheit, Interaktionskonzepte sind Themen, aktuell werden z.B. die unterschiedlichen Kommunikationsbedürfnisse von Männern und Frauen erforscht. Dabei wird Forschung direkt durch Design betrieben, das Design ist nicht angehängt, sondern die Forschung steckt im Designprozess selbst. Nutzerinnen sind in einem Ko-Design-Prozess aktiv beteiligt, dokumentieren Alltag und Bedürfnisse, entwerfen Wunschprodukte – und bringen ein Höchstmaß an Erkenntnissen über Kommunikation, Kommunikationslügen und die Verhinderung von Kommunikation.

Design kann gewinnen durch Research trough Design. Voraussetzung sind die wissenschaftliche Professionalisierung und Expertentum. Das ist eine klare Anforderung an die Designausbildung. Auch ein Doktor im Design muss möglich sein. Denn das ist häufig ein Kriterium für den Zugang zur Forschung. Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, können Designer eigene Ideen der Forschung nach vorne bringen.

www.laboratories.telekom.com

 

Diskussion. Die Referenten zum dritten Themenblock und das Publikum unter Leitung von Prof. Dr. Herbert Grüner

Die Unternehmen wissen noch immer zu wenig über Design und Designforschung. Zu viel ist dem Zufall überlassen. Aber die Zeit ist günstig, Unternehmen zu überzeugen – alle reden über Creative Industries.

Forscher und Designer können voneinander lernen, Theorie und Praxis ergänzen sich. Sie stärker zusammen zu bringen, ist auch für die Hochschulen ein Weg.

Open Source und Crowd Sourcing gehen zunehmend in die Forschung ein. Nutzer und Forscher bewegen sich auf Augenhöhe. Das Einbringen von Alltagserfahrung ist ein wichtiger Aspekt bei der Entwicklung von Innovationen und eine gute Ergänzung zur Arbeit der Forschungsabteilungen.

Vor allem im Bereich "Design for All" gibt es auch für Designbüros die Möglichkeit, sich an größeren Forschungsvorhaben zu beteiligen. Hier fragen die Ingeneure Designkompetenz nach.

Metadesign bevorzugt Akademiker – oder Super-Talente. Dann ist die Designausbildung egal.

Wer Professor oder Professorin an einer deutschen Hochschule wird, verdient gut 3.000 Euro. Leistungszulagen sind möglich und lassen sich erstmals nach drei Jahren beantragen. Der Gedanke des Wettbewerbs hat Eingang gefunden.

 

Fazit nach dem Panel

A designer is a person who designs something. (Wikipedia)

Wer von Design auch leben will, konnte Denkanstöße und Informationen in großer Zahl von dieser Veranstaltung mitnehmen. Konsens: Mehr ist mehr. Mehr Professionalisierung, mehr Spezialisierung, mehr Einmischung, mehr Wissenschaftlichkeit, mehr Kundennähe, mehr Präsenz, Mehr-Wert bringen Designerinnen und Designer weiter.

Danke an alle, die "Volkssport Design" möglich gemacht haben. 18:30

cs

 

Noch mehr Fotos und Vortragsmanuskripte gibt es auf der Website www.volkssport-design.de