Mehr Leckeres
Was bin ich?

Diese Frage sollte man sich jeden Tag kurz vor dem Aufstehen stellen, um gut gelaunt und erfolgreich durch den Tag zu kommen. Hilfe, wie man zu einer Antwort kommt, gab es bei den letzten Stammtischen hier in Berlin im April und Mai. Vor allem der Elevator-Pitch (ich habe schon davon berichtet) ist ein gutes Training, sich für den Tag fit zu machen. Was ich allerdings bei beiden Themenabenden vermisste, war das spezifisch designerische.
Das Beispiel für einen Elevator-Pitch: „Ich bin Designer und gestalte Corporate Designs damit Firmen besser aussehen“ ist für mich eher ein Gemeinplatz – fast eine Plattitüde – als ein Bonmot.
Wir sind Kreative und das sollten wir auch jedem zeigen. Hier ein Vorschlag: „Ich mach nichts Besonderes. Ich mache die Welt nur jeden Tag etwas besser.“ Wer es verstehen will muss nachfragen, zeigt Interesse und dazu muss er mehrere Etagen weiter fahren als er vorhat. Ich hab ihn! „Aber wer das nicht versteht, den verlier ich doch.“ kommen die Einwände.
„Erstens hattest du ihn noch nicht. Zweitens ist es auch ein Ausloten, ob die Wellenlänge stimmen könnte“ entgegne ich darauf.
Es geht aber auch anders. Ein junger Mann vom Nebentisch legte mir ganz leise die obige Karikatur neben mein Bierglas. Wir kamen ins Gespräch, tauschten Karten aus und ein guter Kontakt war hergestellt.
Mein Tipp: Seid locker, offen und pointiert. Designer sind keine Bankangestellten.
Genau so überraschte mich ein Freund, als er zum gemeinsamen „Kochen mit Freunden“ einen Thailändischen Abend vorschlug.
TOM YUM GUNG (Sauer-scharfe Garnelensuppe) leitete den überaus gelungenen Abend ein. 1/4 l Wasser mit 2 EL roter Currypaste aufkochen. Nach 5 Minuten 2 EL Tamarindenkonzentrat, 1 frische, klein gehackte Chilischote, 2 TL gemahlenen Kurkuma, 4-8 getrocknete Limettenblätter und noch ca. 1,5 l Wasser dazugeben und 2 Minuten kochen. Die ausgenommenen und geschälten (der Schwanz bleibt dran) Garnelen in den Topf und 5 Minuten kochen. Mit 2 EL Limettensaft, 2 TL braunem Zucker und 2 EL Fischsoße verfeinern. Wer es mag kann frischen Koriander darüber streuen. Sofort servieren.
Wer sich nicht jeden früh fragt, wer er ist, kann auch liegen bleiben.
Euer Christhard „Otto“ Landgraf
Illustration: Mikhail Reyman /Mai 2008
PS. Die Zutaten gibt es alle im gut sortierten asiatischen Lebensmittelladen.
Schmutzige Geschäfte
In einem Fachvortrag über Kommunikation und Netzwerke unter uns Kollegen wurde der E-Mail-Versand als schmutzige Kommunikation bezeichnet. Heißt das jetzt, ich mache auch schmutzige Geschäfte?
Wieder zurück am Schreibtisch, versuchte ich meiner Verwirrung Herr zu werden. Spams allein konnten nicht gemeint sein, denn in „realen“ Briefkästen steckt auch viel Werbung und niemand bezeichnet die Post als schmutzig.
Was ist es dann? Ich denke, es ist der meist schnoddrige und teilweise unhöfliche Umgangston in den E-Mails, der sie in manchen Augen schmutzig macht.
Ich versuche, einige einfache Regeln einzuhalten, um die Form auch im E-Mail-Verkehr zu wahren. Denn meine E-Mails sollen gelesen werden, meine E-Mails sollen akzeptiert werden und sollen mein Image transportieren. Deshalb: Immer einen aussagekräftigen Betreff. Immer eine höfliche Anrede. Immer Text. Immer eine Grußformel. Längere E-Mails oder solche mit mehreren Themen werden mit einem kurzen Inhaltsverzeichnis versehen. Und E-Mails werden beantwortet, vor allem, wenn man etwas angefordert hat oder eine Frage gestellt bekommt.
Manchmal muss man auch kleine, vielleicht nicht ganz saubere Tricks anwenden.
Ein Konzept oder die Beschreibung der Entwürfe zusammen mit den Entwürfen zu mailen ist nicht immer klug. Meistens werden die Entwürfe angeguckt und die Texte fallen unter den Tisch. Darum kann es hilfreich sein die Entwürfe bei der ersten E-Mail zu „vergessen“ um sie mit einem gewissen zeitlichen Abstand nachreichen zu können. Aber dazu muss man seine Pappenheimer (>>) schon kennen.
Bei einem Menü ist es nicht anders: Vorher ansagen und alles schön nacheinander auf den Tisch bringen! Damit beim Dessert noch genügend Lust zu essen da ist. Bei Spargelcremesuppe, Pflaumen im Speckmantel (Backpflaumen mit magerem Schinkenspeck umwickeln und in der Pfanne ohne Fett von allen Seiten braten bis der Speck knusprig ist), Auberginentartar, Hering mit Kartoffeln (s.u.) und Cordon Bleu auf Ruccola und Panna cotta auf zwei Fruchtspiegeln braucht man beim Kochen wie beim Essen Übersicht.
Schreibt und kocht sauber.
Euer Christhard „Otto“ Landgraf, E-Mails erwünscht
Foto: Peter Röhl/ pixelio.de
"Ohne Haltung ist alles nur Geschiebe"
Diese auf den Punkt gebrachte Aussage stammt von Manfred Kröplin und beschreibt das Berufsbild des Designers und sein Berufsethos ganz treffend. Sie illustriert auf glänzende Weise unseren Arbeitsprozess und weiterhin auch den Umgang mit den Kunden.
In einer Zeit, wo Entscheidungsträger auf die Vermeidung von Fehlern ausgerichtet sind, können wir als Designer mit Haltung gute Gestaltung kreieren und später auch durchsetzen: "Na klar, könnte alles anders sein … Aber so ist es richtig und gut."
Was auf die Haltung zu unserer Arbeit und ihren Ergebnissen zutrifft, trifft natürlich auch auf unsere "Entlohnung" zu: Die Vergütung von Entwurf und Nutzungsrechten ist genau so selbstverständlich, wie wir selbstverständlich gute Arbeit leisten.
Mehr gute Gedanken habe ich in Kröplins Buch "Es könnte so oder auch anders sein – Nachdenken über Grafikdesign" gefunden, als ich auf der Reise nach St. Petersburg war.
Von dort habe ich Euch diesmal ein Rezept mitgebracht. Einfach, echt russisch und mit Haltung aufgetischt ein wahrer Knaller: Seljodka (Hering) mit gekochter Kartoffel und Zwiebeln, ein Snack oder eine Vorspeise.
Für eine Portion braucht man einen Matjeshering, zwei geschälte Pellkartoffen, in Scheiben geschnittene Zwiebelringe von einer halben Zwiebel, Raps- oder Sonnenblumenöl und frischen Dill. Erst die Kartoffelscheiben auf den Teller, dann den Matjes in Stücke geschnitten darüber legen, mit den Zwiebelringen bedecken und mit reichlich Öl beträufeln. Der frische Dill bildet die Garnierung. Hat man einen Tag vorher Zeit, kann man die Zwiebelringe in Öl marinieren. Die Russen trinken dazu Wodka.
Und immer mit Haltung.
Euer Christhard "Otto" Landgraf >>
P.S. In St. Petersburg gab es noch mehr. Aber davon später.
Lit.: Kröplin, Manfred: Es könnte so oder auch anders sein – Nachdenken über Grafikdesign. Hatje Cantz Verlag, Ostfildern 2003 >>
Bild: pixelio.de/ pixelpiet
Von Wunderkindern
Hatte ich letztens über den Besuch bei den ganz Kleinen berichtet, geht es heute aus aktuellem Anlass um die etwas Größeren.
"Sehr geehrte Damen und Herren, für die Gestaltung ihrer … benötigt die … ein Layout. Vorgaben: DIN A4 hoch, das Logo sowie der Schriftzug '…' sollten darauf erscheinen. Wir bitten um ein Angebot für drei moderne Gestaltungsvarianten. Bitte senden Sie das Angebot bis zum …"
Ein andere aktuelle Anfrage ist überschrieben mit "Entwicklung einer Gemeinschaftswerbung" und enthält als Aufgabenstellung unter anderem "Suche nach Kooperationspartnern", "Entwicklung von Angebotsideen".
Was glauben die Anfrager, was Designer machen?
Wir sind keine Wunderkinder, wir sind Designer. Und als solche sind wir die Akteure im "Prozess des bewussten Gestaltens von realen oder virtuellen Objekten, von Dienstleistungen oder Marken". Und das soll auch so bleiben.
Von einem echten Wunderkind will ich jetzt berichten: dem Sellerie!
Seit mehreren tausend Jahren wird er als Heil-, Würz- und Gemüsepflanze angebaut und hat doch nichts von seiner Faszination verloren – als stimmungshebendes Gewürz oder als feines Wintergemüse*. (Über die " aphrodisierende Wirkung" geh’ ich mal hinweg.)
Man nimmt eine kleine Sellerieknolle, schält und raspelt sie, mischt ein bis zwei Eier drunter, würzt mit Zitrone, Salz, Pfeffer und Oregano und hat damit die Basis für viele Varianten des Sellerie-Medaillons.
Was kann noch in den Teig: klein geschnittene Champignons, Zwiebel, geröstete Sesamkörner, klein gehackte Walnüsse, Tomatenmark, … Aber Vorsicht, je mehr Extras hinzukommen, desto eher verschwindet der zarte Selleriegeschmack. Danach formt man kleine Kugeln und drückt sie in geriebener Semmel zu flachen Medaillons, um sie anschließend in der Pfanne mit etwas Öl langsam goldbraun zu braten. Dazu reicht man ein Saure-Sahne-Dill-Dipp. Und keine Angst, man wird davon satt.
Wir sehen uns in Potsdam. >>
Euer Christhard "Otto" Landgraf >>
* Immer aus der Region und nach Jahreszeit einkaufen.
Foto: Michelle Wie, Wunderkind in der Kategorie Golf /Quelle: Pak Un-1
Auch Designer haben Kinder!
Und die, die ganz kleinen, die Wiegenkinder, habe ich letztens besucht.
Die Herzogin Anna Amalia Bibliothek der Klassik-Stiftung Weimar zeigt bis zum 3. August 2008 in der Ausstellung "Welt der Wiegendrucke" Inkunabel aus ihrem umfangreichen Bestand. Es ist eine sehr aufschlussreiche Begegnung mit den Wurzeln der Typografie. Und hier meine ich Typografie im Sinne von Gestalten mit Schrift.
Was unsere Altvorderen zu Wiege brachten, nötigt tiefsten Respekt ab – Schriften mit bis zu 2000 Schriftzeichen*, ausgefallene Layouts und Satzspiegel. Absolut sehenswert.
Was den Genuss etwas schmälert, ist die Ausstellung an sich. Sie wurde für drei verschiedene Besuchergruppen konzipiert: Kinder und Kleinwüchsige, Normalos und Riesen. Und jeder sieht nur ein Drittel von den ausgestellten Werken.
Vom Ende der Inkunabel, am 31. Dezember 1500, dauerte es noch 55 Jahre bis die Kartoffel** nach Europa kam. Somit war Getreide in Form von ungesäuertem Brot das Hauptnahrungsmittel. Und ab und zu mal ein Stück Wild. Darum möchte ich heute zu Ehren unserer Vorfahren aus der Zeit der Inkunabel einen Rehrücken empfehlen.
Das Reh holt man sich am besten beim Jäger. Als erstes lösen wir den Rücken aus, reiben die Filets mit einer Mischung aus Salz, Wacholderbeeren, Nelke und Zimt ein und marinieren sie zusammen mit klein geschnittenen Zwiebeln und Möhren über Nacht. Danach wird die Marinade abgewaschen und das Fleisch trocken gerieben. Im Olivenöl werden die Filets kräftig angebraten. Wir setzen sie wieder in die Marinade, bestreichen sie mit Olivenöl und braten sie bei 200°C im Backofen ca. 20 Minuten fertig. Danach nimmt man die Filets aus der Form und stellt sie warm. Der Bratensatz und die Marinade werden mit Wasser losgekocht und passiert, damit man eine sämige Soße bekommt. Vielleicht noch einmal mit Salz abschmecken.
Dazu backen wir schon zwei Stunden vorher unser ungesäuertes Brot: Mehl mit Salz und Wasser in 15 Minuten zu einem glatten festen Teig verkneten, 90 Minuten ruhen lassen, kleine Laibe formen, mit Olivenöl bestreichen und im vorgeheizten Ofen bei 240°C auf einem gefetteten Blech ca. 20 Minuten backen. Nach der Hälfte der Zeit die Brotlaibe wenden. Wein oder Bier empfiehlt sich dazu.
Auf ins Mittelalter! Euer Christhard "Otto" Landgraf
* Brauchen wir ein versales Eszett? Gebt Eure Stimme ab unter >> www.zappo-berlin.de
** 2008 „Internationales Jahr der Kartoffel“ www.potato2008.org/
Bild: Die Druckermarke des William Caxton, 1478 Wikipedia
Design ist Teufelszeug

Berlin verändert sich immer noch. Vor allem im Stadtbild. Da werden Jahrzehnte alte Baulücken – im Laufe der Jahre hatte sich hier ein Mikrokosmos aus Menschen, Tieren und Pflanzen gebildet – geschlossen. Uniforme Bauten werden hingesetzt. Da ist man geneigt zu rufen: „Haltet ein! Mut zur Lücke!“
Ist es der „horror vacui“ der die Bauleute umtreibt?
Im Mittelalter bemalten unsere Altvorderen aus diesem Grund alle freien Stellen einer Buchseite, damit sich der Teufel nicht auf diesen leeren Stellen ausbreiten konnte.
Und heute? „Ach, du bist Designer! … die lassen doch immer so viel Platz ungenutzt.“ musste ich kürzlich hören. Es schwang etwas wie Bedauern über diese sinnlose Verschwendung mit – war es Angst? Das zeigt aber auch, dass Aldi-und Konsorten-Anzeigen nicht als Werke von Designern wahrgenommen werden.
Beim Essen ist es ähnlich: Volle, überquellende Teller symbolisieren niedere Hausmannskost, übersichtlich geordnetes Essen steht für hohe Kochkunst. Weit gefehlt.
Das eine wird primär zum satt werden serviert, beim anderen steht das Genießen im Vordergrund. Aber keins schließt das andere aus.
Darum koche ich Euch heute eine „Lammschulter in Mirto“.
Eine frische Lammschulter (ca. 1,2 kg) mit Knoblauch abreiben und 4 tiefe Einschnitte mit halben Knoblauchzehen spicken. In Olivenöl rundum scharf anbraten, danach mit Mirto (sardinischer Myrthenlikör), ersatzweise Gin, begießen und mit etwas Brühe und klein geschnittenem Wurzelwerk in der Röhre bei Mittelhitze 30 Minuten braten, erneut mit Mirto begießen, wenden und weitere 30 Minuten in der Röhre braten. Das Fleisch herausnehmen und warm ruhen lassen. Den Bratensatz loskochen, pürieren und mit Salz abschmecken. Dazu reiche ich luftigen Basmatireis und grüne Bohnen. Für 4 Personen gibt’s volle Teller, für 8 Personen gibt es vorher eine Rote-Bete-Suppe mit Hechtklößchen, einen gemischten Grünen Salat mit Granatapfel und Kartoffeln in Roter Soße. Und die Mascapone mit Waldfrüchten gibt es in jedem Fall im Nachgang. Der übrig gebliebene Mirto eignet sich auch besten als Aperitif oder Digestif.
Mehr Mut wünscht Euch Christhard „Otto“ Landgraf
Foto: Berchtold/pixelio.de
Das Internet ist eine gute Sache

Informationen zu finden, ist leicht. Sie zu bewerten, ist schon schwerer. Es gibt im Web auch Wunder. Damit meine ich jetzt nicht meine Kolumne, sondern Datenbanken mit ausgeklügelten Suchkriterien oder feinen Algorithmen. Einen nützlichen Service findet man bei www.myfonts.com.
Die Kollegen haben einer Datenbank Tausende von Schriften beigebracht, sie kann so zur Identifikation von Schriften benutzt werden. Kennt man den Namen einer Schrift nicht, kann man sich bei der Suche professionell unterstützen lassen. Kein stundenlanges Rätseln mehr, sondern schnell einen Buchstaben oder mehrere hoch geladen und schwupps hat man die Vorschläge und kann alles noch verfeinern. Und die Ergebnisse sind verblüffend. Ein Service, für den kein Cent anfällt.
Was ich aber im Internet noch nicht gefunden habe, ist eine Geschmacksdatenbank. Und da meine ich nicht eine, in der man nach gutem oder schlechtem Design suchen kann, sondern eine, in der es ums Schmecken geht.
Es heißt also weiter im Kochtopf rühren oder Tipps von Freunden ausprobieren.
Heute: Kürbiskraut.
Das grob geraspelte Kürbisfleisch (1kg) zusammen mit einem kräftigen Schuss Orangensaft, einem Becher Crème fraiche und etwas Majoran in die vorher in Butter angedünsteten Zwiebeln geben und 10-12 Minuten unter Rühren köcheln lassen. Mit Meerrettich, Salz und Pfeffer abschmecken. Eine andere Variante ist, statt Meerrettich und Majoran, Muskat und eine Spitze Zimt zu nehmen. Auch kann man den Orangensaft durch 2 Esslöffel Sanddornmus ersetzen. Je nach Lust und Liebe. Dazu reicht man einen Rinder- oder Kalbsbraten mit einer kräftigen, dunklen Soße. Für vier Personen ein herbstlicher Hochgenuss. Danke Anke.
In der dunklen Jahreszeit wieder ran an den Herd - Euer Christhard „Otto" Landgraf
Bild: Collage unter Verwendung eines Screenshots des Online-Marktplatz eBay mit eigenwilliger Rechtschreibung
Manchmal braucht man einfach Urlaub

Ich geh' selten in Restaurants. Dazu koche ich zu gerne. Doch im Urlaub ist das anders. Da entdeckt man Lokalitäten, in denen der Koch noch selbst das Essen serviert und sogar bei der Auswahl berät. Da fühl ich mich wohl und immer schmeckt es.* Nach dem Schlemmen kamen mir so die Gedanken: Mach ich das als Designer auch so? Besuche ich für jeden Auftrag den Kunden, höre zu, berate und präsentiere alles mit viel Sorgfalt?
Um das Fass zum Überlaufen zubringen: E-Mail, Blackberry und Ko. nerven und überfordern viele Menschen, las ich gestern in einer Zeitungsmeldung. Der US-Wirtschaft gehen jährlich 436 Mill. € durch diese ständigen Unterbrechungen im Arbeitsprozess verloren.
Und ich? Ich verschicke Angebote, Entwürfe, Anfragen usw. per E-Mail, feiere das PDF-Format als Ersatz für Pappen und Passepartout. "Welch ein Narr!" kann ich mir da nur zurufen.
Also: Selbsterkenntnis anstatt einem Rezept bringe ich dieses Jahr aus dem Urlaub mit.
Trotzdem will ich Euch wieder von einem kleinen Gericht berichten. Nichts Spektakuläres, sondern einfach, der Jahreszeit entsprechend und variantenreich: "Gefüllte Zucchini".
Die Zucchini der Länge nach teilen und das Innere mit einem Löffel aushöhlen. Je nach Bedarf kann mehr oder weniger vom Fruchtfleisch stehen bleiben. Diese Hälfen werden mit der Schale nach oben in eine gefettete Auflaufform gelegt und 10 Minuten im vorgeheizten Ofen (180 °C) gegart. In der Zwischenzeit hackt man das Fruchtfleisch sehr fein, gibt gehackten Knoblauch dazu, etwas Zwiebel, frischen Quark (ca. 100 Gramm), 2 Esslöffel Olivenöl, frisches Basilikum und Petersilie.
Mögliche Variationen: gesalzene Sardellen** und grüne Oliven oder Tomaten und Mozzarella oder Lachs und Spinat werden ebenfalls sehr klein geschnitten und unter das Fruchtfleisch gemischt. Mit Salz abschmecken und in die ausgehöhlte Zucchini füllen. Mit etwas geriebenem Parmesan bestreuen und im Ofen 20 Minuten backen.
Als Unterlage stellen wir aus sehr klein geschnittenem Feldsalat, Kopfsalat, Rauke, Sauerampfer, Löwenzahn, etwas Radicchio, Olivenöl, Balsamico, Salz und Pfeffer einen Salat her, fast kann man sagen: ein grobes Pesto.
Ein Schwedeneisbecher aus Apfelmus, Vanille-Eis und Eierlikör rundet unser spätsommerliches Menü ab. Und beim Servieren den Gästen – auch Familienangehörige sind welche – das Gericht beschreiben.
Kopf hoch. Euer Christhard "Otto" Landgraf
* "Wo gibt es so etwas?" Ja, das sind Geheimtipps, die verrät man vielleicht seinem besten Freund oder seiner besten Freundin. Aber nur, wenn sie einen auch mitnehmen.
** Vorsicht: ökologisch nicht korrekt, wegen Überfischung.
Was man nicht alles designen kann
„Design ist alles“ las ich kürzlich. Das machte mich neugierig. Es hat sich wohl herum gesprochen, wie wichtig unsere Arbeit ist. Aber schon im nächsten Satz war für mich der Ofen aus. Es ging um Wein. Holzspäne ins Fass, Aromamoleküle, Wein in Einzelteile zerlegen und neu zusammen mixen, Entwässern und Wässern, … die Liste ist lang und abenteuerlich – und dazu sagen sie „Design“.
Ich sage dazu Weinpanscherei. Mit Design hat das nichts zu tun.
Aber eins macht mich schon stutzig: Nach Küchendesign für Küchenschrankaufsteller, Nageldesign für Maniküre (obwohl ein sehr schönes Wort) usw. usf. bezeichnen sich jetzt auch Weinpanscher als Designer.
Welche Kraft muss dieses Wort haben, welche ideelle Marke steckt dahinter, dass von ihm so eine Faszination ausgeht? Wir sollten stolz auf unseren Beruf sein und ihm in der täglichen Arbeit alle Ehre machen, um nicht mit Weinpanschern in einen Topf geschmissen zu werden.
Ich empfehle heute einen sehr schönen leichten, fruchtigen Sommerwein: El Coto Blanco >>. Ein wunderbarer Wein zum Entspannen von der Tagesmüh.
Aber vom Wein allein wird mancher nicht satt. Den Grill aufgestellt und in einer knappen Stunde ein unvergessliches Abendbrot gezaubert: Gegrillte Heringsspieße mit Tomatensalat. Die Grünen Heringe (der einzige Fisch, der noch mit gutem Gewissen zu essen ist) kauft man am besten ohne Kopf und ausgenommen. Den Fisch teilen wir und entfernen dabei die Hauptgräte. Die Filets werden auf einen Holzspieß gefädelt, an jedes Ende eine Viertel Schalotte. Frischer, gehackter Majoran, der Saft einer Zitrone, Olivenöl und etwas Weißwein werden zu einer Marinade verrührt und über die Spieße gegeben. Jetzt hat man Zeit, den Grill anzuwerfen. In der Zwischenzeit wird ein Tomatensalat mit Gartentomaten, Zwiebeln, Rotweinessig, Olivenöl, Salz und Pfeffer angerichtet. Wenn der Grill die richtige Temperatur hat, werden die Heringsspieße darauf gegrillt. Ich empfehle nur von der Hautseite, dafür aber etwas kräftiger zu grillen, bis der Fisch durch ist. In einem Bett aus Tomatensalat bettet man die fertigen Spieße und lässt sie kurz ruhen. Kräftiges Weißbrot oder Ciabatta passt gut dazu. Sollte man die Zeit zwischendurch vergessen – keine Angst, es schmeckt auch kalt.
Euer Christhard „Otto“ Landgraf
Foto: www.pixelio.de
"Ein bisschen Pech ist nichts Schlechtes"

So oder ähnlich antwortete der Chinese Han Meilin (>>) auf die Frage warum er nur 10 Cent für das Olympiasignet "Peking 2008" erhalten hat und das Designbüro Wolff-Olins (>>) 600.000 Euro für ihre Arbeit zu "london 2012".
Es ist mehr als Pech für Herrn Han Meilin, da selbst chinesische Kinder, die Maskottchen für das IOC nähen, 22 Cent am Tag bekommen. Und damit ist es etwas Schlechtes.
Es steht mir fern einen Zusammenhang zwischen der Höhe des Honorars und der Qualität des Designs zu erkennen – zu unterschiedlich sind die Herangehensweisen. Auf der einen Seite wird das Traditionelle betont (Peking 2008) und auf der anderen Seite kommt aus London ein offener, ja liberaler Konzeptentwurf.
Die Argumentation der "london 2012"-Ablehner nimmt groteske Züge an. In der "taz, die tageszeitung" (>>) las ich in einem Beitrag des von mir hoch geschätzten Ralf Sotschek folgendes Zitat: "Wenn du jemanden beauftragst, ein Auto zu konstruieren, und es bringt dich dann um, wärst du nicht besonders glücklich", sagte Ken Livingstone. "Wenn du jemanden beauftragst, ein Logo zu entwerfen, und derjenige kontrolliert das nicht mal auf grundlegende gesundheitliche Folgen, fragst du dich doch, was er für sein Geld getan hat." (Anmerkung: Anzahl der Verkehrstoten in Deutschland 2006: 5094.)
Brauchen wir daher den Schutz des Verbrauchers? Ziert jetzt bald jedes Produkt, jedes Druckerzeugnis, jede Klamotte und was weiß ich noch, vielleicht unser ganzes Leben, die Hinweise: "Design beeinträchtigt Ihre Gesundheit", "Design ist tödlich" und "Leben ist tödlich"?
Was soll's, warten wir ab und machen unseren Job. Zu jedem Design gibt es kontroverse Debatten. Jeder fühlt sich berufen seine Meinung abzugeben, aber meistens sind sie nicht so unqualifiziert (s.o.).
Heute wollen wir uns mit Herrn Han Meilin solidarisieren und in der Küche etwas Chinesisches zaubern. Ausgelesen aus dem "Kleinen Kochbuch der chinesischen Küche" (>>): Grüne gebratene Bohnen / Chao helanou.
Die grünen Bohnen werden gewaschen und in 3 bis 4 cm lange Stücke geschnitten. Knoblauch und Ingwer werden gehackt und in Olivenöl leicht angebraten, dazu werden die Bohnen gegeben. Nach etwa 2 Minuten wird etwas Wasser drüber gespritzt, damit die Bohnen ihre Farbe nicht verlieren. Die Bohnen werden dann weiter gebraten bis sie gar aber knackig sind. Mit Reis angerichtet, wer will mit Sojasoße darüber, hat man ein leichtes Sommergericht. 10 Cent werden für den Einkauf nicht reichen, es stürzt uns aber auch nicht in den Ruin.
好胃口*
Euer Christhard "Otto" Landgraf
* einfach Chinesisch kann man mit Babel Fish-Übersetzung rausbekommen >>)
Mein Repertoire

Als ich letzthin mit meinem Musiklehrer mein Repertoire* besprach, kamen Begriffe wie Repertoirepflege, -erneuerung und -erweiterung ins Spiel. Das machte mich unruhig.
Warum haben Musiker ein Repertoire und Designer ein Portfolio?Im Begriff Repertoire findet sich viel mehr wieder als in Portfolio.
Designer laufen mit einer Mappe respektive tragbarem Computer durch die Welt und zeigen ihre Arbeiten. Ist es nicht besser, sich seines Repertoires zu besinnen und Fähigkeiten zu präsentieren, die man auf höchstem Niveau virtuos beherrscht, wo man Meister, ja Künstler ist? Und dieses Repertoire auch zu pflegen und zu erweitern? Damit würde man sein Image schärfen, sich als Designer eine hohe Identität schaffen.
Mein neuer Aufzugssatz (Elevator Pitch): "Als Designer suche ich mit Hilfe von Farben und Formen, Typografie und Bildern nach neuen Lösungen."
Und als Koch? "Mit Leichtigkeit versuche ich, Herz und Sinne zu gewinnen."
Saisonal bedingt lege ich Euch heute "Grünen Spargel mit Schinken" ans Herz.
Und so wird’s gemacht: Den grünen Spargel waschen und nur das untere Drittel schälen, wenn er zu dick ist. Jede Spargelstange wird mit einer Scheibe luftgetrocknetem Schinken (Serrano oder aus Parma) umwickelt. In einer Pfanne mit Butter werden die Spargel-Schinken-Stangen bei mittlerer Hitze gebraten. Ein- oder zweimal drehen, und nach ca. 7 bis 10 Minuten ist der Spargel durch. Der Vorteil ist, man kann in der Pfanne immer mit der Gabel die Konsistenz des Spargels prüfen. Der eine mag ihn weich, der andere "al dente". Serviert wird der Spargel auf einem leicht angewärmten Teller und mit etwas frisch gehobeltem Hartkäse. Eine Scheibe Weizenbrot und ein moussierender Weißwein heben das Gericht auf das ihm zustehende Niveau: leicht und köstlich.
Übrigens: Repertoirepflege heißt üben.
Viele Grüße
Euer Christhard "Otto" Landgraf
* Zur Zeit noch etwas klein: "Take Five" von Dave Brubeck, "Caravan" von Carol Klose, "As Time Goes By" von Herman Hupfeld.
Wegweiserfoto: Christhard Landgraf
Unsere Macht

Marken sind Bilder im Kopf. Diese Marken manipulieren die Bedürfnisse und das Verhalten des Einzelnen. Das Reale wird durch die mediale Zeichenmaschine in Hyperrealität verwandelt. Die Zeichen nehmen die Stelle des Realen ein, so dass das Reale nicht mehr existiert. (In Gedenken an Jean Baudrillard, 20. Juli 1929 – 7. März 2007, mehr lesen) Und wir, die Designerinnen und Designer, sind entscheidend an der Simulation der Realität beteiligt bzw. prägen sie mit. Nutzen wir unsere Macht.
Und an welche Simulationen glauben wir selbst? Was macht der Frühling in unserem Kopf? Wenn im Fernsehen "Hallo Frühling" gekocht wird, sind die Zutaten u.a. Radicchio, Frisee-, Romana-Salat und Wiesenchampignons. Das zeigt eindeutig, dass Frühling mit Gemüse verbunden ist. Aber diese Gemüse gehören eigentlich zum Sommer und teilweise (Radicchio ist ein Bruder des Chicorée) in den Herbst. So viel zu den Bildern in unserem Kopf. Wie lange wird es da noch dauern, bis man bei einen Wintersalat Erdbeeren erwartet.
Also zeigen wir uns gegenüber den uns präsentierten Bilder besser skeptisch (wir wissen, wie sie entstehen), ziehen uns eine warme Jacke an und schauen selbst nach dem Frühling (Realität statt Simulation).
Der Bärlauch zeigt seine wunderbaren Blätter. Eine feine Suppe habe ich euch im März 2003 schon ans Herz gelegt: "Warum Putbus?"
Daneben erhebt auch eine nicht so attraktive Pflanze ihre neuen Blätter – die Brennnessel.
Mit Handschuhen werden die frischen Stengel gepflückt und nach Hause getragen. Nach etwas Knautschen, Waschen oder Blanchieren sind die gefährlichen Brennhaare unschädlich. In etwas Öl schwitzt man Zwiebeln an, löscht mit etwas Weißwein ab und gießt mit 1 Liter Gemüsebrühe auf. Dazu werden drei, vier geschälte und klein geschnittene Kartoffeln gegeben. Wenn die Kartoffeln fast weich sind gibt man die Brennnesselblätter (ca. 300 bis 400 Gramm) und eine Zehe Knoblauch dazu und köchelt das Ganze ca. 5 Minuten weiter. Danach wird alles püriert und mit Salz, Pfeffer und Muskat abgeschmeckt. Saure Sahne kann man ruhig weg lassen, aber mancher mag es. Dazu passen wunderbar geröstete Vollkornbrot-Würfel.
So sieht bei uns der Frühling aus und reicht für vier Realisten!
Mit bester Empfehlung. Christhard "Otto" Landgraf
Übrigens: Isst man am Gründonnerstag Gemüse aus Brennnesseln, ist man für das folgende Jahr vor Geldnot geschützt. (Wikipedia)
Foto/Montage: www.pixelquelle.de / zappo
Wir sind anders

Rauchergesetz, CO2-Emmision, Tempolimit, Kita-Plätze, Vaterschaftstests, Gesundheitsreform, RAF, Urhebergesetz, Klimawandel, Erderwärmung, noch 13 Jahre usw. usf. …
Gibt es noch irgendetwas, was das Leben lebenswert macht? Sollen wir kollektiv in die Frühjahrsdepression gestürzt werden? Da müssen wir gegen halten!
Wir sollten ein großes Sommerfest planen. Hier in Berlin, wo sonst die Politik uns das Leben schwer machen will. Wir laden alle Kollegen ein, holen die Frau Merkel dazu und zeigen, was Urheber so alles auf dem Kasten haben. Das sollte ein Spaß werden.
Oder wir machen es ein bisschen kleiner und kochen uns was Schönes. Natürlich, das haben wir gelernt, wenn’s geht: Klima schonend.
Hier einige Energiespartipps: Kochen mit Gas; Töpfe aus Edelstahl ohne Beulen; kleine Menge – kleiner Topf und umgekehrt; Deckel drauf! Wenig Wasser zum Kochen. Und beim Einkaufen: Gemüse und Obst der Saison, lokale Erzeuger bevorzugen.
Ich empfehle heute Rotkraut mit Eiersoße. Das Rotkraut schneiden wir klein und kochen es mit einem 1/2 Liter Salzwasser al dente oder rösch, wie die Sachsen sagen. Das verbleibende Kochwasser wird abgegossen. Ein gutes Rotkraut braucht sieben Zutaten: Salz, haben wir schon, Pfeffer, eine gute Prise Zucker, Essig nach Geschmack, 2 Esslöffel Olivenöl, eine klein geschnittene Zwiebel und einen klein geschnittenen halben fruchtigen Apfel. Die Zutaten zum gekochten Kraut geben und gut durchrühren. Jetzt sollte das Kraut an einem warmen Ort etwas durchziehen. Danach wird es noch einmal abgeschmeckt.
Für die Eiersoße brauchen wir Zwiebeln, Butter oder Öl, Weißwein, Sherryessig und 2-3 Eier. Die klein geschnittenen Zwiebeln werden im Fett glasig gedünstet. Mit Weißwein löschen wir ab und kochen alles etwas ein und füllen mit etwas Gemüsebrühe auf. Die Eier werden mit einem kleinen Schuss Sherryessig verquirlt. Danach gießen wir vorsichtig den etwas abgekühlten Sud dazu, erwärmen das Ganze unter ständigem Rühren. Nicht kochen! Gewürzt wird mit Salz und Cayennepfeffer.
Und lasst Euch nicht rauchend bei einem Rindersteak erwischen.
Euer Christhard "Otto" Landgraf
Illustration: Maki Shimizu, Animation: landgraf(at)zappo-berlin.dezappo
Warum ich im Westen arbeite?

Katastrophen haben auch gute Seiten. Man erinnert sich an Dinge, an die man lange nicht dachte, oder besieht sich sein Handeln mal aus einer neuen Sicht. So erging es mir, als "Kyrill" über uns hinweg zog. Ich dachte über meine Ökobilanz nach und meinte, da bräuchte ich mir wohl keine Sorgen zu machen:
Alle 5 Jahre einen Flug, reisen mit Bahn und Fahrrad, kein Auto. Und Lebensmittel...? Ja denkste! Eigentlich wollte ich über eine wunderbare Zubereitungsart von selbst eingelegten Sardellen schreiben. Aber die sind out – zu weit und dürfen fast nicht mehr gefischt werden, und bei Sardinen sieht es nicht viel besser aus. (Info)
Darum gibt es heute Eierkuchen. Schnell gemacht und immer für Überraschungen gut. Mit Spinat, mit Feta-Käse*, mit Jam oder Jelly haben sie für jeden Geschmack etwas zu bieten.
Der Eierkuchenteig wird aus 3/8 l Milch, 150 g Mehl, 2 Eiern und einer Prise Salz gerührt.
Für den Spinat holen wir frischen aus dem Garten oder vom Gemüsehändler. Wenn man genügend Zeit einplant, erspart man sich einige Arbeit beim Waschen. Und so geht es: Vom Spinat die Wurzel entfernen, die einzelnen Blätter in kaltes Wasser legen und stark bewegen, dann 15 Minuten nichts tun. Der Sand hat sich abgesetzt, den Spinat ganz ruhig entnehmen und die Prozedur wiederholen. Danach den Spinat überbrühen, ausdrücken und in grobe Stücke schneiden. Mit etwas Olivenöl und Knoblauch in einen Topf geben und 10 Minuten garen. Mit Salz, Pfeffer und Muskat (!!) abschmecken. Den Käse mit der Gabel zusammen mit etwas Olivenöl und Kräutern nach Bedarf (Thymian, Oregano oder Kräuter aus der Province) zerdrücken. Den Spinat mit dem Käse auf einen ausgebackenen Eierkuchen legen und zusammengerollt in den Mund schieben.
Aber warum bin ich froh im Westen zu arbeiten? Fast jeder Wind in Berlin, auch "Kyrill", bläst aus Westen. Früh mit dem Rad gen Westen, den Wind immer im Gesicht und abends nach Osten – schön mit Rückenwind. Da macht es doch Spaß, nach Hause zu radeln. Wäre es umgekehrt, würde man zu lange arbeiten.
Ich überlege noch, wo ich meine Kunden suchen soll. Zu denen im Osten treibt es mich von selbst, von denen im Westen käme ich immer entspannt zurück.
So lernt man aus Orkanen
sein Leben zu planen.
Christhard "Otto" Landgraf
*Feta darf sich seit diesem Jahr nur noch in Griechenland hergestellter Ziegen- oder Schafkäse nennen. Es gibt aber durchaus Alternativen aus Deutschland. Die bezeichnet man jetzt als "ins Salzlake gereifter Weißkäse".
(Foto: Autor)
Design und Farbe

"Ich brauch' ein Hemd!" "An welche Farbe haben Sie da gedacht?" "Die Farbe ist egal. Hauptsache, es ist schwarz."
So oder ähnlich hören sich doch die meisten Kreativen beim Einkaufen an. Woher kommt der Vorzug der Farbe schwarz? Klebt da noch die Herkunft, die Druckerschwärze mit an der Seele, ist es die Bescheidenheit – ja Angst? "Horror colori"?
Nein. Eher denke ich, dass uns der tägliche Umgang mit Farbe einfach vorsichtig macht. Wir sind sensibel für feinste Abstufungen, haben für fast jeden Farbton einen Namen. Können jede Nuance genau beschreiben. Wissen um die Wirkung und Ausstrahlung von Farbe.
Manche Farben entziehen sich aber doch unserer Kenntnis.
Zum Beweis ein kleines Beispiel: Man nimmt eine Knolle rote Bete, schält sie und raspelt sie mit der Küchenreibe. Aus einem Becher saurer Sahne oder Dickmilch, einem Schluck Orangensaft (frisch ausgepresst), einem Esslöffel feinen Meerrettichs (selbst gerieben oder aus dem Spreewald), Salz und Pfeffer machen wir eine Soße. Diese vermischen wir mit der grob geraspelten roten Bete. Und hier kommt die große Überraschung. Es bildet sich eine karmesin-magenta-blauviolett-...-farbige Soße, einmalig und unbeschreibbar. Hier scheitern auch ausgebuffte Farbexperten. Zum Abschluss können wir diese Frischkost mit Ananasstücken und gehäuteten Orangenspalten garnieren und verfeinern. Mit dunklem Körner- oder Malzbrot und einen Stück jungen Gouda ist es eine köstliche und leichte Mahlzeit für trübe Winterabende.
Es lässt sich dabei gut über Design und Farben, Freud und Leid, der Sehnsucht nach besseren Tagen, Wärme und Sonne philosophieren. Aber Vorsicht, lieber schwarze Klamotten dazu tragen, denn hat man sich bekleckert, geht die "rote" Soße nirgends raus
Mehr Farbe für trübe Tage wünscht Euch
Christhard Otto Landgraf
(Erstveröffentlichung: Wasserträger 03.2005)
Nur weg hier!
Wer Dauerregen, Glöckchen klingeln und vollen Magen satt hat, der sollte sich von Gänsebraten, O du Fröhliche und Verwandten verabschieden und sich eine angenehmere Umgebung suchen.
Christoph Columbus sei Dank haben wir die Möglichkeit! Er hat uns den Weg geebnet. Seit seiner abenteuerlichen Reise hat sich auch unser Horizont erweitert. In geografischer wie in intellektueller Hinsicht. Ohne ihn müssten wir auf Allinklusiv auf DomRep verzichten, hätten keinen Rum und keinen Máximo Líder. Westindien wäre unentdeckt!
Unsere Reise kann beginnen. Mit der Fototapete 138 "Karibische Idylle" in 366 x 254 cm, über den Internetversandhandel bezogen, holen wir uns unseren Traumstrand ins Haus. Der Son-Sound des Buena Vista Social Club, der Latin Jazz von Irakere (wer denkt da nicht an den legendären Auftritt beim Jazz Jamboree 1978 in Warschau) bringen uns das Feeling, den Rhythmus. Wer es ganz echt mag, heizt sein Zimmer auf 30 Grad und rundet mit Sonnenbrille, Bikini oder Badehose ab. Für die korrekte Kultur sorgt der Film "Soy Cuba" von Mikhail Kalatozov, 1964 als eine Hymne auf die kubanische Revolution gedreht.
Bunt und farbenfroh wie die Landschaft ist auch das Essen auf den karibischen Inseln. Eine bunte Auswahl an Gemüse, Gewürzen und Kräutern wandert für die vegetarische "Westindische Gemüsesuppe" in den Topf. In demselben erhitzen wir Öl und braten Knoblauch, Ingwer und Chili unter Rühren kurz an. Mit Gemüsebrühe gießen wir an und bringen alles zum Kochen. Danach werden Kartoffeln, Tomaten, Möhren, Stangensellerie, Lauch, Kürbis, Muskat und Thymian hinzu gegeben und 15 Minuten zugedeckt leicht gekocht. In den letzten 2 Minuten werden gekochte Maiskörner mit erhitzt. Die Suppe bestreuen wir nach dem Servieren mit frischem Koriandergrün. Dazu reichen wir Toast. Als Leckerei gibt es hinterher rundum in Butter goldbraun gebratene Bananen und zu Trinken gibt’s kubanisches Bier, Bucanero (nur das in den braunen Dosen) und den weltberühmten Rum-Julep Mojíto (wie für Hemmingway mit einem Spritzer Angostura?).
So versöhnt mit sich und der Welt kann man sich auch einen Besuch bei Verwandten unterm Weihnachtsbaum erlauben, denn zu Hause wartet die Karibik – oder eben auch Westindien.
Auf Wiedersehen!
Euer Christhard "Otto" Landgraf
Von falschen Freunden, falschen Hasen und anderen
Web 2.0 ist zur Zeit in aller Munde. Was es bedeutet, ist eher vage: Technik, Gesellschaft und/oder Wirtschaft oder vielleicht doch nur runde Ecken? Einfacher ist es mit dem alten Begriff Website.
In Website (, der) stecken gleich zwei englische Wörter: Das erste ist web und heißt Gewebe, Netz, das zweite Wort ist site und bedeutet Ort, Lage, Stelle. Also bezeichnen wir mit der Website einen Ort im weltweiten Netz – Webpräsenz, Webauftritt sind identische Bezeichnungen. Dummerweise ist site eben gleich klingend zu Seite, und da wird schon mal aus der Website die Webseite (Webpage). Linguistisch bezeichnet man so eine Übersetzungsfalle als faux amis oder Falschen Freund. Denn die Webseite ist ein einzelnes Dokument im WWW das mit 'nem Browser angeguckt werden kann. Und erst alle, aber auch alle Webseiten einer Domain ergeben die Webpräsenz oder die Website.
Mit dem falschen Hasen ist es etwas einfacher. Er ist nicht etwa ein von Zellforschern in der Retorte künstlich hergestelltes Langohr, nein, er ist ein Hackbraten – in Deutschland, in Österreich und sonst wo.
Und so geht's:
Eine Semmel wird aufgeweicht und danach ausgedrückt. Drei Esslöffel Butter werden zerlassen und eine Zwiebel wird gehackt, dazu ein Kilogramm Gehacktes (halb Rind, halb Schwein) geben , zwei Eier, die ausgedrückte Semmel, Pfeffer, Salz und eine Knoblauchzehe. Diese Masse wird vermengt und zu einem länglichen Gebilde (Hasenrücken?) geformt. Beim Würzen kann man seine Phantasie spielen lassen... vielleicht einen Löffel Senf oder etwas Thymian … In der Mitte des Hasenrückens kann man auch zwei bis drei gekochte und gepellte Eier verstecken. Das Ganze wird in Semmelbröseln gewälzt und etwa eine Stunde bei mittlerer Hitze im Herd rundum gebraten. Der Braten muss öfter übergossen werden. Der Bratensud wird entweder mit saurer Sahne oder mit einem Sherry abgelöscht und mit Salz und Pfeffer abgeschmeckt. Der falsche Hase braucht jetzt etwas Ruhe, um danach in Scheiben aufgeschnitten auf einem Rauke- oder Feldsalatbett mit Baguette serviert zu werden.
Andere Hasen habe ich in Berlin auf der Straße gefunden:
Bodenintarsien von hockenden, laufenden und springenden Kaninchen (auch Kaninchen gehören in die Familie der Hasen) als Erinnerung an den ehemaligen Grenzübergang Chausseestraße – das "Kaninchenfeld" von Karla Sachse. (Beschreibung)
Und was macht das Web 2.0? Da sollte man sich ausführlich informieren, um am Puls der Zeit zu sein. Einige Schlagworte: Nutzung kollektiver Intelligenz, leichtgewichtige User Interfaces …, zeigen die Vielschichtigkeit der Prinzipien von Web 2.0 auf. Und wissen, was sie bedeuten, zeichnet den Designer von Morgen aus.
Euer Otto Christhard Landgraf
Quark und Nudelholz

Nachdem ich ihrem Drängen zu Bleiben lange Jahre stattgegeben hatte, hat die Quark Inc. mich dann 2002 letzten Endes selbst dazu gebracht, auf Indesign umzusteigen: Preistreiberei, Unehrlichkeit, Arroganz des Marktführers und Ignoranz gegenüber den Mitbewerbern. Heute hat man bei Quark Inc. erkannt, dass dieses Benehmen vielleicht doch nicht so ganz sachdienlich war. Zum September-Stammtisch in Berlin, es waren recht wenig Kollegen gekommen, versuchte jedenfalls ein couragierter junger Mann, uns von den technischen Errungenschaften des neuen QuarkXpress 7 zu überzeugen.
Aber:
sind die Felle einmal weg geschwommen
ist es schwer, wieder auf die Beine zu kommen
Das gilt auch im Bezug auf Eure Kunden und deshalb: Denkt für sie mit.
Erinnert sie jetzt z.B. an Weihnachten und an das Neue Jahr – die nächste Gelegenheit, mal wieder aktiv zu werden. Und es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde als Weihnachtskarten!
Apropos Himmel und Erde: Ein traditionelles Essen aus dem Rheinland will ich Euch heute ans Herz legen. Ein Gericht, das seinem Namen alle Ehre macht. Für den Himmel stehen die Äpfel und für die Erde sind es die Kartoffeln im Rezept und für das Dazwischen gibt es Blutwurst. Ich verweise dazu auf www.rezeptewiki.org/wiki/Himmel_und_Erde, dort steht, was Ihr braucht und wie Ihr’s machen müsst.
Und jetzt zum Nudelholz: Ein wegen seines schlechten Images (Utensil der Ehefrau hinter der Tür usw. usf.) verrufenes, in der Küche trotzdem sehr notwendiges Gerät, war in früheren Zeiten aus Holz, übergangsweise – jedenfalls in der DDR – aus Plaste und ist heute aus Edelstahl. Ich besitze drei Nudelhölzer!
Warum drei? Zwei, die aus Holz, habe ich geerbt, von jeder Oma eins, und das aus Edelstahl habe ich mir schenken lassen. "Schmeiß doch wenigstens eins weg!" bekomme ich ab und zu zu hören. Geht nicht. Jedes hat seine besonderen Vorzüge. Das Nudelholz von Erna klemmt zwar etwas, geht aber über den Rand der Kuchenbleche hinweg und ist damit unverzichtbar, wenn man den Teig direkt auf dem Blech ausrollen will.* Das von Clara, auch aus Holz, rollt ganz leicht, ist jedoch zu flach fürs Blech, aber bestens für den Tisch geeignet. Und das schöne aus Edelstahl? Es ist herrlich anzusehen, zu schwer für den Tisch, man muss es fast anheben, damit keine Dellen in den Teig kommen, und es ist zu flach fürs Blech. Aber es ist herrlich anzusehen.
Warum ich Euch das so ausführlich erzähle? Jürgen Grothues hat die Geschichte von den drei Nudelhölzern so gut gefallen, dass er mich bat, sie aufzuschreiben. Das war nach dem Quark-Vortrag, und so kam es zu dem Vorschlag: "... dann mach doch noch ein bisschen Quark dazu..." (s.o.).Bleibt munter, Euer Otto Christhard Landgraf* Wie das geht, erzähl ich Euch später.
Soziales Gemüse

Gestern wollte ich ein Vorstellungsgespräch mit einer Praktikantin "terminieren". Fragt sie mich doch allen Ernstes, ob sie nicht am Wochenende vorbeikommen kann. Wir würden doch sicherlich am Wochenende arbeiten. Ich war erst einmal sprachlos, dann aber auch geehrt, kurz danach ärgerlich. Schätzt man Designer als niemals Pause machende Arbeitstiere ein? Oder als Schlafmützen, die nur in der Nacht und am Wochenende arbeiten? Oder kennen die meisten Menschen Designer nur aus dem Fernsehen?
Ich für meinen Teil komme gut ohne Wochenendarbeit aus. Vor allem nutze ich die Wochenenden, um meine sozialen Bindungen zu pflegen und mich zu erholen.
Dafür habe ich am Rande von Berlin ein Grundstück gepachtet. Fast mitten im Wald, ohne Strom und für 400 Euro im Jahr ein idealer Ort zum Entspannen, Nachdenken und um etwas zu Gärtnern. Mit dem Gärtnern wird es allerdings immer schwieriger, weil Brandenburg sich langsam in eine Steppe verwandelt. Über die Jahre hat sich die Auswahl des angebauten Obstes und Gemüses den klimatischen Bedingungen angepasst. Dieses Jahr wird’s wohl nur mit den Pfirsichen etwas. Und natürlich mit den Zucchini. Anspruchslos im Anbau, aber variantenreich in der Küche. Neben verschiedenen Kombinationen mit Tomaten, Paprika oder mit Käse überbacken, ist das Zucchini-Omelett eine schnelle, feine Sache.
Die Zucchini waschen, bei den großen die Kerne entfernen, danach mit der Möhrenreibe reiben und klein geschnittene Zwiebel dazugeben. Mit Salz, Pfeffer, Cayenne-Pfeffer, Tomatenmark und etwas Muskat würzen. Eine kleine Menge Semmelbrösel nimmt den Gemüsesaft auf, und die Eier bringen die Bindung. Aber Achtung: Den Teig erst kurz vor dem Braten zusammen rühren, sonst bildet sich zu viel Saft und das Omelette lässt sich schlecht wenden. In einer Pfanne Olivenöl heiß machen, und mit einer Kelle den Teig hinein geben. Bei mittlerer Hitze von beiden Seiten goldbraun braten. Dazu passt vortrefflich Tsatsiki (Quark und Joghurt zu gleichen Teilen plus Knoblauch) oder etwas ähnliches.
Manche verunglimpfen die Zucchini als Anlehngemüse – braucht immer was um sich herum, um ihre wahre Stärke zu erreichen. Ich finde, das ist sehr sozial. Denn was wären wir ohne unsere Mitmenschen. Mögen es sympathische oder weniger sympathische sein, wir brauchen sie und sie brauchen uns. Da bilden Designer keine Ausnahme.
Mit besten Grüßen Euer
Christhard Otto Landgraf
Foto: Sommerfest August 2006 / Tim Donald Müller
Design my Butterbrot

Kochen ist in, was soll ich da mit 'nem Butterbrot? Überall gibt's Rezepte zum Nachkochen. Üppig und opulent, exotisch und erotisch, wie's beliebt. Die Auswahl ist enorm, unübersichtlich, verwirrend und Schwindel erregend. Kann man sich da noch an einzelne, wohlfeile Gerichte erinnern oder an den typischen Geschmack von Mutters Sonntagsbraten? Es fällt sehr schwer.
Ist es beim Design nicht ähnlich? Ausgefeilte technische Arbeitsmittel ermöglichen fast alles, was man sich so vorstellen kann. Die zweite Dimension wird von der dritten abgelöst. Transparenzen haben den Verläufen den Garaus gemacht. Vierfarbig ist billiger als einfarbig. Typografie findet nicht mehr statt. Der typische Geschmack, das prägende Design, wo ist es?
Darum Butterbrot! Ich empfehle heute den stillen, aber nichts desto trotz aufregenden Genuss. Er beginnt mit der schönsten aller Tätigkeiten, dem Einkaufen. Das Auto bleibt zu Hause, die Tasche untern Arm und auf zum Bäcker deines Vertrauens. (Manchmal auch der Bäckersfrau.) Es muss schon ein richtiger Bäcker sein. Der selbst den Teig anrührt, knetet und backt. Dort sucht man sich einen schönen Laib aus, trägt ihn nach Hause. Bei der Butter ist es komplizierter. Aber da gucken wir in den Bioladen rein. Ist zwar nicht immer Hand gemacht, aber ein guter Kompromiss.
Der Liebsten einen Stuhl in die Abendsonne gerückt. Das Brot, die Butter und das Salz auf dem Tisch arrangiert. Dazu funkelt ein leichter roter Landwein oder ein fruchtiger Rosé im Glas. Zurückgelehnt, das Butterbrot in der Hand, mit seiner Liebsten träumen. Entspannung total, kein Stress beim Kochen und Essen. In der Hinterhand sorgen schwarze Oliven, eine Schüssel Kirschen und ein Ziegencamembert für wohlige Überraschung.
Dieser Abend wird in Erinnerung bleiben.
Nehmen wir als Designer uns daran ein Beispiel. Verzaubern wir durch Zurücknahme, durch Hand gemachtes und Individuelles, durch Witz und Genie. Überlassen wir die technischen Spielereien den Großbäckereien, Schnellimbissen und Tütensuppenherstellern.
In diesem Sinne
Christhard "Otto" Landgraf
Fußball und Design*

- Jörg Fischer, Olympiastadion Berlin
Als Designer beobachten wir die Welt meist aus einem anderen Gesichtswinkel als unsere Mitmenschen so im Allgemeinen. Farben, Formen, Schrift und Bilder haben es uns angetan. Warum wohl? Wir wollen oder müssen mit ihrem virtuosen Umgang unsere Brötchen verdienen.
Darum denke ich, haben wir es zur Zeit nicht leicht: Schwarz-Rot-Gold ist angesagt. Eine Farbkombination, der schon etwas Frische fehlt. Auch ist es schwer, andere Farben mit diesem geschlossenen System zu kombinieren, etwa einen violetten IBIZA oder eine weiß-grün lackierte Wanne**.
Weiterhin interessant ist, dass jeder, der bei der Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit ertappt wird, zahlen muss. Niemand, aber auch niemand wird zur Rechenschaft gezogen, weil er mit der Flagge der Bundesrepublik Schindluder treibt (§124 OWiG): Die verbotene Verwendung der Dienstflagge (mit Bundesschild und Adler), die Verunzierung der Flagge mit einem Adler mit weißer Kontur, ...
Da kann man nur appellieren: Bitte mit Herz und bitte (unterstrichen) mit Verstand fürs Vaterland. Ist ja nicht immer so leicht.
Für die Tage der nationalen Glückseeligkeit empfehle ich leichte Kost, schnell zubereitet, in Schwarz-Rot-Gold: Tex-Mex-Salat mit Mais und Schwarzen Bohnen.
Für Schwarz nehmen wir eine Dose Schwarze Bohnen. Rot setzen wir aus einer fein geschnittenen roten Paprikaschote, einer gehackten roten Zwiebel, einer klein geschnittenen Tomate und einer fein geschnittenen Jalapeño-Peperoni ohne Kerne zusammen. Die goldene Note erreichen wir durch eine Dose goldene Maiskörner und eine fein gehackte Knoblauchzehe. Nachdem wir alles in der Schüssel fein nebeneinander in einen schwarzen, einen roten und einen goldenen Streifen gelegt haben, kümmern wir uns um das Dressing. Rotweinessig, Olivenöl und Maissaft (den aus der Dose) zu gleichen Teilen mischen. Kräftig mit Chilisoße und Chilipulver abschmecken und mit einem Löffel Zitronensaft verfeinern. Das Dressing über den Salat gießen. Und jetzt kommt die Entscheidung: Ist mir Schwarz-Rot-Gold wichtiger als ein abgerundeter Geschmack? Wenn ja, ist man fast fertig. Wenn nicht, rührt man den Salat kräftig durch. Jetzt noch für sechs Stunden zugedeckt in den Kühlschrank stellen. Etwas frischer Koriander zur Garnierung erinnert uns dann an Rasen und Fußball.
In der danach kommenden Zeit der bitteren Realität sollte Frustessen vermieden werden.
In diesem Sinne
Christhard Landgraf
* PS. Und immer schön am Ball bleiben.
** Slang für Einsatzfahrzeug der Polizei.
Über den Tellerrand

Jahrelang waren meine Glossen und Rezepte im Berliner Wasserträger zu lesen. Das schreiben fiel leicht – ich kannte ja fast alle persönlich, die meine Ergüsse über sich ergehen lassen mussten. Jetzt bin ich in der großen Welt, auf der AGD-Website, vertreten. Und da muss man wissen, wie es in anderen Kulturkreisen tickt.
So nahm ich die Einladung der Deutschen Papier gerne an, um mich mal in Gmund und damit in Bayern umzusehen. Ich muss zugeben, dass ich zwar im Sachsen der sechziger und siebziger Jahre mit den Fernseh-Sendungen vom Ochsenkopf (1024 m im Fichtelgebirge) aufgewachsen bin, aber dann mit meinem Umzug nach Berlin den Kontakt zu den bayerischen Freunden etwas verloren habe. Umso verblüffter war ich, dass es in Gmund "Zürcher Kalbsgeschnetzeltes" gab. Das Bier, in Halblitergläsern ausgeschenkt, gab mir den inneren Halt zurück. Die Papiermühle in Gmund hat einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Die Papiermaschine von 1883 ist noch in Betrieb, das nenne ich beste Tradition. Aber Rezepte konnte ich keine mitbringen.
Darum heute mal frisch und vegetarisch mit selbst gemachtem Pesto*:
Frisches Basilikum, feines Olivenöl, frischen Knoblauch, Salz und Pfeffer. Das alles wird im Mörser zerstoßen (für Eilige geht auch ein Zerkleinerer der Küchenmaschine), dazu geben wir fein gehackte Pinienkerne und frisch geriebenen Parmesan und verarbeiten das Ganze zu einer feinen Paste. Wer das immer nur mit Nudeln reicht, hat etwas verpasst. Ich schlage Euch als Alternative vor: Pellkartoffeln von den ersten neuen und dazu einen kleinen Frühlingssalat mit Löwenzahn, Sauerampfer, Champignons, Zwiebeln, Olivenöl und Balsamico.
Guten Appetit.
Christhard Landgraf
* Ein Kollege aus Hannover sagte, das Beste an Bayern sei, dass es auf halben Weg nach Italien liegt.
Wo bleibt der Spaß?

- Bild: Rainer Menschik
Rauchen auf dem Balkon. Schlanksein bis zum Brechen. Wasser statt Wein und Bier. Das kann man ja noch ertragen, wenn auch schwer. Aber jetzt hört der Spaß auf. Pessimisten leben länger. Die neuesten Forschungen sollen belegen, dass optimistische Menschen ein schwächeres Immunsystem haben als griesgrämige. Was paradox erscheint, ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Das sieht man, wenn von Altersstarrsinn getriebene Rentner sich Samstag früh an der Kaufhallenkasse wegen längerer Wartezeiten aufregen. Die Galle, die in ihnen hochsteigt, wird sie noch lange leben lassen. Eine Genugtuung für uns Optimisten: Sie sind nicht glücklich und müssen trotzdem leben.
Wir sind anders! Mit Freude, Spaß und Elan erledigen wir jeden Auftrag. Kein Job, der uns die Laune verdirbt oder unzufrieden macht. Und dafür werden wir nicht mit einem langen Leben, geschweige denn mit hohen Honoraren belohnt.
Dafür sollten wir uns mit kleinen Leckereien selbst belohnen. Ich empfehle zur etwas kälteren Jahreszeit mal einen Hot Coffee-Drink am späten Nachmittag. Mexican Coffee von Charles Schumann: 4 cl golden Tequila und 1 cl Kahlúa (Kaffeelikör mit Kräutern und Vanille aus Mexiko) in einem feuerfesten Glas erhitzen (nicht kochen), einen Teelöffel braunen Zucker darin auflösen und mit einer Tasse starken, heißen Kaffee auffüllen. Als Haube wird ein Löffel leicht angeschlagene Sahne aufgesetzt. Dazu einen herzhaften Snack mit Pesto-Schnecken: 250 g Tiefkühl-Blätterteig zu einem Rechteck (15 x 35 cm) ausrollen. Die Ränder glatt schneiden. Die Teigplatte dick mit grünem Pesto einstreichen und längs von beiden Seiten fest einrollen. Die Teigrolle 1/2 Stunde in den Kühlschrank legen. Inzwischen den Backofen auf 200 °C vorheizen und ein Eigelb mit einem Löffel Milch verquirlen. Die Rolle in 1 cm dicke Scheiben schneiden und mit dem Eigelb bestreichen. Im Ofen 10 Minuten goldgelb backen und im heißen Zustand mit etwas geriebenem Parmesan bestreuen. Das sollte für 20 Stück reichen und wird im abgekühlten Zustand mit Freude und Freunden verputzt.
Haltet die gute Laune hoch.
Christhard Landgraf
[Erstveröffentlichung: Wasserträger 12.2005]








