Direkt zum Inhalt

Allianz deutscher Designer (AGD) e. V.

Anschrift

Steinstraße 3, 38100 Braunschweig, Telefon: +49 (0)531.16757, Telefax: + 49 (0)531.16989, Internet: http://www.agd.de

vier|viertel

Designer spielen - warum spielen zufrieden macht, wie Spiele gestaltet werden und wie Sie in Machtspielen selbstbewusst mitmischen... Das agd|viertel gibt es im Abo oder als Probeexemplar im AGD Shop.

Red dot award für Johannes Loer

"Die Liga der wahrhaft außergewöhnlichen Gentlemen" – Kurt Weidemann inspiriert posthum. [mehr...]

Neue Vergünstigung für AGD Mitglieder

AGD Mitglieder erhalten im Softwarehaus BtB Sonderkonditionen, ebenso bei Veranstaltungen des VDM Nord und Seminaren der AEP. [mehr für Mitglieder]

 

TYPO Berlin 2010

Alltäglich, göttlich, lebensrettend: Passion

AGD Stand auf der TYPO 2010. (c) Aladdin Jokhosha
AGD Stand auf der TYPO 2010. (c) Aladdin Jokhosha

Leidenschaft für Design – und für viele andere Bereiche des Lebens. Die TYPO 2010 hielt, was der Titel versprochen hatte. Die AGD war vor Ort. Mit einem eigenen Stand, Vortragenden aus ihren Reihen und nicht zuletzt im TYPOspecial mit einer Neuauflage des erfolgreichen Symposiums "Volkssport Design".

Der Stand der AGD – an neuem Platz und ganz in weiß – war gut besucht und wurde regelmäßig betreut von dem AGD Vorsitzenden Dr. Aladdin Jokhosha und der AGD Kollegin Henny Bernstädt-Neubert. Weitere Kolleginnen und Kollegen übernahmen tageweise AGD Dienst, so dass alle interessierten TYPO- Besucher zuverlässig mit Informationen versorgt wurden. Danke! cs

 

Erik Spiekermann: Das kann ich überhaupt nicht ab & das macht mich richtig glücklich.

Erik Spiekermann (c) Kassner

Unerwartet wurde Erik Spiekermann die Ehre zuteil, die TYPO 2010 zu eröffnen; Peter Kruse war kurzfristig erkrankt. Nichts, womit man Erik in Verlegenheit bringen könnte. Er präsentierte seine zwei Listen von Dingen, die er liebt und die er hasst, eben ein paar Stündchen früher als geplant. In den Listen erfreuen sich Designrelevantes, Weltanschauliches, Wetter und Leckereinen eines fröhlichen und gleichberechtigten Miteinanders. Zu den guten Dingen gehören neben Marzipan und Basilikum der Bleisatz, Europa, der Frühling in Berlin und die Schriften, die ihn umgeben – besonders, wenn sie von ihm selber stammen.

So betrachtet Erik Spiekermann dann auch folgerichtig den U-Bahnhof Mohrenstraße kritisch, wo sein BVG-Nachwende-Erscheinungsbild, gekennzeichnet durch die Transit, zunehmend durch die Helvetica verwässert wird. "Eine Systemschrift von Microsoft im Führer-Bahnhof" findet Erik Spiekermann nicht lustig. Außerdem nicht: manierierte Schriften, in der Musik das Klatschen auf eins (= Marsch), Kaffen aus Pappbechern, Hotelnachrichten zum Thema Handtuchreinigung, rutschende Socken und hohle Floskeln. "Ich sage mal...".

Ein kleiner typografischer Spaziergang durch Berlin – schön: die Berliner Straßenschilder wegen der Ligaturen), schlecht: die blauen Schilder mit Hinweisen für Touristen u.a. wegen der untereinander stehenden Pfeile – beschließt den Vortrag, den man heiter und unbeschwert verlässt. cs

 

Alessio Leonardi: Leidenschaft? Nein, danke!

Aus dem Vortrag von Alessio Leonardi (c) C. Sahr

Ein Typograph, Illustrator, Italiener – wer könnte uns die Leidenschaft besser erklären als Alessio Leonardi. Er tut es wort- und vor allem bildreich, sein neuster Comic trägt den Titel "Wie die Leidenschaft unser Leben ruiniert".

Wir beobachten den bedauernswerten Typographen, der beim Joggen, beim Liebensspiel und bei der Küchenarbeit immer nur an das Eine denkt: die Serifen des kleinen "a". Wir erfahren eine ganz neue Geschichte der Vertreibung aus dem Paradies, die gläubigen Christen das Wasser in die Augen treiben muss: Die Vertreibung war von Gottvater selbst initiiert. Des Müßiggangs seiner Geschöpfe müde, denen es im Paradies einfach zu gut ging, schickte er die Schlange mit der Botschaft zu Eva, die Frucht vom verbotenen Baum könne Adams gestörte Erektionen stärken. Und schuf so die Leidenschaft.

Wir werden mit der Theorie konfrontiert, die lästige Leidenschaft sei einem Gen-Defekt zu verdanken. Er entstand aus einer erotischen Verbindung, von der wir erst kürzlich alle erfuhren: der Verbindung des Homo Sapiens mit dem Neandertaler.

Dass Leidenschaft die Selbstbestimmung verhindert, kann man, so Alessio Leonardi, leicht bei Erik Spiekermann sehen, der eine Firma nach der anderen gründet und trotzdem nicht glücklich ist. Die Leidenschaft bringt Designer dazu, unsinnige Pitches zu machen und birgt Gefahren wie Armut, Sucht, Wahnsinn und Einsamkeit.

Was hilft? Die Befreiung aus der Leidenschaft mit Hilfe einer strengen Kur, die von der Weisheit asiatischer Mönche inspiriert ist und uns Schritt für Schritt entwöhnt:

  1. Nur noch die Rotis verwenden.
  2. Keine Versalien mehr benutzen.
  3. Alle Konsonanten meiden.
  4. Wir gebrauchen nur noch das "o"...

(mit gesenkter Stimme) "oooooooooo".

Wollen wir das wirklich? Alessio Leonardi jedenfalls glaubt nicht an ein Leben, in dem es uns an jeglichem Antrieb mangeln würde, das Internet, eine gute Serifenschrift oder den Cappuchino zu erfingen. "Ohne Leidenschaft geht es nicht."

Da sind wir aber froh! cs

 

Ivo Gabrowitsch: Tschüss Tristesse! Hallo Webfonts!

WebFonts Screenshot

Fast zwanzig Jahre nach Erfindung des World Wide Web wird seine Erscheinung noch immer von einer Handvoll Systemschriften bestimmt. Alle Welt sieht gleich aus, an die Umsetzung eines CDs ist nicht zu denken.

Oder vielmehr: war nicht zu denken. Denn FontShop hat jetzt echte WebFonts entwickelt.

Bereits 1998 wurden erste Versuche unternommen. die Schriften-Beschränkung im Web aufzuheben, 2002 und 2008 folgten weitere Initiativen, doch alle scheiterten an technischen oder an Lizenz-Problemen.

2009 wird von FontShop das "Web open Font Format" WOFF umgesetzt; das Format WOFF wird von den meist benutzen Browsern Internet Explorer und Firefox und den Anbietern von Schriften gleichermaßen unterstützt. Die Webfonts gibt es außerdem im Format EOT Lite, ein Typekit ermöglicht darüber hinaus die Darstellung in sämtlichen anderen Browsern.

Die WebsFonts sind Bildschirm-optimiert und werden nach einem übersichtlichen Lizenz-Modell vertrieben. Aktuell stehen 30 FontFont-Schriften mit insgesamt 1.250 Fonts zur Verfügung. cs

www.fontshop.de

 

Frank Schomburg: Die Magie emotionaler Resonanz. Wenn der Schwanz beginnt, mit dem Hund zu wedeln.

Frank Schomburg (c) Kassner

Wäre Facebook ein Land, wäre es nach Zahl seiner Einwohner das drittgrößte der Erde. Die drei Top-Twitterr der Welt haben zusammen mehr Follower als Österreich Einwohner hat. Die ehemals passiven Konsumenten des Internet sind Akteure geworden, die sich zu gewaltigen Netzwerken zusammenschließen und über erhebliche Macht verfügen können: Der Schwanz hat begonnen, mit dem Hund zu wedeln. Der Vortrag von Frank Schomberg, der für den erkrankten Peter Kruse gekommen war, belegte eindrucksvoll die Entwicklungen in unserer Welt des Web 2.0, die gravierend und zukunftsweisend sind.

Ein aktives Netzwerk hat viele Knoten, ein hohes Ma0 an spontaner Aktivität und eine "nachhaltig kreisende Erregung" – eine Leidenschaft. Aktive Netzwerke können sich in kurzer Zeit aufschaukeln, sie kommunizieren schnell und expansiv auch ohne etablierte Medien, ihre Resonanzwellen können Firmen und Personen um Ruf, Kopf und Kragen bringen – oder zu unerwartetem weltweitem Ruhm. Eine Susan Boyle avanciert zum Superstar, Greenpeace scheucht den Giganten Nestlé auf, bei der Protestaktion "uni brennt" werden Hochschulen in ganz Österreich und darüber hinaus in konzertierten Aktionen besetzt – mit Hilfe von Youtube, Facebook, Twitter und Co., von Menschen in Netzwerken, von "Menschen in Resonanz".

Was motiviert Menschen, in Netzwerken aktiv zu sein? Oft viel von sich preis zu geben? Gerade im Netz und nicht woanders nach Informationen zu suchen?
Aufwendige Untersuchungen – ausschließlich an Heavy Usern – haben ergeben, dass Netzwerke keineswegs homogen sind und die Nutzer sehr unterschiedliche Motivationen haben.

  • Die Digital Visitors suchen verlässliche Informationen und Beziehungen. Sie wünschen sich feste Regeln und Werte.
  • Die Digitals Residents lieben die Dynamik von Netzwerken und wollen sie mit gestalten. Sie haben ihren Lebensmittelpunkt in die sozialen Netzwerke verlegt.

Die Trennung zwischen Visitors und Residents läuft quer durch alle Altersstufen, Werte und Verhalten verändern sich in allen Teilen der Gesellschaft.
Netzwerke werden weiter an Wichtigkeit gewinnen, und wir bewerten und handeln in Netzwerken emotional. Nur Werte, die viele Menschen in einem Netzwerk teilen, erzeugen emotionale Resonanz. Empathie wird zu Schlüsselkompetemz — Netzwerke brauchen Leidenschaft. cs

 

Florian Schmidt:Volkssport Design Reloaded

Jeder zehnte Crowdsourcing-Wettbewerb werde gewonnen, das Preisgeld liege im Schnitt bei 150 Euro – Florian Alexander Schmidt, einer der Initiatoren des Symposiums "Volkssport Design", das im letzten November stattfand und von der Kunsthochschule Weißensee und der AGD ausgerichtet wurde, berichtet von einer Profi-Designerin, die sich regelmäßig ins Crowdsourcing-Getümmel stürzt. Ihre Motivation sei nicht, viel Geld zu verdienen. Vielmehr könne sie in ihrer Arbeitszeit ihre Kreativität als angestellte Gestalterin nicht ausleben. In ihrer Freizeit jedoch tobt sie sich aus – bei designenlassen.de.

Wenn es darum geht, seinen Lebensunterhalt zu verdienen, rät Florian Schmidt vom Crowdsourcen ab. Jedoch steht für ihn fest: "Die Amateure sind aufgrund ihrer Masse eine ernstzunehmende Produktivkraft." Die Konkurrenz für die "Profis" ist da. Statt Crowdsourcen zu verteufeln, sollten Profi-Designer ihre Kompetenzen zur Geltung bringen und neue Geschäftsfelder erschließen, in denen die Crowdsourcer nicht konkurrieren können. Er nennt als Beispiele Design-Management, Design-Thinking und Designforschung.

Dass die Amateure zunehmend kommerzialisiert werden, belegt Florian Schmidt anhand von dawanda.com: Auf der Onlineplattform für "Deutschlands kreative Selbermacher" werden Bastelergebnisse von Möbeln bis Mode angeboten. Einzige Auflage: Es müssen Unikate sein. Das Dawanda-Konzept scheint Erfolg zu haben, was im Schnitt vier Millionen Besucher pro Monat eindrucksvoll belegen.

Florian Schmidts wichtigste Botschaft an das Design-Publikum lautete: "Der Kampf gegen die Amateure ist keine Lösung!" bb

 

Dragan Espenschied: Leidenschaft, die ich meine

Es sei ein Gefühl, "neue Welten zu entdecken", kommentiert Dragan Espenschied den animierten Sternenhimmel einer x-beliebigen Website, die eindeutig nicht von Design-Profis erstellt wurde. Im Mittelpunkt seines Vortrags stehen die Web-Amateure, die Mehrzahl aller Webengagierten weltweit. Designs, die bei anderen Vorträgen auf der Typo als markerschütternd schlecht besprochen und als Negativ-Beispiele die Profi-Lösungen aufwerten sollen, stehen bei Espenschied im Rampenlicht: Er findet die Clipart-Anmiationen, die Schriften- und Farbenvielfalt, die Sternenhimmel und Raumschiff-Anmutungen großartig. "Da steckt viel Energie drin – das ist etwas, was professionellem Design oft fehlt", sagt er zum Beispiel. Oder: "Ich glaube kaum, dass man das professionell besser machen kann."  

Es stimmt schon. Auch wenn die Navigation überfrachtet ist, die Farbenvielfalt erschlägt und einem die Clip-Arts zum Teil bekannt vorkommen – die Leidenschaft, mit der die Seitengestalter ihre Inhalte ins www gebannt haben, bleibt spürbar. Außerdem, und darauf weist Dragan Espenschied wiederholt hin, sind die Amateurseiten historisch bedeutsam. Als die ersten HTML-Seiten von den normalen Anwendern programmiert wurden, bestand auch das gesellschaftliche Gefühl "in neue Welten vorzudringen" und à la Enterprise Galaxien zu entdecken, die noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Der Sternenhimmel-Hintergrund, aber auch der Sternen-Bildschirmschoner zeugen von den Anfängen des World Wide Web. Auch an der Bewegungsgeschwindigkeit animierter GIFs lasse sich das Alter ablesen: "Wenn ein GIF sich sehr schnell dreht, dann heisst das, dass es alt ist." Probe gefällig? Bitte sehr: www.dr-junk.de bb

 

Ralf Herrmann: Speed Reading – Schriften und Verkehrszeichen

Aus derm Vortrag von Ralf Herrman (c) C. Sahr
Schildervielfalt
Orteingang Baumberg
Die Wayfinder Sans

Sie sind allgegenwärtig, unverzichtbar für unsere Orientierung, ihre Lesbarkeit kann im Extremfall über Leben und Tod entscheiden: Verkehrsleitsysteme. Doch wie müssen Schriften auf Schildern gestaltet sein, damit ihre Lesbarkeit optimal ist?

Ralf Herrmann widmete sich dem Thema mit Leidenschaft. Als Grundlage entwickelte er das "Zwiebelschichtenmodell der Lesbarkeit", das Lesbarkeit auf der Buchstaben- und der Textebene unterscheidet und die unterschiedlichen Faktoren miteinander kombiniert. Er sammelte Erfahrungen mit Verkehrsschildern auf Tausenden von Kilometern in Ländern rund um die Erde. Er analysierte die Lesbarkeit von Schildern unter unterschiedlichsten Umständen: Tag, Nacht, Nebel, weit, nah. Er verfolgte die Geschichte der Verkehrsleitsysteme seit der Zeit unserer Urahnen, die mit der ausgestreckten Hand dem Ortsunkundigen die richtige Richtung wiesen. Die Verkehrsschilder in Holland sind noch heute nach dem Fingerpost-System gestaltet. In Deutschland dominiert seit den 30er Jahren die DIN 1451 – eine konstruierte Schrift, die dennoch recht gut zu lesen ist. Örtliche Abweichungen sind möglich, da die Gemeinden eigenständig über verwendete Schriften entscheiden, wie das Beispiel Baumberg zeigt.

Ralf Herrmann beließ es nicht bei Analyse und Erkenntnis, er entwickelte eine eigene Schrift speziell für den Einsatz auf Schildern – die Wayfinding Sans. Ihr voraus ging die Entwicklung einer Software, die es dem Designer möglich macht, am Computer Prozesse zu simulieren, die man im Straßenverkehr erlebt: das Heranfahren an ein Schild und die aufeinander folgenden Phasen des Erkennens, wechselnder Kontrastumfang (gering zum Beispiel bei Nebel), das Überstrahlen, wenn reflektierende Schilder in der Nacht angeleuchtet werden.

Wir lesen vor allem die Teile eines Buchstabens, die ihn von anderen unterscheiden. Zudem können wir am besten generische Schriften lesen, also Schriften, deren Formen wir gewohnt sind. Die Wayfinding Sans berücksichtigt beide Anforderungen. Auch die Optimierung von Strichstärken spielt eine wichtige Rolle.

Die Wayfinding Sans hat es bis heute zu einer umfangreichen Betaversion inkl. Ziffern und Pfeilen gebracht, die Ralf Herrmann gern zur Verfügung stellt. Allen, die sich ausführlich informieren möchten, sei die Ausgabe Juni 2010 des Typojournals zum Thema "Wayfinding & Lesbarkeit" empfohlen. cs

 

König Bansah und Julian Zimmermann: Der Kunde ist König

König Bansah auf der Typo (c) Wulff

Es war einmal ein junger Mann in Ghana, der Céphas Bansah hieß. Er war sehr klug und fleißig, weshalb er mit 22 Jahren nach Deutschland gehen und dort Landmaschinen-Mechaniker- und Kraftfahrzeug-Meister werden durfte. Nach dem Tod seines Großvaters ist er dann sogar König geworden, König des Volkes von Hohoe Gbi Traditional Ghana. Denn sein Vater und sein älterer Bruder sind Linkshänder, und Linkshänder dürfen bei diesem Volk nicht König werden. Er tat seinem Volk viel Gutes, regiert es meist per Mail und Fax, heiratete eine schöne Frau und lebt mit ihr und seinen zwei Kindern glücklich in Ludwigshafen.

Die TYPO in Berlin hat schon viel Ungewöhnliches gesehen, aber noch keinen leibhaftigen König und entsprechend begeistert wurden Hönig Bansah und Julian Zimmermann begrüßt. Die Lebensgeschichte des Königs, oben sehr verkürzt, wurde von ihm selber erzählt. Von Julian Zimmermann erfuhren wir dann, was er für den Kunden König hatte tun können.

König Bansah tut Gutes, und das kostet Geld: Medikamente, Schulen, Brunnen, Brücken. Seine Kfz-Werkstatt kann so ehrgeizige Projekte nicht finanzieren, und so begibt sich König Basrah gerne immer wieder auf Bühnen, in Fernseh- und Platten-Studios. Im Laufe der Jahre ist ein routinierter Entertainer aus ihm geworden. Vielleicht zu viel Entertainer? Und zu wenig König? Julian Zimmermann fand, der König brauche ein Erscheinungsbild, das königlicher und auch exotischer ist – denn ein exotischer König zu sein, ist das Besondere an Céphas Bansah. Er fuhr mit ihm nach Afrika, lernte Menschen und Landschaften, Muster und Farben kennen.

Der leuchtende Goldschmuck auf der dunklen Haut bestimmt schließlich die Farben im königlichen Erscheinungsbild. Zentrale Motive der Mythologie wie der Baum des Lebens und das Krokodil arbeitet Julian Zimmermann ebenfalls ein, dazu traditionelle Muster. Visitenkarten, Stempel und Briefe, Urkunden und Standarten, Postkarten, eine Website entstehen. Auch des Königs Bier, Akosombo, wird elegant etikettiert.

Am Ende des Vortrags applaudiert das Publikum dem König und seinem Designer stehend, und das bereit gestellte Bier ist in kürzester Zeit ausgetrunken. cs

Die komplette Dokumentation des Erscheinungsbilds unter
julianzimmermann.com/projects/#project21

Projektion: König Bansah in Afrika (c) C.Sahr
Königliches Eerscheinungsbild (c) Julian Zimmermann
Königliches Eerscheinungsbild (c) Julian Zimmermann
Königliches Eerscheinungsbild (c) Julian Zimmermann