Mühlhausen 2011
Rückblick: Herzenswerke - Arbeiten auf eigene Gefahr
- Der Auftakt am Donnerstag
- Panorama-Fotos von Joachim Nickel und Christian Tiepold
- Freitags-Vorträge
- Fotos vom AGD Note Directors' Club von Dieter Düvelmeyer
- Netzwerkeln am Samstag
- Fotos und Eindrücke von Doris Vogt, Christian Tiepold, Dieter Düvelmeyer und Rainer Menschik
Der Donnerstag in Mühlhausen
Der erste Tag der Jahrestagung endete mit einem dreistündigen Bilder- und Geschichten-Streifzug durch 35 Jahre AGD, den Lutz Hackenberg AGD und seine Gäste unternahmen. Ein unterhaltsames Potpourri aus Anekdoten und Impressionen, Ideen und Erlebnissen.
Begonnen hatte die AGD Jahrestagung 2011 ebenso unterhaltsam mit dem Vortrag von Prof. Gottfried Pott AGD: Er infizierten den Saal mit Kalligrafieber*, seiner Begeisterung für's manuelle Schreiben.
"Können Sie sich vorstellen wie es ist, sich in der letzten Zeile eines Blattes zu verschreiben...?"
Die Freude am Einzigartigen, weil Unwiederholbaren - der Reiz des Versagen-Könnens - die nie erreichbare Meisterschaft, dazu Begegnungen und Fundstücke von zahlreichen Reisen... ein gelungener Auftakt für die Herzenswerke.
Auf Gottfried Pott folgte Christhard "Otto" Landgraf AGD, der leidenschaftlich über die Un- und Möglichkeiten offener und wiederverwerteter Papiere referierte und seinen Vortrag mit ganzheitlicher Philosophie und einem Pflaumenmus-Cocktailrezept-Video in bester Sendung-mit-der-Maus-Manier garnierte. Ist Naturpapier wirklich eine ökologisch sinnvolle Wahl, welche Fortschritte hat die Papierindustrie im Bereich Recycling und Aufbereitung gemacht?
Die Antworten darauf gab Otto fundiert und mit Ausflüge in ganz andere Gefilde der Nachhaltigkeit: Gesellschaft, Materialverbrauch, Zertifizierungen. im Anschluss dazu passend ergänzte Dorothea Hess AGD. Sie berichtete kurz von "earthCOLORS", den ersten komplett ökologischen Druckfarben auf dem Markt.
- mehr zu earthCOLORS im ecolog
- die Präsentation von Christhard "Otto" Landgraf gibt's zum Herunterladen auf zappo-berlin.de
Für den kurzfristig verhinderten Volker Remy hatte Moderator und AGD Vorsitzender Andreas Jacobs den Kalligraphen Thomas Hoyer AGD gewinnen können, der von schelmischen Husarenstücken ("Narrenfreiheit: In die Mitte der 3.000 trockenen Zeichen habe ich 'Alexis' geschrieben, was meine damalige Freundin war...") und spannenden Schreibexperimenten berichtete. Auf seinen Berufswunsch Kalligraph hatten die Eltern voller Gram geantwortet "So, Sohn... Du willst also später nicht eine Familie unterhalten können...?" Einen ganzen Saal unterhalten kann er!
So ergänzten Thomas Hoyers Einblicke in sein Schaffen den Auftakt von Prof. Pott, obwohl die gleiche Profession betreffend, hervorragend.
Vor dem Designers' Dinner, zu dem die AGD die Gäste geladen hatte, setzte Juli Gudehus ein irritierendes Ausrufezeichen. Die Lesikon-Schöpferin performte mit Kunstblut im Gesicht* anatomische Versatzstücke aus dem Lesikon und schaffte es so, Weidemann und die Wikipedia beinahe in einem Atemzug zu Wort kommen zu lassen. Die 3.000 "bibeldünnen" Seiten des Lesikons sind das Ergebnis eine kräfteraubenden, neun Jahre langen Schaffensprozesses.
* "Herzenswerke... die sind eben mit Herzblut gemacht."
Panoramabilder
- Wanderung von Christian Tiepold
- alle anderne Panoramen von Joachim Nickel
Herzenswerke-Freitag
Der volle Freitag der AGD Jahrestagung 2011 begann mit einem Einblick in die Vorstandsarbeit. Sabine Reister und Torsten Meyer-Bogya plauderten aus dem Nähkästchen: Wachstum, die Erfolgsfähigkeit der Mitglieder zu erhöhen und die kommunikativen und interkulturellen Kompetenzen zu fördern stehen auf der Agenda.
Bei der anschließenden Kurzvorstellung der Regionalsprecher fand sich spontan ein engagierter, neuer Regionalsprecher für München, der per Akklamation (=durch den begeisterten Applaus der anwesenden Mitglieder) berufen wurde: Thomas Pichler. Herzlich Willkommen!
Anschließend sprangen Andreas Maxbauer AGD und Michael Zimmer AGD für den erkrankten Boris Buchholz ein. Andreas Maxbauers Pechakucha "Designer sind so... flexibel/ökonomisch/stylish..." sorgte für sehr viel Heiterkeit und eine Prise Selbsterkenntnis im Auditorium.
- Andreas Maxbauers Pechakucha "Designer sind so" [PDF, 7,8 MB]
Daran knüpfte Michael Zimmer nahtlos an, der zur Selbstreflektion des eigenen Standpunkts und Geschäftsmodells anregte und einen großen Bogen spannte von seinen persönlichen Erfahrungen zum Projekt "Saarländer brauchen Blut" - eine knackige Kampagne, die es auf den Punkt bringt und vor allem das Ziel erreicht, die Zahl der Blutspenderinnen und -spender zu erhöhen. Viel Gesprächsstoff für die folgende Pause.
Beate Grübel, die vor dem Design Psychologie und Soziologie studierte, begeisterte mit ihren experimentellen Ausflügen, mit denen sie ihrer Kreativität Nahrung, Freiraum und Energie verschafft. Ihr Porzellan wider die klebrig-süße Erwartungshaltung fand sofort Anklang. Moderatorin Heide Hackenberg AGD reagierte umgehend und gab Impulse, die baldige Produktion anzugehen.
Auch Prof. Gregor Krisztian AGD produziert leidenschaftlich: Bücher, zum Teilin Kleinst- und Einzelauflagen, aus denen er im Wortsinn aus dem Vollen schöpft. Die Extrakte seiner Archivier- und Sammelwut sind ihm reicher Fundus für Ideen. Der Wechsel zwischen freiem, ungebundenem Schweifen durch die Welt und systematisierendem Ablegen, Wiederhervorholen und Aufbereiten führt zu einer reichen Ernte.
Beide, Beate Grübel und Prof. Gregor Krisztian, arbeiten bewusst regelmäßig ohne Auftraggeber, weil diese Freiheit für sie wichtige Voraussetzung ihrer Kreativität und Schaffenskraft, ihrer Ideen und ihrer inneren Balance ist. Dieser Herzenswerk-Kreis, von Prof. Potts auftragsfreiem Freitag über die inspirierenden Experimente sollte sich beim finalen Vortrag der Poschauko-Brüder am Abend schließen. Doch erst einmal folgte die lange Pause für den Designers' Lunch bei herrlichem Sonnenschein auf der Terrasse...
Vom Designers' Lunch ging es in Mühlhausen dann nahtlos über in die kulinarische Erfolgsgeschichte von "Anni kocht in Münster". Lisa Nieschlag AGD und Lars Wentrup AGD zeigten das "Making of..." von Food Photography über Do-it-yourself-Illustration bis Verlagsvertragsverhandlungen. Das war sympathisch, interessant und ließ vielen schon wieder das Wasser im Mund zusammenlaufen... Das Kochbuch war dann auch einer der Renner am Büchertisch der AGD.
Den letzten kurzfristigen Ausfall in der Rednerliste, Regina Maxbauer AGD, kompensierte Annika Brinkmann AGD mit einem Ausflug in die Welt des Creative Commons-Verschenkens, Crowdfundings und der kreativen Explosion aus einem gebrochenen Herzen heraus. An dieser Stelle wurde sie kurz unschlüssig, ob sie sich wirklich glücklich schätzen durfte, dass der 90-minütige Animationsfilm "Sita sings the Blues" nicht ihr eigenes Herzenswerk ist, sondern das von Nina Paley.
Vor der nächsten Kaffeepause schob Torsten Meyer-Bogya AGD noch ein 10-minütiges Herzenswerkchen dazwischen, in dem er vom Erfolg des strukturierten und regelmäßigen Netzwerkens berichten konnte: Geduld und kompetente Partner multipliziert mit systematischem Vorgehen und Regelmäßigkeit ergab einen spannenden Auftrag.
Nach Käffchen und Fingerfood von der Geese Papierbar, die im kleinen Saal zusammen mit COPIC-Exklusivvertriebspartner Holtz und der Druckerei Lokay ausstellten, ging es weiter mit Herzenswerken auf Zelluloid (oder digitalen Nachfolgern): Projekt Gold - das sind Simone Wendel AGD und Mario A. Conte AGD - verzauberten mit düsteren Trailern von düsteren Kurzfilmen (...bis 63 Minuten) und der derzeit entstehenden Doku "Kings of Kallstadt". Darin versuchen sie die Familienbande aus dem kleinen pfälzischen Dorf, dessen Spezialität ein Wein namens "Saumagen"(!!) ist, und den ausgewanderten Familien Trump und Heinz (Donald T. und H. Ketchup) nachzuverfolgen und wiederzubeleben. Wenn der Größenwahn siegt, treffen sie Donald Trump persönlich - wir drücken die Daumen!
- Kings of Kallstadt auf facebook
Das Finale lieferten Thomas und Martin Poschauko, die mit der Kombination aus abgefahrener Kreativ-Methode mit bergehohem Output und enormer Bodenstädigkeit die Herzen im Saal im Sturm eroberten. Entdecken, verfolgen, umdichten, neu interpretieren, ausprobieren und die Fessel der Hand an die Maus und des Blicks auf den Monitor sprengen...Das traf bei Vielen einen Nerv.
Das Poschauko/Poschauko-Buch "Nea Machina" war binnen kürzester Zeit am Büchertisch vergriffen, erstmals wurden die Zwillinge nach eigenem Bekunden gebeten, es zu signieren...
Wie knapp die AGD einem weiteren kurzfristigen Ausfall entangen war, zeigte ein facebook-Eintrag der Poschaukos, die anderntags und -orts einen anderen Termin aufgrund der bereits in Mühlhausen hörbaren Erkältung absagen mussten.
Vor dem Grillabend enterte AGD Geschäftsführerin Victoria Ringleb noch für einen zehnminütigen Ausblick die Bühne. Die bevorstehende Mitgliederumfrage kündigte sie fein gewürzt mit einer Prise Selbstironie an und beantwortete zusammen mit dem Vorstandsvorsitzenden Andreas Jacobs Fragen zum laufenden Generationenwechsel in der AGD.
Damit endete der Vortragsteil der AGD Jahrestagung 2011. Wir danken...
- allen Vortragenden für ihre Offenheit und inspirierenden Impulse,
- besonders den spontanen "Aushilfen" unter ihnen für ihren Mut und Einsatz,
- dem Moderatoren-Team Heide Hackenberg und Andreas Jacobs für die gekonnt humorvolle Führung durch das Programm, in der sie auch ab und zu den Blick frei gaben auf die vorbereitenden Gespräche mit den Vortragenden,
- den Ausstellern von Geese Papier, COPIC/Holtz und Lokay, für die die Arbeit am Freitag Abend ebenfalls zu Ende ging
- und dem Team vom Puschkinhaus für die reibungslosen Abläufe hinter den Kulissen des großen Saals.
Der Freitag-Abend gehörte dann traditionell der Musik des AGD Note Directors' Club unter der Leitung von Joachim Crocoll im Wechsel mit der AGDisco von DJ Doc (alias Dr. Aladdin Jokhosha), während im großen Saal Marta Bala Live-Visuals mixte. Wie immer wurde es eine lange Nacht.
Netzwerkeln und Wandern - der Samstag
Netzwerkeln in Mühlhausen, das war der Samstag - ganz traditionell mit "Mappenschau" (digital und analog) im kleinen Saal, Sonnenterrassengesprächen hinterm Puschkinhaus und für die, die nach allem noch genug Kraft in den Wadln hatten, auf der Wanderung zu den Mammutbäumen im Mühlhäuser Stadtwald und zurück an der Quelle der ewigen Jugend vorbei ins Städtchen.
- sehenswert: die Pop-Ups von Peter Dahmen auf youtube
Und auch die Pausen zwischendurch oder das Frühstück in der Pension oder im Hotel eigneten sich (wie immer) für Gespräche, Fragen, Kennenlernen, fürs Zuhören und Erzählen. "Und was machst Du so...?" - "Wie reagierst Du in dieser oder jener Situation...?" - "War das (vor)gestern ein geiler/skurriler/inspirierender Vortrag...?"
Diese Momente machen die AGD Jahrestagung seit 35 Jahren immer und immer wieder zu einem Herzenswerk. Danke allen, die da waren, mit angepackt haben, vorgetragen oder zugehöhrt, hereinschauten und/oder sich vorgenommen haben, den Termin im kommenden Jahr dieses Mal mal aber nun wirklich freizuhalten. (fs)
Die Jahrestagung im Fokus von Dieter Düvelmeyer
Rainer Menschiks Blick auf die Jahrestagung 2011
Das Programm: Herzenswerke - Arbeiten auf eigene Gefahr
"Jage Geld und Sicherheit nach, und dein Herz wird sich niemals öffnen."
Laotse, Tao Te King, Peter Kobbe (Übers.)
Wir feiern: Die AGD wird 35. Das nehmen Lutz Hackenberg und andere AGDler, die sich gern als die "alten Hasen" bezeichnen (lassen), zum Anlass, uns auf eine kleine Reise von den Anfängen der AGD bis zu ihrer Gegenwart mitzunehmen.
Donnerstag, 29. September
- ab 12.00 Uhr
Catering und Treffpunkt im Puschkinhaus
AGD Einladung
Registrierung der Teilnehmer - ab 12.00 Uhr
Markt der Möglichkeiten im kleinen Saal
Aussteller: Geese Papier | Druckerei Lokay | Holtz GmbH
- 14.30 – 14.45 Uhr
Eröffnung der AGD Jahrestagung 2011
Andreas Jacobs, AGD Vorstandsvorsitzender - 14.45 – 15.30 Uhr
Die Passion des Schreibens - „Arbeiten auf eigene Gefahr“
Prof. Gottfried Pott, Wiesbaden - 15.30 – 16.15 Uhr
Hinterm Tellerrand geht's weiter! - „Erfolg mit Kreativität und Nachhaltigkeit in einer sich wandelnden Designerwelt“
Christhard „Otto“ Landgraf - 16.15 – 17.00 Uhr Kaffeepause
- 17.00 – 17.45 Uhr
Einsam ist nicht kreativ. Ausbruchsversuche aus dem Mainstream-Gefängnis
Volker Remy - 17.45 – 18.30 Uhr
Herzenssache
Juli Gudehus, Berlin - 18.30 – 20.00 Uhr
Designers' Dinner im Puschkinhaus
AGD Einladung - 20.00 – 21.30 Uhr
35 Jahre AGD
Lutz Hackenberg und Gäste - 21.30 – open end
Tagesausklang im Puschkinhaus
Freitag, 30. September
- ab 9.30 Uhr
Markt der Möglichkeiten im kleinen Saal
Aussteller: Geese Papier | Druckerei Lokay | Holtz GmbH - 9.30 – 10.00 Uhr
AGD Vorstandsvisionen
Torsten Meyer-Bogya, Sabine Reister, Vorstandsmitglieder - 10.00 – 10.45 Uhr
Ein Traum, eine Zeitschrift, ein Buchstabe - von der Schwierigkeit, einen Herzenßwunsch wahr werden zu lassen
Boris Buchholz, Berlin - 10.45 – 11.30 Uhr Kaffeepause
- 11.30 – 12.45 Uhr
Wenn die Grafik den Raum erobert – unterwegs auf einer Schnittstelle
Beate Grübel, Wiesbaden - 12.15 – 13.00 Uhr
Bücher aus Leidenschaft
Prof. Gregor Krisztian, Darmstadt-Eberstadt - 13.00 – 14.30 Uhr
Designers' Lunch | AGD Einladung - 14.30 – 15.15 Uhr
Drei kleine Begebenheiten aus meinem Privatleben oder der Mehrwert in diesem Beruf
Regina Maxbauer, Hannover - 15.15 – 16.00 Uhr
„Anni kocht in Münster“ – Ein kulinarischer Erfolg
Lisa Nieschlag und Lars Wentrup, Münster - 16.00 – 17.00 Uhr Kaffeepause
- 17.00 – 17.45 Uhr
Projekt Gold - Film und Design: Unsere Welt des Filmemachens zwischen Auftrag und freien Projekten
Simone Wendel und Mario A. Conte, Mannheim - 17.45 – 18.45 Uhr
NEA MACHINA – Die Kreativmaschine Kopf-Bauch-Hand-Computer
Thomas und Martin Poschauko, Bad Feilnbach - 18.45 – 19.15 Uhr
Fazit und Ausblick 2012
Victoria Ringleb und Andreas Jacobs - 19.15 – 20.00 Uhr Sektpause
- 20.00 – 22.00 Uhr
Designers' Grill & Buffet im Puschkinhaus
Selbstzahler - 22.00 – open end
Musik im Puschkinhaus
Mit dem AGD Note Directors Club und AGDisco mit DJ Doc
Samstag 1. Oktober
- ab 9.30 Uhr
AGD Netzwerk im kleinen Saal
Arbeiten zeigen, Kontakte knüpfen und Erfahrungen austauschen.
Mitreden und mitgestalten in der Creative-Lounge - 13.30
Tagungsausklang
Mit dem AGD Note Directors Club, Sekt und Suppe
AGD Einladung - 15.00 Uhr
AGD Wanderung
Wandern unter freiem Himmel bewandert
- Anmeldung bis 15. September [PDF]
- AGD-Mitglieder 50,- Euro, sonst 150,- Euro
Übernachten in Mühlhausen
Bestens gelegen: Mühlhausen liegt mitten in Deutschland, und das Puschkinhaus in der Puschkinstraße 3, 99974 Mühlhausen, befindet sich nur wenige Gehminuten von der historischen Altstadt entfernt.
In der Altstadt und der näheren Umgebung finden sich zahlreiche gute und günstige Übernachtungsmöglichkeiten. Die Tourist Information Mühlhausen vermittelt Ihnen gerne Adressen.
- service(at)touristinfo-muehlhausen.de
- Telefon: +49. 3601. 40 47 70









































































