Direkt zum Inhalt

Allianz deutscher Designer (AGD) e. V.

Anschrift

Steinstraße 3, 38100 Braunschweig, Telefon: +49 (0)531.16757, Telefax: + 49 (0)531.16989, Internet: http://www.agd.de

Gut beraten.

Sprechzeiten in der
AGD Geschäftsstelle:


Montag – Donnerstag
9.00 – 17.00 Uhr

Freitag
9.00 – 15.00 Uhr

Telefon 0531. 167 57
info(at)agd.de


(Steuer-)rechtlich gut beraten:
Die anwaltliche Beratung für AGD Mitglieder wird seit 2013 von KVlegal durchgeführt. Fragen zu steuerlichen Themen beantwortet gewohnt gut Ecovis.

 

Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft

Sprechen Sie mit uns!

Die Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft wurde 2007 von der Bundesregierung ins Leben gerufen, um die Wettbewerbsfähigkeit der Kultur- und Kreativwirtschaft zu stärken. Inzwischen gibt es zur persönlichen Beratung der Kreativen in der ganzen Bundesrepublik Regionalbüros, die Sprechtage anbieten.

Vor allem – aber nicht nur – für Gründerinnen und Gründer können die Regionalbüros wichtige Anlaufstellen sein. Sie informieren u.a. über Möglichkeiten der Finanzierung und Förderung und vermitteln Business-Know-how. Die regionalen Ansprechpartner helfen bei der Orientierung und beim Vernetzen in den Regionen. Auf der Website kultur-kreativ-wirtschaft.de heißt es:

"Die individuellen Orientierungsberatungen und Sprechtage der Regionalbüros finden in enger Kooperation mit den regionalen Beratungs- und Förderanbietern statt. Dabei stehen folgende Inhalte im Mittelpunkt:

  • Klärung erster unternehmerischer Ideen
  • Wirtschaftliche Weiterentwicklung einer konkreten Geschäftsidee
  • Verknüpfung mit spezifischen Angeboten für die Kultur- und Kreativwirtschaft vor Ort
  • Aufzeigen von passenden Angeboten der bestehenden Wirtschaftsförderung
  • Networking und Erfahrungsaustausch"


Zu vielen Kulturschaffenden bleibt der Kontakt über längere Zeit erhalten. Das ermöglicht den Ansprechpartnern vor Ort, den Weg "ihrer" Gründerinnen und Gründer zu verfolgen. Wer konnte eine Existenz aufbauen? Und sie erhalten? Was sind die Gründe dafür? Auf diese Weise lernen alle Beteiligten dazu – zum Nutzen der Kulturschaffenden und Kreativen. cs

Sprechtage der Regionalbüros auf der Startseite von www.kultur-kreativ-wirtschaft.de

 

Jahreskonferenz Kultur- und Kreativwirtschaft 2010

Die Kleinen schützen – und den demographischen Wandel als Herausforderung begreifen

  • Cover Einladung

„Entschuldigen Sie, dass ich selber da bin“ – mit diesen Worten begrüßte Kulturstaatsminister Bernd Neumann die Teilnehmer der „Jahreskonferenz Kultur- und Kreativwirtschaft 2010“ Mitte November in Berlin. Zuvor hatte sich Wirtschaftsminister Rainer Brüderle entschuldigen und von seinem Parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Otto vertreten lassen. Der Seitenhieb der Kultur auf die Wirtschaft saß, denn auch bei der letztjährigen Jahreskonferenz hatte der Wirtschaftsminister Dringlicheres zu tun.

Dabei sei die Kultur- und Kreativwirtschaft für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft enorm wichtig, stellte Wirtschaftsstaatssekretär Hans-Joachim Otto klar. Die Zahlen sind deutlich: 2009 hat die Kultur- und Kreativwirtschaft einen Gesamtumsatz von 131,4 Milliarden Euro erwirtschaftet; 97 Prozent der Kreativen sind Freiberufler, Klein- oder Kleinstunternehmen. Die Kultur- und Kreativwirtschaft wachse „rasant“ und „doppelt so schnell wie die Gesamtwirtschaft“, so Otto. Wichtig sei es, den vielen kleinen und kleinsten Unternehmer der Kreativwirtschaft zu helfen: „Wir kämpfen dafür, dass Sie sozial abgesichert sind.“ Das Bundeswirtschaftsministerium werde sich weiterhin für den Erhalt der Künstlersozialkasse einsetzen. Angebote der „Hilfe und Orientierung“ wolle das Ministerium für die Kreativen weiter ausbauen, Wettbewerbe wie die „Kultur- und Kreativpiloten“ seien wichtig, um die Bedeutung der Kreativen sichtbar zu machen.

Kulturstaatsminister Neumann stieß ins gleiche Horn: Die Situation der Kulturschaffenden müsse verbessert, eine angemessene Bezahlung durchgesetzt werden. Das Urheberrecht müsse ebenso wie die Künstlersozialkasse gesichert werden. Eine große Baustelle sah Neumann bei der Ausbildung der Kreativen: Kreativität müsse viel früher und stärker als bisher gefördert werden.

Ausbildung war auch ein Kernthema der späteren Podiumsdiskussion. Der Architekt Lars Krückenberg vom Büro Graft stellte klar: „Wenn die Ausbildung gut wäre, bräuchte man später weniger Beratung. Die Ausbildung ist nicht gut genug.“ Wichtige Themen wie Nachhaltigkeit kämen zu kurz; wertvolles Grundwissen würden viele Kreative außerhalb der Hochschulen – viele gar im Ausland – sammeln müssen.

Dass der Beratungsbedarf der Kreativen groß ist, belegt Katja Großer vom Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes eindrücklich: Seit der Gründung des Kompetenzzentrums im Frühjahr 2010 bis Ende Oktober haben die bundesweit knapp zehn Beraterinnen und Berater exakt 1385 Beratungsgespräche mit Kreativen geführt.

Älter – bunter – weniger

Mit dem Motto der Konferenz „älter – bunter – weniger“ lenkten die Veranstalter den Blick der Teilnehmer auf die kommenden Veränderungen der Bevölkerungsstruktur in Deutschland: Immer mehr alte und ältere und immer weniger jüngere Menschen werden die Gesellschaft verändern. Dieser demographische Wandel wird dafür sorgen, dass jüngere Angestellte und Arbeiter auf Dauer fehlen werden und daher Menschen länger arbeiten müssen. Während die arbeitende Öffentlichkeit über das heraufgesetzte Renteneintrittsalter von 67 klagt, rechnen internationale Organisationen bereits mit einem weit höheren Rentenalter. Professorin Dr. Thusnelda Tivig von der Universität Rostock trägt in ihrem Impulsreferat vor, dass die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) zur Gruppe der erwerbsfähigen Bevölkerung auch noch die 74-jährigen hinzurechnet. Andere würden davon ausgehen, dass die Erwerbsfähigkeit erst mit 80 Jahren ende.

An einer anderen Stelle konnte Professorin Tivig ihre Zuhörer besänftigen: Während es in der Gesamtwirtschaft voraussichtlich einen Mangel an Fachkräften geben werde, werde dieser Trend für die Branche der Kultur- und Kreativwirtschaft ausbleiben. Hier werde es absehbar genügend Spezialistinnen und Spezialisten geben. Allerdings müssten sich die Kreativen darauf einstellen, auf die veränderten Bedürfnisse der Älteren und Alten einzugehen. Und, stellte sie fest, diese Älteren und Alten werden kaum als eine einzige Zielgruppe zu definieren sein – zu groß sei die Anzahl, zu vielfältig ihre Interessen, Erfahrungen, Ansichten und Wünsche.

Ein gutes Beispiel aus der Gegenwart, wie neue Themenfelder kreativ aufgegriffen werden können, stellte Ulrich Schulze Althoff von  der Firma Kaasa health vor. Für Patienten nach einer Hüftgelenkoperation kombinierte Kaasa health eine Wii-Spielekonsole, ein Sportpodest, eine weiche Matte, in die das Sport-Podest exakt passt, und eine spezielle von Kaasa entwickelte Software – das günstige Reha-Gerät für zuhause. Da die Hardware nicht neu entwickelt werden musste, entstand ein medizinisches Gerät, welches fast so gut funktioniere wie die Reha-Technik in der Klinik aber nur ein Hundertstel koste, so Ulrich Schulze Althoff. Reha fürs Wohnzimmer, Training, dass sich wie Spielen anfühlt und Spaß macht. Ähnliches könne sich Schulze Althoff auch mit anderer Hardware wie dem iPad vorstellen. Spaß machte übrigens auch die Diskussion, die sich anschloss. Der Moderator fragte nach: „Nur doof, wenn der Enkel nicht mit dem iPad weiterspielen kann, weil die Oma ihr Hüftgelenk neu ausrichten muss.“ Schulze Althoff: „Aber der Enkel kommt unheimlich gern die Oma besuchen, wenn sie eine Wii im Wohnzimmer stehen hat.“

bb

 

Gastkommentar von Dr. Thomas Welter, Referent für Wirtschaft bei der Bundesarchitektenkammer e.V.

kleinteilig – einfach – dezentral

Dr. Thomas Welter ist Referent für Wirtschaft bei der Bundesarchitektenkammer e.V.
Dr. Thomas Welter ist Referent für Wirtschaft bei der Bundesarchitektenkammer e.V. 

Was bringt eine Jahreskonferenz Kultur- und Kreativwirtschaft? Sie kann der Politik die Dringlichkeit des Themas vermitteln. Sie kann auf unterhaltsame Weise einem breitem Publikum Einblick in dieses Segment der Wirtschaft bieten. Sie kann aber auch Lösungen präsentieren, wie dieses Wirtschaftssegment zu gesellschaftlichen Problemstellungen, wie zum Beispiel Demografie, beitragen kann.

Die diesjährige zweite Jahreskonferenz versuchte allen drei Wegen gerecht zu werden und ist daran gescheitert. Denn das Publikum bestand nicht aus Politikern und der Öffentlichkeit. Vor dem anwesenden Fachpublikum aus Unternehmern, Verbandsvertretern und Experten hätte eine breite Strategiediskussion des Politikfeldes Kultur- und Kreativwirtschaft deutlich mehr Sinn gemacht.

Durch zahlreiche, gut durchgeführte Forschungsarbeiten und Fachveranstaltungen ist das Phänomen der Kultur- und Kreativwirtschaft hinreichend detailliert beschrieben worden. Doch aus Deskriptive der Branche und Analyse der spezifischen Probleme muss eine Strategie entstehen, der sich alle Akteure anschließen können.

Eine solche Strategie umfasst meines Erachtens die Bereiche: Verbesserung des Marktumfelds, Stärkung der Akteure und praxisorientierte Ausbildung. Förderinstrumente und Unterstützungsmaßnahmen müssen vor allem drei Adjektiven gerecht werden: kleinteilig, einfach und dezentral. Kleinteilig: Bei 97 % Kleinstunternehmern fehlt den Kreativen und Kulturschaffenden meist nur wenig Kapital, um eine Idee marktfähig werden zu lassen. Einfach: Komplizierte Antragsverfahren verhindern eine breite Inanspruchnahme von Fördermaßnahmen. Dezentral: Als äußerst heterogenes Wirtschaftssegment braucht es lokale Akteure mit Marktkenntnis zum effektiven Einsatz von Förderinstrumenten.

Alle guten Dinge sind drei; für die dritte Jahreskonferenz wünsche ich mir eine zielführende Diskussion des Politikfeldes Kultur- und Kreativwirtschaft.

 

Kommentar

Kleinste und Frauen nach vorn!

Der Staatssekretär betont es ebenso wie der Staatsminister: 97 Prozent der Unternehmen in der Kultur- und Kreativwirtschaft sind Klein- und Kleinstunternehmen. Die Politik weiß es, die Verwaltungen der Bundesministerien wissen es, die Kreativschaffenden und ihre Verbände wissen es. 97 Prozent der Untermehmen sind kleine. Und 94 Prozent seien Kleinste, sagt Katja Großer vom Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes. Kleinste werden offiziell definiert als Unternehmen, die einen Jahresumsatz von bis zu zwei Millionen Euro erzielen – eine Grenze, an die die 94 Prozent Kleinste im Regelfall bei weitem nicht heran kommen. Alle wissen es: Die Kultur- und Kreativwirtschaft lebt von den Freiberuflern, den Ein- und Zwei-Menschen-Büros. Es sind die vielen Ameisen, die der Branche ihr Gesicht geben, nicht die paar Elefanten.

Und doch sitzen auf den Podien der Jahrestagung Kultur- und Kreativwirtschaft Elefanten vorne – und sprechen über Ameisen. Diese Perspektive ist zwar bekannt und bequem, denn unter den Elefanten gibt es immer wieder den einen oder anderen semi-prominenteren Kreativen. Aber diese Perspektive ist politisch falsch. Wenn die Bundesregierung glaubwürdig die Kultur- und Kreativwirtschaft verstehen und sie unterstützen will, dann müssen Ameisen über die Anliegen der Ameisen sprechen, gerne auch mit Elefanten, sehr gerne mit der Politik. Auf der Jahreskonferenz 2011 gehören Freiberufler und kleine Büros ins Rampenlicht.

Übrigens ergab sich ein ähnliches Bild beim Anteil der weiblichen und männlichen Referenten: Jede zweite Kreative ist eine Frau – auf den Podien jedoch trafen sich Männer, redeten Männer, stellten Männer Anzeigenkampagnen und Zeitschriften für Frauen vor. Also auch hier: Die Perspektive ist falsch. Frauen nach vorn!

Boris Buchholz

 

Stellungnahme der Allianz deutscher Designer zur Studie der Bundesregierung

Umsatzsteuer- und Urheberrecht muss verändert, der Designpreis der Bundesrepublik Deutschland reformiert werden

Dass die Kultur- und Kreativwirtschaft eine Wirtschaftsbranche ist, die in den letzten Jahren rasant an Bedeutung gewonnen hat und heute sogar mehr Wirtschaftsleistung aufweist als die Chemische Industrie und die Energiewirtschaft, hat der Forschungsbericht „Gesamtwirtschaftliche Perspektiven der Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland“ eindrücklich belegt. Die Autoren der Studie stellen fest: Die Designwirtschaft ist mit herausragenden Wachstumszahlen das Zugpferd der Branche.

Die Allianz deutscher Designer hat sich kritisch mit den Ergebnissen und Empfehlungen der Studie auseinandergesetzt und eine ausführliche Stellungnahme erarbeitet, die hier zu lesen ist.

Für die Zukunft sehen wir – neben der Realisierung vieler Empfehlungen der Studie – weiteren Handlungsbedarf: Um das Wachstum der Designwirtschaft weiterhin zu ermöglichen, muss im Urheberrecht der generelle und automatische Schutz von Designleistungen verankert werden. Auch das Umsatzsteuerrecht ist reformbedürftig. Eine klare Regelung, die den ermäßigten Steuersatz von 7 Prozent für Designleistungen und die an ihnen vergebenen Nutzungsrechte ohne Einzelfallprüfung festschreibt, ist überfällig.

[zur Stellungnahme der AGD vom 12. Juni 2009]
[die Stellungnahme als PDF-Dokument]

[Die Studie: PDF Kurzfassung]
[Die Studie: PDF Langfassung]

 

v.l.n.r.: Joachim Kobuss, Cornelia Horsch IDZ, Jürgen Grothues AGD, Erik Spiekermann, Michael Söndermann

Sind Kreative europäisch?

Und ist Europa kreativ? Im Europäischen Jahr der Kreativität und Innovation trafen sich am 13.05.2009 Vertreter des Enterprise Europe Network Berlin und zahlreiche Partner in der Vertretung der EU-Kommission in Berlin. Für die AGD nahm ihr stellvertretender Vorsitzender Jürgen Grothues an der Veranstaltung teil.

"Die Podiumsdiskussion mit Herrn Prof. Erik Spiekermann (edenspiekermann), Katja Reppel (Europäische Kommission Brüssel), Prof. Ulrich Weinberg (School of Design Thinking), Sebastian Peichl (ART&COM) sowie Thomas Kufus (zero one film) zeigte, dass die Kreativwirtschaft das Potential hat, nicht nur Europas Wirtschaft nachhaltig mitzubestimmen und zu ändern. Trotz der immer noch existierenden 'Berührungsängste' zwischen den traditionellen Wirtschaftsbranchen gibt es immer mehr erfolgreiche Projekte, Produkte und Dienstleistungen, die aus dem Zusammenspiel von innovativen Ideen zu innovativen Technologien und letztendlich zu neuen Angeboten für Unternehmen und Verbraucher führen."

Die Veranstaltung wurde abgerundet durch zahlreiche Workshops. Die Präsentationen dieser Workshops und Fotos der Veranstaltung finden Sie auf der Website des Enterprise Europe Network.

 

Titel der Dokumentation: Branchenhearing Kreativwirtschaft

Kultur- und Kreativwirtschaft: die Branchenhearings

Die Initiative "Kultur- und Kreativwirtschaft" der Bundesregierung hat ein klares Ziel: "Ihr zentrales Ziel ist es, diesem Wirtschaftsbereich positive Zukunftsperspektiven zu erschließen. Dabei sollen sowohl die Wettbewerbsfähigkeit gestärkt als auch Arbeitsplatzpotenzial noch weiter ausgeschöpft und  entwickelt werden." Es gilt also, geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen.

Doch was ist geeignet? Um die Sparten der Kultur- und Kreativwirtschaft, die Bedürfnisse, Arbeitsbedingungen und Vorstellungen der Kulturschaffenden besser kennen zu lernen, sind die Branchenhearings wichtige Veranstaltungen. Hier bekommen Beteiligte, Verantwortliche und Experten ausgiebig Gelegenheit, sich zu äußern und auszutauschen.

Bis zum Mai 2009 hat es 11 Branchenherings gegeben. Die Bereiche:

  • Werbung / Kommunikation
  • Designwirtschaft
  • Musikinstrumentenindustrie
  • Rundfunkwirtschaft
  • Architekturmarkt
  • Markt für darstellende Künste
  • Kunstmarkt
  • Filmwirtschaft
  • Musikwirtschaft
  • Buchmarkt
  • Pressemarkt

Die Dokumentationen aller Branchenhearings stehen zum Download auf der Website des BMWi bereit.

 

Cover BMWi Studie

Neue Studie: Kreative sind wichtiger Wirtschaftsbereich

Die Kultur- und Kreativwirtschaft hatte 2006 eine Bruttowertschöpfung von 61 Milliarden und nimmt damit zwischen Automobil- und Chemieindustrie einen guten Mittelplatz unter den Wirtschaftsbranchen Deutschlands ein. Innerhalb der Kultur- und Kreativwirtschaft hat die Designwirtschaft einen Spitzenplatz: Zwischen 2003 und 2008 wuchs der Design-Umsatz um durchschnittlich 8,4 Prozent im Jahr – keine andere Kreativbranche wuchs stärker. Das sind Erkenntnisse einer aktuellen Studie, die das Bundeswirtschaftsministerium und der Bundesbeauftragte für Kultur und Medien in Auftrag gegeben hatte.

Die Designwirtschaft ist im Jahresvergleich zwischen 2003 und 2008 zum Zugpferd der Kultur- und Kreativwirtschaft geworden ist: Der Spitzenwert von 8,4 Prozent durchschnittlichem jährlichen Wachstums beim erwirtschafteten Umsatz hebt sich von den anderen Teilmärkten deutlich ab. Auch bei der Entwicklung der Anzahl der Erwerbstätigen nimmt die Designwirtschaft einen Spitzenwert ein: von 125.671 Erwerbstätigen in 2007 auf 132.414 Erwerbstätige in 2008. Mehr Menschen arbeiten 2008 nur noch in der Software-/Games-Industrie (345.098) und im Werbemarkt (151.714). Bei der Wachstumsrate liegt die Designwirtschaft wieder auf Platz eins: 5,5 Prozent mehr Arbeitsplätze wurden 2008 im Vergleich zu 2007 in der Designwirtschaft geschaffen.

Die AGD hat eine ausführliche Stellungnahme erarbeitet, die hier zu lesen ist.

Wer sich schon jetzt ein eigenes Bild machen möchte: Eine Kurzfassung der Studie und auch die Langfassung liegen zum Download bereit

[PDF Kurzfassung]
[PDF Langfassung]
[zur Stellungnahme der AGD]

 

Kulturwirtschaft in Berlin 2008: Entwicklungen und Potenziale

Berlin hat seine Kultur- und Kreativarbeiter entdeckt und seine Forscher zur Erkundung dieses unbekannten Wesens losgeschickt. Im Dezember 2008 liegt das Ergebnis vor. Auf 179 Seiten wird die Kultur- und Kreativwirtschaft beleuchtet. Viel zu lesen, allerdings lohnt es sich. Die Autoren haben viele Informationen zusammengetragen und nicht nur an der Oberfläche gekratzt.
Zitat aus dem Kapitel "Einkommenssituation und Erwerbsformen“: „… Die meisten MarktteilnehmerInnen stehen unter einem erheblichen Leistungsdruck, sind auch bei formaler Selbständigkeit abhängig und erpressbar. Gleichzeitig UnternehmerIn und abhängig zu sein, führt viele Selbständige in der Kultur- und Kreativwirtschaft in Rollenkonflikte … Und doch wird die Arbeit in der Kulturwirtschaft als Karriere und Leben in der Selbstbestimmung idealisiert …“

Inhalt: Definition der Begriffe Kultur- und Kreativwirtschhaft, Wirtschaftliche Bedeutung der Kulturwirtschaft in Berlin, Einkommenssituation und Erwerbsformen Berliner Kultur- und Kreativberufe, Stadtentwicklung und Kultur- und Kreativwirtschaft, politische Handlungsfelder im Bereich der Kulturwirtschaft

Christhard "Otto" Landgraf


Herausgeber: Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen; Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten; Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
Gestaltung: index Agentur GmbH
Umfang: 179 Seiten
Erscheinungsdatum: Januar 2009
PDF-Download im Internet

 

5. Jahrestagung Kulturwirtschaft fand am 17. Oktober 2008 in Berlin statt

Kreativwirtschaft wächst weiter – orangene Bonmots

Kultur-Staatsminister Bernd Neumann verwehrte sich auf der 5. Jahrestagung Kulturwirtschaft am 17. Oktober 2008 in Berlin vehement gegen jegliche Debatte um die Abschaffung der Künstlersozialkasse © Stiftung für die Freiheit / Boris Eichler 

 

Der Staatsminister für Kultur und Medien, Bernd Neumann fand klare Worte: „Es ist ein unsinniges Ansinnen, die Künstlersozialkasse abschaffen zu wollen!“ Im Gegenteil müsse die Künstlersozialversicherung „gestärkt“ und „zukunftssicher gemacht“ werden. Der FDP-Bundestagsabgeordnete Hans-Joachim Otto stieß ins gleiche Horn und versprach, mit ihm sei eine Beschneidung der KSK nicht zu machen. Die 5. Jahrestagung Kulturwirtschaft, die am 17. Oktober 2008 in Berlin auf Initiative der Friedrich-Naumann-Stiftung, der deutschen UNESCO-Kommission und des Büros für Kulturpolitik und Kulturwirtschaft stattfand, zeigte, dass die Politik die Belange der Kultur- und Kreativwirtschaft ernst nimmt.

„Die wirtschaftliche Potenz der Kreativwirtschaft noch besser zu erkennen, sie herauszuarbeiten und sie dann auch einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen“ sei ein Ziel der Bundesregierung, erklärte Bernd Weismann, Referatsleiter IT-, Medien-, Kultur- und Kreativwirtschaft im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie. Er verwies darauf, dass die letzten offiziellen Branchenzahlen aus dem Jahre 2006 stammen und bis 2006 ein überdurchschnittliches Wachstum der Kreativwirtschaft zu verzeichnen war. Jetzt liege ein interner Zwischenbericht einer von der Bundesregierung in Auftrag gegebenen Studie seinem Ministerium vor: Der Trend bestätige sich, „alle Indikatoren zeigen nach oben“, verkündete er dem Fachpublikum. „Seit 2006 sind wieder Umsatz und auch die Zahl der Unternehmen und der Erwerbstätigen deutlich gestiegen.“

Der Niedersächsische Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr und Präsident der Deutschen UNESCO-Kommission, Walter Hirche, rundete das positive Bild ab. Er sehe für die nahe Zukunft für den Arbeitsmarkt nur zwei große Wachstumsfelder: zum einen die Kultur- und Kreativwirtschaft und zum anderen die Gesundheitswirtschaft.

Was prominent und stark begonnen hatte, verlor am Nachmittag deutlich an Fahrt: Die Jahrestagung schwächelte. So saß in der Arbeitsgruppe „Bundespolitik: Welche Rahmenbedingungen braucht die Kreativwirtschaft“ kein einziger Politiker auf dem Podium. Die Diskussion zum Abschluss der Veranstaltung verlor sich seitens der Experten auf der Bühne in Allgemeinplätzen; ein Praxisbezug war kaum mehr zu spüren. Immer mehr Teilnehmerinnen und Teilnehmer quittierten die abgehobene Debatte, in dem sie den Saal verließen.

Die AGD Vorstandsmitglieder Gisela Sonderhüsken und Peter Paul Hennicke konnten dennoch mit orangenen Bonmots im Herzen den Tag beschließen. Denn zu Beginn der Tagung hatte die Botschafterin für internationale kulturelle Zusammenarbeit der Niederlande, Margriet Leemhuis, eine bessere Vergütung der Kultur- und Kreativsschaffenden eingefordert. Sie sagte in Anspielung auf eine Äußerung des Berliner Bürgermeister zur leeren Stadtkasse: „Sexy sind die Kreativen sowieso – da tut ein hohes Einkommen keinen Abbruch.“ Sie fuhr fort: „Die Kreativen sollen ruhig mit ihren tollen Ideen reich werden.“ Es lebe Holland!

bb

Eindrücke von der 5. Jahrestagung Kulturwirtschaft

© Stiftung für die Freiheit / Boris Eichler
Bernd Neumann, Staatsminister für Kultur und Medien
 
© Stiftung für die Freiheit / Boris Eichler
Prof. Dieter Gorny, Direktor Kreativwirtschaft Ruhr.2010
 
© Stiftung für die Freiheit / Boris Eichler
Hans-Joachim Otto, MdB FDP
 
© Stiftung für die Freiheit / Boris Eichler
Podiumsdiskussion
 
© Stiftung für die Freiheit / Boris Eichler
Blick ins Publikum 1
 
© Stiftung für die Freiheit / Boris Eichler
Blick ins Publikum 2 

 

Kultur- und Kreativwirtschaft

"Sehr, sehr positiv": Am 7. Mai startete die Bundesregierung ihre Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft

Dagmar G. Wöhrl, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, hat einiges zu sagen: „Allein in 2005 Umsätze von 121 Milliarden Euro: Das ist den wenigsten bewusst. 210.000 Unternehmen, die hier tätig sind, mit allein über einer Million Beschäftigen. Das sind wirklich anerkennenswerte Zahlen. Und – was natürlich darüber hinaus sehr, sehr positiv ist – eine sehr, sehr hohe Selbständigenquote.“ Die Rede ist von der deutschen Kultur- und Kreativwirtschaft. Am 7. Mai startete die Bundesregierung ihre Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft. Die Allianz deutscher Designer (AGD) war bei der Auftaktveranstaltung im Bundeswirtschaftsministerium dabei.

Ein Ziel der Initiative der Bundesregierung ist es, die Wettbewerbsfähigkeit der Kreativbranchen zu stärken. Ein weiteres nannte Staatssekretärin Wöhrl in ihrer Rede vor Politikern und Vertretern der einzelnen Kreativbranchen: „Auch wollen wir erreichen, dass künftig nicht mehr nur von 'made in Germany', sondern auch von 'created in Germany' gesprochen wird.“ Die Bundesregierung plant die Bedeutung der Kultur- und Kreativwirtschaft verstärkt in die Öffentlichkeit zu tragen und ihr wirtschafts- und beschäftigungspolitisch den gleichen Stellenwert zuzumessen wie den etablierten Wirtschaftszweigen.

Konkret wurde seitens des Bundeswirtschaftsministeriums ein Forschungsgutachten zur Kultur- und Kreativwirtschaft vergeben: Geklärt werden soll, welche „typischen und übergreifenden Bestimmungsmerkmale“ die Teilbereiche der Kultur- und Kreativwirtschaft aufweisen. Außerdem sollen eine verbesserte Lagebeschreibung der Situation der Branche geliefert, eine Analyse der bestehenden Rahmen- und Förderbedingungen gegeben sowie Handlungsoptionen für die Bundesregierung aufgezeigt werden. Erste Zwischenergebnisse sollen bereits nach der parlamentarischen Sommerpause in diesem Jahr vorliegen; der Abschlussbericht ist für das Frühjahr 2009 angekündigt.

Doch bis dahin wird einiges geschehen: Teil der Bundes-Initiative sind bundesweite Branchenhearings, bei denen die einzelnen Kreativ-Branchen in den Mittelpunkt rücken, ihre Rolle und Situation darstellen und der Politik Handlungsfelder aufzeigen können. Ein erstes Hearing für den Wirtschaftsbereich „Werbung und Kommunikationsdesign“ ist noch für diesen Sommer in Düsseldorf geplant. Im laufenden Jahr sind weitere Branchenhearings für die Bereiche Medienwirtschaft, Architektur, Produktdesign, Computerspiele und Darstellende Kunst avisiert. An die Hearings können sich je nach Verlauf und Notwendigkeit weitere Veranstaltungen anschließen, um auf den Hearings angesprochene Themenfelder oder Problemlagen zu vertiefen.

Neben den Hearings, die dem Austausch von Politik, Regierungs- und Branchenvertretern dienen, sieht die Bundesregierung auch eine Veranstaltungsserie für die breite Öffentlichkeit vor: „Schaufenster Kultur- und Kreativwirtschaft“. Vorstellen kann man sich eine Schaufenster-Veranstaltung als Leistungsschau der Kultur- und Kreativwirtschaft. Im Konzeptpapier heißt es: „Ein nachhaltiges Bewusstsein für die kulturelle, kreative und wirtschaftliche Bedeutung der Branche soll dabei auch durch die Vorstellung konkreter, anschaulicher und einprägsamer Beispiele (innovative Projekte sowie herausragende Branchenleistungen) geschaffen werden.“ Insgesamt sind bundesweit vier Veranstaltungen dieser Art vorgesehen.

Zurück zur Auftaktveranstaltung: Auf dem Gruppenbild stehen Jürgen Grothues, der stellvertretende Vorsitzende der AGD, und Lutz Hackenberg, Vorstandsmitglied und Geschäftsführer der AGD, in der ersten beziehungsweise dritten Reihe – eine gute Position, um den Dialog mit Regierung und Politik, aber auch den anderen Branchen der Kultur- und Kreativwirtschaft zu führen. Im Rahmen der Veranstaltung hat Lutz Hackenberg in einem Kurzvortrag die Hauptforderungen der AGD vorgestellt: Gleichbehandlung aller Werkarten im Urheberrecht, Rechtssicherheit durch Anerkennung der freiberuflichen Tätigkeit von Designern, Vorbildfunktion der Öffentlichen Hand bei Auftragsvergabe und Wettbewerben. In den weiteren Gesprächen mit der Bundesregierung und speziell dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie sowie auf den Branchentreffs wird die AGD diese Forderungen vehement weiter vertreten.

BB

Das Konzept der "Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft der Bundesregierung"
[PDF]

Mehr Infos zur Initiative der Bundesregierung beim BMWi

 

Im Fokus: Design und Wirtschaft

Kreativität ist ein Wirtschaftsfaktor. Diese Erkenntnis ist mittlerweile in der Politik angekommen, die Kreativwirtschaft wird ernst genommen und sogar gefördert. Doch noch immer sind viele Fragen offen: Was alles zählt zur Kreativwirtschaft? Und wie kann man sie und die Kreativen wirkungsvoll fördern? Um diese und andere Fragen zu klären, traf sich am 27. Februar in Berlin der "Fachausschuss VII: Wirtschaft, Arbeit, Technologie und Berufliche Bildung" der SPD unter dem Motto "Potentiale der Kreativwirtschaft in Berlin". Eingeladen war auch AGD Vorstandsmitglied Jürgen Grothues, um den Anwesenden speziell den Bereich Design nahe zu bringen.

Die Kreativwirtschaft wächst in Berlin stärker als im Bundesdurchschnitt, und mit ihr wächst die Zahl der Beschäftigten; aktuell sind es 167.000 Immer mehr von ihnen sind selbstständig – was eine besondere Form der Förderung verlangt. Spielen in der Film- und Medienbranche Kreditvergaben eine wichtige Rolle, sind für Designer oft andere Förderungen sinnvoll.

Portale wie Creative-City-Berlin.de nützen allen Kreativen – so, wie jede Form von Vernetzung und Aufmerksamkeit. Wichtig sind jedoch auch Lobbyarbeit und Standortmarketing. Oder, wie Jürgen Grothues es formuliert: "Unterstützen Sie, dass Designer Kunden haben und dass die Kunden den Wert kreativer Arbeit kennen. Wenn Designer von ihrer Arbeit leben können, ist das die beste Förderung."

Auch die entsprechende Aus- und Weiterbildung von Kreativen ist eine Fördermöglichkeit und soll verstärkt in Angriff genommen werden. Dieses Vorhaben deckt sich mit dem des IDZ Berlin und seiner Kooperationspartner, darunter die AGD: Improve Design Business.

Improve Design Business – Wissen ist gut.

Die Veranstaltungsreihe begann am 22. Februar mit dem Forum, das hervorragend besucht war. Schon in der Begrüßung durch die Staatssekretärin Almuth Nehring-Venus wurde deutlich: Design ist interessant für die Wirtschaft. Design schafft Arbeitsplätze, sorgt für Akzeptanz von Produkten am Markt, und Europa exportiert Design in zunehmendem Maße.
Der Vortrag von Michael Söndermann, Vorsitzender des Arbeitskreises Kulturstatistik, belegte die Bedeutung der Designwirtschaft mit Zahlen (PDF). Die Umsätze der Designwirtschaft verzeichnen zweistellige Wachstumsraten und lagen im Jahr 2006 deutschlandweit bei 14,9 Milliarden Euro. Für Michael Söndermann ist Design die Leitbranche der Kreativwirtschaft.

Eine Vision davon, wie Designer dieser leitenden Rolle gerecht werden und auch in Zukunft führen, bekamen wir von Prof. Michael Hardt, dem zweiten Vortragenden des Abends. Für ihn ist Design angewandte Semiotik und folgt nicht, wie oft zitiert, der Funktion. Vielmehr soll Design voraus denken, Trends erkennen und Prozesse gestalten. "Unsere Aufgabe als Designer ist es, etwas aus der Zukunft in die Gegenwart zu holen." Globalisierung ist für ihn Teil dieser Zukunft und er rät, der Vereinheitlichung entgegen zu wirken und sich nicht an "internationalem Design" zu versuchen. "Machen Sie das Design einer Nation oder Region. Machen Sie Berliner Design."

Diesen Ratschlag unterstützt auch Prof. Dr. h.c. Erik Spiekermann, der Launiges aus dem Leben des reisenden Designers zum Besten gibt. Er schlägt vor, den Erwartungshaltungen internationaler Geschäftspartner eher zu folgen, als gegen Vorurteile zu arbeiten. Das kann unter Umständen bedeuten, mit den asiatischen Kunden Bier zu trinken, obwohl man es nicht besonders mag. Es bedeutet aber auf jeden Fall, deutsches Design zu machen und deutsches Geschäftsgebaren zu zeigen. Denn dafür werden wir im Ausland geschätzt.   

Die Zusammenfassung seines Vortrags hat Erik Spiekermann gleich an den Anfang gestellt. Wir stellen sie an den Schluss:
   
Unterschiede machen Spaß.
Vorurteile sind auch Urteile.
Wissen ist gut.

cs

 

Kleinstunternehmen müssen gestärkt werden

Im Auftrag der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hat Michael Söndermann, unser Gastreferent auf der AGD Mitgliederversammlung 2007, eine aktuelle Analyse der Kultur- und Kreativwirtschaft erstellt. Ein Fazit: Die Kulturwirtschaft basiert zu großen Teilen auf Kleinstunternehmen und FreiberuflerInnen. Die Arbeitsbedingungen dieser Gruppe müssen gefördert und verbessert werden.

Von 37119 Unternehmen, die im Jahr 2005 statistisch erfasst wurden und die zur Designbranche zählen, sind 28993 Unternehmen von Einzelpersonen bzw. Freiberuflern. Nicht in dieser Zahl enthalten sind GbRs, KGs, OHGs, GmbHs und AGs. D.h. rund 78 Prozent der in der Designbranche aktiven Unternehmen sind Kleinstunternehmen. Allerdings erwirtschaften diese 3/4 aller Designunternehmen lediglich 23 Prozent (circa 3 Milliarden Euro) des gesamten Umsatzes der Designbranche. Etwa 54 Prozent der Umsätze (etwa 7,2 Milliarden Euro) generieren GmbHs, die gerade einmal 12 Prozent aller Designunternehmen ausmachen.

Michael Söndermann stellt dar, dass in der gesamten Kreativwirtschaft ein Unternehmen im Schnitt maximal fünf Beschäftigte habe. Dagegen zählen beispielsweise Firmen in der Autoindustrie eine mittlere Beschäftigtenzahl von bis zu 128 Arbeitnehmern pro Betrieb. So erklärt sich, dass sich die Politik mit der Förderung der Autoindustrie sehr viel lieber beschäftigt – die Zahl der Unternehmen ist kleiner und die Lobby ist stärker – als mit den statistisch für 2005 erfassten Kleinstunternehmen der gesamten Kulturwirtschaft: Es sind 157639.

Merkmale der sogenannten "kleinen" Kulturwirtschaft sieht Söndermann u.a. in einer schwachen Lobby, einer kleinteiligen Branchenstruktur und in der Notwendigkeit der materiellen Absicherung der Urheberschaft. Zum Schluss seiner Analyse listet der Autor sechs Fragenkomplexe an die Politik, aber auch an die Interessenvertreter der Kreativen auf.

Immer mehr Zahlen belegen: Die kreativen Kleinstunternehmen schaffen beträchtliche Umsätze und ein großes Beschäftigungspotenzial. Gleichzeitig scheint es noch schwierig die vielen heterogenen Unternehmen und Freiberufler angemessen zu fördern. Hier müssen Politik und Kreative Ideen für die Praxis entwickeln – die AGD wird sich in diesem Prozess aktiv einbringen.

Der Reader der Grünen "Kulturwirtschaft und Creative Industries 2007. Aktuelle Trends unter besonderer Berücksichtigung der Mikrounternehmen" von Michael Söndermann kann von der Web-Site der Bundestagsfraktion direkt heruntergeladen werden: [Download der pdf-Datei]

bb


 

Kreativität schafft mehr Wert

Die 4. Jahrestagung Kulturwirtschaft in Berlin fand am 3. und 4. Mai im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft statt.

Im November 2006 präsentierte die EU Kommission die Studie "The Economy of Culture in Europe". Seitdem ist klar: die Kultur- und Kreativwirtschaft ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in Europa und der Bereich mit der höchsten Dynamik. So fand ihm Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft die Jahrestagung Kulturwirtschaft erstmals als europäische Veranstaltung statt.

"Kohärente Politik in einer globalisierten Welt" lautete das Thema der Konferenz, und der Gedanke liegt nahe, dass zum Wohle ihrer Kulturschaffenden die Staaten Europas zusammenarbeiten und sich aufeinander abstimmen. Am Ende des ersten Tages ist jedoch auch klar, wie viel Arbeit es bedeutet, dieses Ziel in die Tat umzusetzen.

Die Kulturwirtschaft ist ausgesprochen heterogen, und bereits die Frage, wer und was eigentlich dazu gehört, kann sehr unterschiedlich beantwortet werden. Design gehört selbstverständlich dazu, aber was ist z.B. mit Kunsthandwerk? Auch der jeweilige Umgang mit der Kreativwirtschaft ist in den EU-Staaten sehr unterschiedlich. In England und Skandinavien werden schon sehr lange Daten erhoben, und die Kulturwirtschaft wird gezielt gefördert. Für die postkommunistischen EU-Neulinge hingegen ist es erst einmal wichtig, eine (neue) nationale kulturelle Identität zu finden und zu definieren. Zudem hat die Kulturwirtschaft keine einheitliche Lobby, die sie nach außen vertritt.

Dennoch: "Die Studie 'The Economy of Culture in Europe' bietet erstmals belastbares Zahlenmaterial" (Odile Quintin, Generaldirektorin der Generaldirektion Bildung und Kultur, EU Kommission, Brüssel). Die Qualität und Komplexität der Studien wird in Zukunft noch zunehmen – so Michael Söndermann, Vorsitzender des Arbeitskreises Kulturstatistik Bonn. Und "Das Thema Kulturwirtschaft ist in der Politik angekommen. Endlich!" (Hans-Joachim Otto MdB (FDP), Vorsitzender des Ausschusses für Kultur und Medien im Deutschen Bundestag, Berlin). Die Kulturwirtschaft hat es in wenigen Monaten zu erstaunlicher Popularität gebracht.

Hier geht es aufwärts. 

 

Einige Ergebnisse der Studie:

  • "Der Beitrag des Sektors (Kulturwirtschaft) zum BIP der EU betrug 2003 2,6 %.

Im Vergleich dazu der Anteil der nachfolgend aufgeführten Branchen am BIP der EU im selben Jahr:

  • Immobilienbranche 2,1 %,
  • Nahrungsmittel-, Getränke- und Tabakbranche 1,9 %
  • Textilindustrie 0,5 %
  • Chemikalien, Gummi- und Plasteerzeugnisse 2,3 %"

"DerGesamtzuwachs durch die Wertschöpfung des Sektors betrug von 1999 bis2003 19,7 %. Das Wachstum des Sektors war zwischen 1999 und 2003 12,3 %höher als das allgemeine Wirtschaftswachstum."

"Während die Gesamtbeschäftigung in der EU 2002-2004 sank, nahm die Beschäftigung in dem Sektor zu (+1,85 %)"

Und: "Der Anteil der Selbstständigen ist mehr als doppelt so hoch wie in der Wirtschaft insgesamt (28,8 % gegenüber 14,1 %)"

Mehr Ergebnisse in der deutschen Zusammenfassung der Studie als PDF.

369 Teilnehmer aus ganz Europa 

Im März 2000 hat sich mit der Lissabon-Agenda die EU das ehrgeizige Ziel gesetzt, den europäischen Wirtschaftsraum bis 2010 "zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt zu machen – einem Wirtschaftsraum, der fähig ist, ein dauerhaftes Wirtschaftswachstum mit mehr und besseren Arbeitsplätzen und einem größeren sozialen Zusammenhalt zu erzielen." Mit der Studie "The Ecomnoy of Culture in Europe" ist die Kulturwirtschaft in den Fokus bei der Umsetzung dieses Vorhabens gerückt – was nicht zuletzt bedeutet, dass die Chancen auf Fördermittel steigen.

Was ist noch zu tun? Joachim Geppert von der MKW Wirtschaftsforschung GmbH, Saabrücken und einer der Hauptverantwortlichen der Studie empfiehlt u.a. die Installation eines EU-weiten Kulturnetzwerks und die Bereitstellung eines EU-Kulturfonds.

Beiträge aus vier EU-Staaten – Rumänien, Norwegen, Polen und Großbritannien - und neun Kulturbereichen von Filmmusik über Verlagswesen, Industrie-Design und Kunstmarkt bis zur TV-Industrie ließen das Publikum sehr klar erkennen, was kulturelle Vielfalt innerhalb Europas bedeutet. Und wie groß auch die Vielfalt an möglichen Fragen und Antworten ist. Gemeinsam ist allen Beteiligten die Freude über die Ergebnisse der Studie und eine sehr optimistische Grundhaltung; sie prägte die Stimmung der Konferenz. Die Kulturschaffenden blicken gemeinsam in eine Richtung und haben in diese bereits einen Schritt getan. cs

Die Kurzfassung der Studie "The Economy of Culture in Europe" auf Deutsch. PDF

Fotos: Jürgen Grothues

Ameisen mit Elefanten-Gewicht

Interview mit Michael Söndermann, Kulturstatistiker, Vorsitzender des Arbeitskreises Kulturstatistik und Mitglied des UNESCO Institute for Statistics

Herr Söndermann, Sie stellen die These auf, dass die Designwirtschaft die Leitbranche der Kulturwirtschaft ist. Warum?

Design ist für die Kulturwirtschaft ein sehr zentraler Markt. Denn in der Design-Produktion findet man Schnittstellen zu Verlagsproduktion, zu Musikproduktion, zur Filmproduktion, selbst zur Darstellenden Kunst, wenn  Sie beispielsweise an die Bühnengestaltung denken. Die Architektur ist dem Design sowieso verwandt. Was wäre Werbung ohne Design? Nicht zuletzt steckt der jüngste Teilmarkt der Kulturwirtschaft, nämlich die Games-Industrie, voller Designaktivitäten und Gestaltung. Also ist Design offenbar der Bereich, der mit all diesen Teilbranchen der Kreativindustrie verknüpft ist.

Warum erhält die Kulturwirtschaft aktuell so eine Bedeutung?

Früher lag das Augenmerk stark auf den technischen Neuerungen und Möglichkeiten. Man sprach ein wenig despektierlich davon, dass die Inhalte nur zugeliefert und neben der „Hardware“ nur eine untergeordnete Rollen spielen würden. Jetzt sieht man immer mehr, dass man den professionell gestalteten Inhalten viel mehr Aufmerksamkeit schenken muss. Dadurch entsteht eine  größere Bedeutung für die Creative Industries, die par excellence die Inhalteindustrie ist. Die Designer sind in diesem Bereich einer der Klassiker – selbst, wenn alles noch sehr jung ist und man den Begriff Klassik vielleicht noch nicht verwenden kann.

Wie ist Design innerhalb der Kulturwirtschaft unter marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten positioniert?

Das ist interessant. Wir konnten bis 2000 ein sehr starkes Wachstumspotenzial bei den klassischen Kulturmärkten wie Verlag, Musik, Film und Kunstmarkt beobachten. Nach 2000 gab es bedingt durch die Konjunktur einen sehr bedeutenden Rückgang des Wachstums. Jetzt stellt sich heraus, dass Design und Games diejenigen sind, die wieder am stärksten in der Umsatzentwicklung zulegen. Für das Jahr 2005 stellte sich zu meiner Verblüffung heraus, dass Design mit 15 Prozent Zuwachs mit Abstand der stärkste Wachstumsbereich in der Kreativwirtschaft war. 15 Prozent Zuwachs in einem Jahr, das sind keine Peanuts mehr. Im Vergleich: Die gesamte Kulturwirtschaft liegt bei einer Wachstumsrate von etwa bei vier bis fünf Prozent.

Es gibt nach aktueller Statistik in Deutschland 37000 Designunternehmen, die in 2005 13 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet haben ...

In Europa machte der Designsektor im Jahr 2002 ungefähr 556 Milliarden Euro Umsatz. Die Designbranche liegt damit etwa gleich auf mit dem Energie- und Chemiesektor in Europa. Wir waren über diese Ergebnisse erstaunt. Oft genug wurde von den traditionellen Wirtschaftsforschern gesagt, die Kreativen seien doch kein Wertschöpfungsfaktor. Daher haben wir das gleiche Instrumentarium, mit dem auch die Maschinenbauer oder die Energieunternehmen statistisch dargestellt werden, auf die Kreativwirtschaft angewendet. Es war extrem verblüffend, dass die Tausenden von Kleinstunternehmen des Designsektors in der Summe genau das gleiche Gewicht schaffen wie der Bereich der Energieversorgung, der natürlich von wenigen Großunternehmen definiert wird. Mit diesen Ergebnissen kann man der Politik einen Aha-Effekt abringen. Hinzu kommt, dass das Umsatzpotenzial nicht so wichtig ist wie das Beschäftigungspotenzial. Das Beschäftigungspotenzial vieler Ein-Personen-Unternehmen schafft in der Summe die gleiche Anzahl von Arbeitsplätzen wie die Energieversorgung oder wie der Maschinenbau. Da kann die Politik nicht mehr länger sagen, dass Design ein marginalisierter Bereich wäre.

Vortrag von M. Söndermann vor der MV der AGD 2007 in Wiesbaden 


Stimmt das Bild: Die Energieunternehmen sind wenige Elefanten; wir Designer sind  Tausende von Ameisen, die das gleiche Gewicht wie die Elefanten auf die Waage bringen?

Absolut. Und der Vorteil der Ameisen ist, dass zwar in der Gesamtwirtschaft wie zum Beispiel im Energiebereich Arbeitsplätze immer weiter abgebaut werden, die Kreativwirtschaft aber permanent Zuwächse im Arbeitsbereich verzeichnet. Natürlich sind das nicht mehr sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze, sondern inhabergeführte Arbeitsplätze. Das heißt, die vielen tausenden kleinen Büros, die als eigenständige Unternehmen auf dem Markt sind, wachsen weiter.

Allerdings hatten wir vor einigen Jahren schon einmal eine Wertschöpfung der Designbranche von 13 Milliarden Euro – und es waren weniger Unternehmen. Jetzt steigt die Anzahl der Unternehmen, der Umsatz bleibt aber gleich. Das heißt, der Umsatz pro Unternehmen ist gesunken.

Das ist richtig, das Unternehmenspotenzial wächst stärker als das Umsatzpotenzial.

Was wird die Folge sein?

Marktwirtschaftlich glaube ich nicht, dass dieser Umstand ein Nachteil ist. Denn gerade die Designer wissen – vielleicht sogar mehr als die Aktiven in den anderen Kreativbranchen –, dass sie sich neue Märkte erschließen müssen. Der Punkt ist der: Die Energieversorgung kann man nicht endlos erweitern, aber den Bereich des Designmarktes kann man neu und weiter erschließen. Es gibt Untersuchungen nach denen etwa 80 Prozent der befragten Unternehmen noch gar kein Bewusstsein dafür haben, dass Design für sie relevant sein könnte. 80 Prozent! Es liegt ein großes Potenzial in der gesamten Volkswirtschaft brach. Designunternehmen können also wachsen, wenn sie sich neue Märkte erschließen und entsprechende Marktstrategien erarbeiten. Insofern sehe ich die Perspektiven sehr positiv. Hier hat auch die Politik Chancen, Unterstützung zu leisten, indem sie sich mit den Verbänden und mit den Designer Gedanken macht, welche Rahmenbedingungen günstig für eine solche Entwicklung wären. Zum Beispiel könnte sich ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass Kleinstunternehmen wirtschaftlich wertvolle Trägereinheiten sind und nicht nur das Automobilunternehmen mit 20000 Beschäftigten.

Ab 2008 wird es seitens der amtlichen Statistik genauere Zahlen über die Designbranche geben. Auch die AGD hat sich stark dafür eingesetzt, dass sich die Kategorisierung von Design in der Wirtschaftsstatistik verbessert und treffgenauer wird.

Wir haben im Jahr 2008 eine Neudefinition sämtlicher wirtschaftlicher Aktivitäten in Europa vor uns. Im Jahr 2011 geht es mit einer Revision der weltweiten Wirtschaftsstatistik weiter. Diese Definitionen haben natürlich maßgeblichen Anteil daran, dass Bereiche wie das Design plötzlich sichtbarer werden als zuvor.

Herr Söndermann, ich erlebe Sie immer wieder als Verfechter von Designinteressen. Sind Sie im Herzen ein Designer?

Ich bin von Hause aus Musiker.

Das Gespräch führte Boris Buchholz.

Fotos: Hans-Jürgen Herrmann