agd|viertel
zwei|viertel – Design und Kriminalität
Leseprobe
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zwei_viertel_2010_Leseprobe_Seiten_32_.pdf Seiten 32, 33. Blau, blau, blau ist alles, was ich liebe... |
Editorial

- Boris Buchholz, Redakteur
Was ist kriminell?
Sicher, wer nichtselbstgemachtes Design fälscht oder unerlaubt nutzt oder nichtselbstgemachtes Design selbstgemacht vertreibt – der ist kriminell. Der Begriff „kriminell“ stammt von dem lateinischen „crimen“ ab, was nicht nur „Vergehen“ bedeuten kann, sondern auch „Anschuldigung, Beschuldigung“. In letzterem, im wahrlich besten Sinne kann Design also auch kriminell sein: Design, das Missstände deutlich macht – und an den Pranger stellt.
Gleich im ersten Beitrag dieses Heftes tut unsere Gast-Autorin Yana Milev genau das: Sie klagt an und denkt über Design als Förderer von Verbrechen nach. Ein Text über kriminelle Zustände auf der Weltbühne der Vereinten Nationen – unter dem Signet der von Olivenzweigen umrahmten Erdkugel auf blauem Grund. Denn die Frage stellt sich, ob man nur kriminell als Designer handelt, wenn man Urheberrechte Dritter verletzt, sein Jahreseinkommen gegenüber der Künstlersozialkasse zu gering angibt oder seinen Praktikanten als Arbeitstier missbraucht. Oder ob es nicht auch kriminell sein kann, für bestimmte Auftraggeber überhaupt tätig zu sein.
Wenn nach einem Banküberfall drei maskierte Diebe in das Fluchtauto springen und der professionelle Chauffeur den Wagen sicher, schnell und Sprit sparend über die Landesgrenze steuert, würde jedes Gericht den Fahrer als Komplizen der Verbrecher zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilen. Wenn ein Designer ein innovatives, hochqualitatives, geniales Signet samt vollendetem Corporate Design für eine Söldner-Firma entwirft, deren Bewaffnete später mit seinem Signet auf dem Arm Verbrechen gegen die Menschlichkeit begehen, ist er dann nicht kriminell?
Doch in dieser Ausgabe geht es nicht nur darum, wann man selber kriminell wird. Zum Glück. Wir präsentieren Kreativität hinter Gefängnismauern, vermessen das Böse und stellen Design vor, das Kriminalität verhindern soll. Wir feiern, dass die Schlösser in Berlin und Brandenburg wieder fotografiert werden dürfen und betrachten kritisch, wenn Beamte (Polizei-)Mode machen. Und nebenher stellen wir fest, dass nicht jeder Pirat ein urheberrechtlicher Krimineller ist.
Kurz: Diese Ausgabe steckt voller krimineller Energie – wir wünschen Ihnen Freude beim Lesen
Boris Buchholz
Inhalt
Intro
- Seite 04
Design und Kriminalität:
Korporatistische Designpolitiken supranationaler Agencies am Beispiel der UNO
Ein designpolitischer und designsoziologischer Exkurs von Dr. Yana Milev
Die Kunst des Verbrechens
- Seite 10
Vermessung des Böses
Ein Beitrag aus dem Band "Verbrechen" der Zeichnerinnen-Gruppe "Spring" - Seite 13
"Erpressung" oder lieber "Got Heroin"
Freie Fonts für Lösgeldforderungen, Steckbriefe und Kassiber - Seite 14
"Künstler und Verbrecher sind Weggefährten."
Die Außenstellung SCHATTENKULTUR mit Arbeiten von Strafgefangenen im Rahmen von RUHR.2010 - Seite 17
Die Verbrecherseele im Zeichner oder: Eine Situation mit Bruch
Ein Bild von Arno Funke - Seite 18
Unternehmerisch Denken!
Wie korrupt darf ein Designer sein? - Seite 19
Straf-Splitter
Informationen zur Verletzung des Urheberrechts
Am Rande der Kriminalität
- Seite 20
Das Moorhuhn
Helge Borgarts über den ersten Superstar des viralen Marketing und den Missbrauch des Kunden durch Guerilla Werbung - Seite 22
Korsaren für die Privatkopie
Gespräch mit Simon Lange, Pressesprecher des Bundesverbands der Piratenpartei, darüber, ob „Klauen“ im Internet legal sein sollte. - Seite 24
Design(er) vor Gericht
Gerichteschnipsel rund um Designer und Design
Im Sinne der Gerechten
- Seite 27
Im Recht: Macht Fotos vom Schloss Sanssouci
Das Brandenburgische Oberlandesgericht hat entschieden. - Seite 28
"Die Seele eines Opfers gleicht einem Tatort"
Eine Plakatkampagne für den "Weißen Ring" von Finn Morten Sievers - Seite 30
Die Farben der Frauen
Ein Signet für den frauen.notruf von Astrid Mahlo - Seite 31
Hinter dem schönen Schein
Eine Kampagne gegen häusliche Gewalt von Lisa Klocke und Natalie Schommler - Seite 32
Blau, blau, blau ist alles, was ich liebe ...
Die uneinheitlichen Uniformen der deutschen Polizei
AGD intern
- Seite 34
Die 34. AGD Mitgliederversammlung in Ulm
E-Post von der AGD - Seite 35
Willkommen in der AGD













