Mahlzeit!
Das Salz in der Suppe
Wettbewerbe bringen für viele Designer Würze in den gestalterischen Alltag – vorausgesetzt, sie sind seriös und die Konditionen sind fair – und Wettbewerb belebt bekanntlich das Geschäft. Vorausgesetzt, die Beteiligten halten sich an ein paar Regeln. Doch das ist leider nicht immer der Fall. Häufig versuchen Veranstalter von Wettbewerben und Ausschreibungen, Designer zur Selbstausbeutung zu verlocken, indem sie Ehre, Ruhm und Folgeaufträge versprechen. Und zweifelhafte Gestalter/-innen verhökern Unprofessionelles zu Dumpingpreisen. Da bleibt dann ein bitterer Nachgeschmack.
Um dem entgegen zu wirken, servieren wir Ihnen parallel die Koch- und Lebensrezepte unseres AGD Kollegen Christhard Landgraf. Nehmen Sie sich in Acht vor versalzenen Suppen, und stärken Sie sich mit Gutem. Wohl bekomm's.
bitter
Rock`n Roll ist Ausbeutung
Nichts auf der Welt war so ehrlich wie der Rock'n Roll. Und diesem Lebensgefühl hatte sich auch das Classic Rock Café in Stuttgart verschrieben. Gespielt wird der Classic Rock der letzten 30 Jahre, und "bei uns ist ein Burger noch ein Burger, für den Sie beide Hände brauchen". Nicht nur Rocker kamen hier auf Ihre Kosten.
Doch plötzlich ist alles anders: Im Namen von Spaß und Rock'n Roll wird ein ausbeuterischer Wettbewerb betrieben. Shirts, Hoodies und Caps sollen im hauseigenen Online-Shop vertrieben werden. Um die Entwürfe bittet man Künstler, Designer, Freunde des Hauses – für einen 150,– Euro Verzehrgutschein für jeden umgesetzten Entwurf. Sämtliche Rechte gehen dabei an die Classic Rock GmbH über, die an die Eitelkeit der Angesprochenen appelliert: "Mit etwas Glück seht Ihr vielleicht schon bald Leute mit Eurem Design an Euch vorbei spazieren!"
Wohin geht die Welt, wenn es nicht einmal unter Rockern noch ein gewisses Maß an Ehre gibt? Rock`n Roll is dead. cs
Neuartiges Nutzer-Beschäftigungs-Gerät
Die GEZ. (ehem. GEZ) ist angekommen. Im Hier und Jetzt und im Web 2.0.
Mit einem neuen Signet: grüne Buchstaben, dahinter ein schwarzer Punkt. Der Punkt hat so etwas Endgültiges: Hier wird gezahlt. Basta.
Und mit der Seite www.gez-meine-meinung.de, auf der Zahler – und auch Verweigerer – ihre Meinung sagen, sich austauschen und Rat einholen können. Außerdem gibt es ein GEZ Mitarbeiterblog: "Der Mitarbeiterblog ist unser 'Tagebuch' als GEZ-Mitarbeiter: Hier gehen wir auf aktuelle Fragen zum Thema Rundfunkgebühren ein, setzen diese in Bezug zu unserem Arbeitsalltag oder empfehlen vielleicht einfach einen neuen Fernsehfilm. Je nach Lust und Laune." Ob sie das vielleicht schon bereut haben? Der GEZ-Gegenwind, zu spüren im Forum, ist heftig.
Unser erster Blick gilt natürlich dem Thema "Neuartige Rundfunkgeräte". Der Inhalt entspricht ungefähr unseren Erwartungen: Die einen beschweren sich, die anderen geben Ratschläge, wieder andere sind einfach ratlos. Und was tun die Moderatoren? Sie bemühen sich um Klärungen:
"Seid sicher, dass man niemals für ein und dasselbe Rundfunkgerät zweimal Gebühren zahlt.
Wenn ich ausschließlich private Rundfunkgeräte habe (und diese angemeldet habe;-)) und ein Autoradio ebenfalls, dann ist das Autoradio für mich ein gebührenfreies Zweitgerät.
Nutze ich das Fahrzeug aber ganz oder teilweise im Rahmen einer freiberuflichen, nebenerwerblichen oder selbständigen Tätigkeit, ist es separat gebührenpflichtig.
Dasselbe gilt für einen Computer, den ich sowohl privat als auch nicht-privat nutze, den zahle ich auch nicht "doppelt".
Wichtig: Man muss zwischen ausschließlich privater und nicht ausschließlich privater Nutzung unterscheiden.
Die Zweitgerätefreiheit kann man nicht von ausschließlich privat genutzten Rundfunkgeräten auf nicht-privat genutzte Rundfunkgeräte übertragen.
Klaro??"
Wohl nicht so ganz: "Ich habe es nicht verstanden, aber ich habe ja auch nur einen einfachen Universitätsabschluss."
Da wollen wir doch mal sehen, ob der Experten-Chat mehr Klarheit zu diesem Thema schaffen kann. Ein moderierter Chat übrigens, was sofort auf Kritik stößt.
Wir lesen: [17:30:10] björn: Lieber Herr Cramm, im Forum wurde mehrfach ein Problem mit der Gebühr für neuartige Rundfunkgeräte angesprochen: Einerseits ist klar, dass der Rundfunk im Netz aktiv sein muss und es keine systematische Gebührenflucht geben darf. Andererseits spricht die derzeitige Regelung jedoch ganzen Berufsgruppen ihr verfassungsmäßiges Recht ab, nicht am Rundfunk teilnehmen zu dürfen. Die häufige Antwort, dies sei die Ausnahme und nicht die Regel, ist in diesem Zusammenhang unerheblich, da sich Verfassungsmäßigkeit nicht nach der Anzahl der betroffenen Personen richtet. Wäre es an dieser Stelle nicht sinnvoller, einen Kompromiss zu finden, der beiden berechtigten Anforderungen gerecht wird? Im Forum wurde beispielsweise ein Login vorgeschlagen. Damit wäre sowohl der Finanzierung des Rundfunks als auch der Wahlfreiheit des Einzelnen Rechnung getragen. Zusatzfeatures (z.B. ein gehörtes Lied markieren) könnten weitere Pluspunkte für Anwender ermöglichen.
Antwort: Hallo björn, wenn ich Ihre Frage richtig verstanden habe, dann geht es Ihnen darum, nur für etwas zu bezahlen, was man auch tatsächlich nutzt. Ich kann diesen Ansatz durchaus nachvollziehen, weil er ja aus dem täglichen Leben gelernt ist, nur für das zu zahlen, was man auch nutzt. Allerdings ist die Rundfunkgebührenpflicht eben an das Bereithalten von Geräten geknüpft und nicht an die tatsächliche Nutzung.
[17:37:37] björn: Genau in dieser Gebundenheit an das Vorhandensein der Geräte sehe ich das Problem mit der Gebühr für neuartige Rundfunkgeräte. Ein Steuerberater, der auf der Arbeit auf die Teilnahme am Rundfunk verzichten möchte, kann dies nun nicht mehr tun – er braucht einen Computer für seine Arbeit und wird damit automatisch Rundfunkteilnehmer. Er kann nicht beides unter einen Hut bekommen, obwohl er dazu das Recht hätte. Ein Login könnte dieses Dilemma lösen. Er würde dem Steuerberater die Möglichkeit geben, auf die Rundfunkteilnahme komplett zu verzichten, und dennoch seinen Lebensunterhalt zu verdienen.
Antwort: Hallo björn, Sie sprechen hier ein Kernproblem der Medien-Konvergenz an, welches mir durchaus bewusst ist und an dessen Lösung derzeit gearbeitet wird. Ziel wird es sein, die technische Entwicklung anwendbar in einen Gesetzestext zu gießen.
Und genau das ist das Problem. Auch mit Blog, Chat und Forum, auch mit engagiertem Einsatz von GEZ-Mitarbeitern und -Experten wird die GEZ kein modernes Unternehmen, so lange Computer, Mobiltelefon und Co. schlicht als "eine neue Art von Radio" angesehen werden. Der Rundfunkgebühren-Staatsvertrag ist nicht mehr zeitgemäß. cs
Advanced Design Shopping
Der Zeitschrift Advanced Photoshop und dem Reiseveranstalter Enders ist ein großer Wurf gelungen. "Großer Design-Wettbewerb. Preise im Wert von 2.500 Euro zu gewinnen", lesen wir auf www.advanced-photoshop.de. Die Aufgabe: "Entwerfen Sie das Design für den Luxus-Reisebus des Reiseveranstalters Enders. Wenn das Design dem Kunden gefällt, wird es auf den Bus aufgebracht und fährt um die ganze Welt. Der Sieger des Wettbewerbs erhält ein Preisgeld von 1.000 Euro, der zweite Platz 300 Euro und der dritte Platz gewinnt 200 Euro." Macht doch erst 1.500 Euro, oder?
Alles weitere erfahren wir dann in der aktuellen Ausgabe der Advanced Photoshop, von der wir aus gegebenem Anlass immerhin ein Gratis-Exemplar bestellen können.
Hier lesen wir dann die berührende Geschichte, in der sich Herr Enders per Mail an die Redaktion wendet mit den Worten: "Ich habe schon alles versucht, Designagenturen und Herstellerfirmen abgeklappert ohne Ende, aber es ist einfach nichts dabei herausgekommen, was mir wirklich gefallen hätte. Habt Ihr vielleicht eine Idee?
Die Redaktion half aus mit der Gestaltung des hier beschriebenen Wettbewerbs, eine "echte Ausschreibung" lockt die Leser. Das folgende Briefing ist sowohl bei den technischen als auch bei den inhaltlichen Anforderungen recht präzise und spart zudem nicht mit Verlockungen. Ausführlich werden der luxuriöse Bus und seine Routen beschrieben: 500.000 Kilometer auf drei Kontinenten sind vorgesehen.
Und mit etwas Glück wird es das Sieger-Design noch viel weiter bringen. Denn mit der Einsendung des Bildbeitrags werden die "gesamten Nutzungsrechte... auch für zukünftige Fahrzeuge" abgegeben. Advanced Photoshop darf alle Einsendungen abdrucken, der Rechtsweg ist ausgeschlossen, und der Gestalter bleibt auf der Strecke.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, wer von Euch hat eigentlich Advanced Photoshop abonniert?
cs
Vertraulicher Spartipp!
Das Institut für Betriebsführung IBF sitzt in Basel, Düsseldorf, Berlin und Hamburg, führt den Slogan "mehr als gut beraten" und bezeichnet sich selbst als die "Unternehmensberatung mit der besonderen Idee.... für kleine und mittelständische Unternehmen ". Die jüngste besondere Idee bestand in Werbekosten-Spartipps. Veröffentlicht in der Rubrik "Marketing" im "Vertraulichen Unternehmerbrief".
Es wird empfohlen, Mund-zu-Mund-Propaganda und Direkt-Marketing zu nutzen, außerdem Qype und das Internet. Nicht falsch, nicht aufregend. "Geben Sie keine Werbung, sondern Ziele in Auftrag." Strittig. "Verwenden Sie erstklassige aber günstige Werbebilder." Das wollen gerade alle. "Nutzen Sie Logo-Shops." Bingo! "Wenn Sie ein Logo in Auftrag geben, erhalten Sie binnen 72 Stunden bis zu 63 Vorschläge von 40 verschiednen Designern zum Gesamtpreis von 499 Euro zzgl. MwSt." Da kennen wir aber günstigere Quellen.
Logo-Billigware, austauschbar, konzeptfrei und im Dutzend billiger. Wer ist damit "mehr als gut beraten"? Und was bedeutet ein solcher Ratschlag für die Reputation einer Unternehmensberatung. Bedenke: Auch Vertrauliches wird manchmal ausgeplaudert.
P.S. Einige der Tipps finden sich zum Teil wörtlich auf der Internetseite www.marketing-trendinformationen.de
Hier wird allerdings weder zu günstigen Werbebildern noch zu Logo-Shops geraten.
Anrüchige Ideen von Wunderbaum
Ob er wirklich duftet oder doch eher penetrante Gerüche verbreitet, mag Ansichtssache sein. Der Wunderbaum, erfunden 1951 in Kanada, ist jedenfalls seit den 60er Jahren auch hierzulande erhältlich und inzwischen ein echter Klassiker. Am beliebtesten sind laut Wikipedia die Duftnoten Vanille, Sportfrische, Neuwagen und Grüner Apfel. Zur Verfügung stehen jedoch weit über 20 Düfte.
Auch bei der Optik will man sich nicht lumpen lassen und die Kunden mit neuen Designs erfreuen. Und wo kommen die her? Natürlich von Menschen mit Ideen: "Sie haben schon lange eine Idee wie Ihr WUNDER-BAUM aussehen soll? Passend zu Ihrer Küche, zu Ihrem Auto oder Kleiderschrank? Hier können Sie eine zip-Datei herunterladen. Dort sind alle Daten hinterlegt, die Sie für Ihr eigenes Design brauchen. Wenn Sie ein Design fertig gestellt haben, schicken Sie einfach die Daten an: wunderbaum@cartrend.de Vielleicht übernehmen wir Ihr Design. Bitte lesen Sie dazu unsere AGB`s."
Und das sollte man wirklich tun. Denn hier steht: Mit Einsendung neuer Design-Ideen, Design-Entwürfen oder Duft-Ideen übertragen Sie automatisch sämtliche damit verbunden Nutzungs- und Verwertungsrechte an die Cartrend GmbH. Die eingesandten Ideen und Designs dürfen unbegrenzt und kostenfrei für gewerbliche Zwecke genutzt werden...." Und von Honoraren ist sowieso keine Rede.
Ach Wunderbaum, das stinkt zum Himmel.
cs
designenlassen - eine Gratulation
Stefan Maas AGD hat einen offenen Brief an designenlassen geschrieben, deren Portal hier bereits Gegestand einer Betrachtung war. Vielen Dank dafür, dass wir den Brief veröffentlichen dürfen.
"Sehr geehrter Herr Kubens, sehr geehrter Herr Sobolewski,
auf diesem Wege muss ich Ihnen zu Ihrer Internetseite www.designenlassen.de. gratulieren. Ihr zweifellos kreatives und neuartiges Geschäftsmodell könnte tatsächlich eine neue Zeit in der Designbranche anbrechen lassen, allerdings meiner Meinung nach eher eine Endzeit. Das von Ihnen praktizierte Designverständnis wirft diesen Beruf in seiner öffentlichen Wahrnehmung locker um 20 Jahre zurück und ist Rufschädigung pur.
Schon der Name ist für einen potenziellen Auftraggeber wenig hilfreich. Jeder, der sich mit professioneller Gestaltung beschäftigt hat, weiß, dass Design eine sehr persönliche Dienstleistung ist. Das hat zur Folge, dass der „Maßanzug“ für den Auftraggeber nicht ohne dessen Mitwirkung entstehen kann. Wer glaubt, man könnte das Thema komplett delegieren oder mit Minimalbriefing als Lotterie ausschreiben, hat schlicht keine Ahnung und wird zu entsprechenden Ergebnissen kommen, die den Kunden selten begeistern.
Soviel zur fachlichen Seite. Mit Interesse lese ich weiterhin auf der Startseite Ihres Projekts, dass sich am 16. Mai 2009 um 18:00 Uhr 1.664 Designer um 43 Projekte mit einem Gesamtbudget von 15.190,00 € balgen. Rechts daneben erfahre ich, dass die in der Liste aufgeführten Projekte ein durchschnittliches Budget von ca. 350,00 € aufweisen. Wie man von solchen „Preisgeldern“ als Designer existieren soll, bleibt unklar. Wenn ich die oben genannten Zahlen zum Beispiel mit den Honorarempfehlungen der Berufsverbände vergleiche, dann wird deutlich, dass es sich hier um den Sachverhalt der „Liebhaberei“ handelt, wie es das Finanzamt ausdrücken würde. Das erinnert mich an eine Denkweise, die man in der Praxis bei Unternehmen ohne Designvorkenntnisse leider manchmal antreffen kann: sollen die Designer doch froh sein, dass sie was Kreatives machen dürfen; aber dann auch noch Geld verdienen; das muss doch nicht sein. So oder so ähnlich lautet zusammenfassend Ihre Botschaft an potenzielle Auftraggeber.
Insofern ist der Name Ihres Projekts treffend: designen lassen; lassen Sie das mit dem Design doch einfach sein. Solange Sie Geld damit verdienen, dass Designer sich für ein Taschengeld um Jobs balgen, kann Ihnen das natürlich egal sein, solange Ihr Geschäftsmodell funktioniert.
Diejenigen, die sich auf Ihr Angebot einlassen, kann man nur bedauern. Sie brauchen dringend einen Grundkurs in kaufmännischem Denken und werden wohl demnächst ein Fall für Hartz 4 oder 5 sein. Es ist durchaus beeindruckend zu sehen, dass man mit den heutigen Marketingmitteln sogar moderne Formen von Sklaverei so schick verpacken kann, dass sie attraktiv wirken. Und man bekommt sogar Förderpreise für diesen Unfug.
Beste Grüße
Stefan Maas, Dipl. Des."
"CODE" – ein Fall für Fidius
"Berlin ist 'UNESCO City of Design'. Und Create Berlin, die Designinitiative, initiert aus diesem Grund den größten Plakatwettbewerb der Stadt!" Es gehe darum, den "Code der Stadt" zu finden und graphisch umzusetzen. Der CODE-Plakatwettbewerb klingt großartig – er ist es aber nicht.
Denn die Auslober des Wettbewerbs stellen sich das Verfahren so vor: Aus allen Einsendungen sucht eine Jury die zwanzig besten Arbeiten heraus. Diese 20 Favoriten werden dann in den anderen "UNESCO Cities of Design" ausgestellt. Wessen Plakat für die Top-20 ausgewählt wurde, muss auf eigene Kosten drei Exemplare im Format DIN A1 anfertigen lassen.
17 von 20 gehen leer aus; alle zahlen drauf
Aus dem Pool der zwanzig Besten bestimmt die Jury drei Gewinner: Der erste Preis ist mit 1500 Euro dotiert, Platz 2 mit 1250 Euro und Platz 3 mit 1000 Euro. Zusätzlich dürfen die drei Gewinnern "auf freiwilliger Basis" einen Monat "ihrer kreativen Tätigkeit in Berlin, Buenos Aires oder Montreal nachgehen – ein Arbeitsplatz und Unterkunft würden übernommen, Verpflegung und Reisekosten müssten die Gewinner beitragen.
Fidius, der Verein für faire Designwettbewerbe, forderte Create Berlin zum Nachbessern auf:
- Alle Preise müssten Geldpreise sein.
- Die Geldpreise müssten angemessen sein und ein Vielfaches eines normalen Honorars ausmachen, denn schließlich sei ein "Preis" eine zusätzliche Belohnung.
- Die Produktionskosten für die Plakate der TOP-20 müssten die Veranstalter tragen, nicht die Einreicher.
- Die Jury sei nicht unabhängig, sondern setze sich aus Personen zusammen, die einen direkten Nutzen des Wettbewerbs hätten.
Fidius argumentiert, dass der Wettbewerb nicht als "Ruhm und Ehre"-Aktion wahrgenommen werden dürfe. Immerhin würden die Wettbewerb-Sponsoren etwa ein Drittel der Plakatfläche für ihre Werbung erhalten – der Wettbewerb sei damit kommerziell. Auf Basis des AGD Vergütungstarifvertrags Design berechnete Fidius Preisgelder, die für einen kommerziellen Wettbewerb angemessen seien: Demnach müsste der erste Preis mit 12.500 Euro, der zweite mit 10.000 Euro und der dritte mit 7500 Euro bedacht werden. Fidius ging bei der Berechnung davon aus, dass bei einem normalen Auftrag für ein Plakat mit der Nutzung in einigen Metropolen der Welt ein Honorar von 5000 Euro angemessen wäre.
Übrigens hatte Fidius mit seiner konstruktiven Kritik bereits erste Erfolge: In der ersten Fassung des Wettbewerbs war nicht aufgeführt, wie die Jury zusammengesetzt ist und wer über die Einreichungen konkret entscheidet. Hier hatte Create Berlin nachgebessert – dank Fidius.
Bitter schmeckt, dass es gerade eine Designinitiative ist, die die Arbeit der Designer nicht ausreichend würdigt.
[Mehr Informationen unter
www.fidius-online.de
www.create-berlin.de]
Heise kneift
Es muss ein paar Dinge in unserem Leben geben, denen wir vertrauen können. Nahezu bedingungslos – wie wir als Kind dem Sandmännchen vertrauten. Zu diesen Dingen – oder besser: Institutionen – gehörte für mich der Heise Verlag. Wenn bei heise online steht, es gibt keine Viren für OS X, dann gibt es keine Viren für OS X.
Oder sollte ich sagen: Es gab?
Denn kürzlich ist mein Ur-Vertrauen in den Heise Verlag empfindlich erschüttert worden. "Der eigene Flyer" lautet das Themen-Special vom 25.05.2009. Und in dem steht: "Ein schickes Faltblatt ist das ideale Medium, um beispielsweise für die Firma, das Studentenprojekt oder den nächsten Live-Auftritt der eigenen Band zu werben. Um professionell aussehende Flyer zu gestalten, müssen Sie aber mitnichten teure Kreativ-Software kaufen oder gar eine Werbeagentur beauftragen: Mit kostenlosen Werkzeugen und den passenden Kniffen können Sie wirksame Handzettel selbst gestalten."
Handzettel selbst gestalten. Professionell! Und wirksam!! Und das alles völlig umsonst. Denn es braucht ja nicht mehr als "ein paar Kniffe", um ein Designer zu sein. Eine Galerie von 22 Bildern zeigt uns dann Schritt für Schritt, wie es geht.
Das Ergebnis mag jeder selbst beurteilen. Für ein Studentenprojekt? Nun ja, vielleicht. Wenn es keine Design-Studenten sind, sondern zum Beispiel Informatiker.
Aber was soll ich glauben, wenn ich das nächste Mal bei heise online lese: Es gibt keine Viren für OS X?
cs
Bei 12designer kann man auch designenlassen
Eine gute Idee kommt selten allein: Fast am selben Tag, an dem wir hier über "designenlassen" berichteten, ging das Portal "12designer" online. Die Verfahren und Argumente der beiden sind einander so ähnlich, dass wir sie nicht noch einmal beschreiben müssen. Zwei Unterschiede sind uns allerdings aufgefallen:
Die empfohlenen Preise für Entwürfe sind bei 12designer höher – was die Auftraggeber jedoch nur teilweise beeindruckt.
Die Auftraggeber bezahlen keine Einstellgebühr – was "designenlassen" wahrscheinlich nicht freuen tun wird.
Wir sind gespannt auf den Wettbewerb! cs
designenlassen oder seinlassen?
Keine Frage: sein lassen! "designenlassen.de" ist eine Website, deren Betreiber Designer und potenzielle Kunden zusammenbringen wollen. Scheint keine schlechte Idee – aber nur auf den allerersten Blick.
Unter "So funktioniert's" lesen wir dann: “Sie wollen etwas designen lassen, beispielsweise ein Logo, eine Visitenkarte oder eine Webseite? Erstellen Sie einfach ein Briefing auf designenlassen.de.“..." Schon bald werden Ihnen zahlreiche Designer Ihre Vorschläge online präsentieren."
Nun wird es richtig gut:
"Sie beurteilen die Designs und geben den Designern konstruktives Feedback. So kommen Sie Ihrem Wunschdesign Schritt für Schritt näher.
Am Ende des Wettbewerbs wählen Sie Ihren persönlichen Favoriten aus und bezahlen das vereinbarte Preisgeld. Der Designer übergibt Ihnen im Gegenzug das Design mitsamt den uneingeschränkten Nutzungsrechten."
Hier werden also – möglicherweise vollkommen ahnungslose – Unternehmer dazu aufgefordert, Heerscharen von Designern Unmengen von Arbeit erledigen zu lassen, um am Ende einen von ihnen mit einem Taschengeld abzuspeisen.
Ein weiterer schlechter Witz steht unter den Tipps: "Die Designer auf designenlassen.de setzen viel Zeit und Energie ein, um Ihre Designaufgabe optimal umzusetzen. Nur einer kann gewinnen, daher sollte das Preisgeld auch angemessen sein." Angemessen findet man z. B. 200 bis 300 Euro für ein Logo oder 250 bis 450 Euro für ein Webseitendesign.
Der Kommentar der Kollegin, die uns den Tipp gab, lautete dann auch: "Ich bin sprachlos". Das ist gut so, denn mit Sprache lässt sich bei "designenlassen.de" ebenfalls kein Geld verdienen: eine aktuell ausgeschriebene Namensfindung soll 50 Euro bringen.
Einigermaßen stattlich hingegen erscheint uns die Gebühr: Wer für den Entwurf von "Visitenkarte/Briefpapier" z. B. das empfohlene Preisgeld von mind. 100 Euro investiert hat, darf immerhin noch einmal 29,90 Euro für den Standard-Wettbewerb und 39,90 Euro für den Pro-Wettbewerb bezahlen, der z.B. nicht bei Google gefunden wird.
Wir denken, aus Sicht der Geschäftsführer Michael Kubens und Eugen Sobolewski ist designen- und gebührenzahlenlassen eine gute Geschäftsidee.
P.S. Ach ja: Im Logoshop können Kunden sehr hübsche Signets bereits ab 89,90 Euro erwerben. Exkl. MwSt aber inkl. Nutzungsrechte. cs
Außerirdisch: die Zukunft von Audi
Über Autos wie den Audi TT mit einem 340 PS starken Motor kann man streiten. Aber dennoch ist Audi eine renommierte und seriöse deutsche Automarke. Oder müssen wir sagen: war?
Denn aktuell macht ein befremdlicher Wettbewerb von sich reden: der "Audi Design Wettbewerb SPORE" Er fordert uns auf "Gestalten Sie beim Audi Design Wettbewerb SPORE die Zukunft des Automobils". Für diesen Wettbewerb ist Audi eine seltsame Allianz mit dem Spielehersteller Electronic Arts eingegangen – dem Anbieter von SPORE.
Denn um mitgestalten zu dürfen, müssen wir SPORE benutzen, und wenn wir es nicht haben, dürfen wir eine kostenlose "Labor Premiumversion" herunterladen. SPORE ist ein Spiel für den Schöpfer in uns: "Mit SPORE kann sich jeder sein eigenes Universum schaffen" – von der Ursuppe bis zum Audi für das Jahr 2025.
Nachdem wir uns schöpferisch ausgetobt haben, versehen wir unseren Entwurf noch mit einer kleinen Beschreibung: Antrieb, Kraftstoff, Besonderheiten. Dann laden wir das Ganze hoch und warten gespannt auf die Entscheidung der Jury...
Während die einen jede Menge gute Anregungen und Ideen zu gewinnen haben und die anderen neue Käufer für ihre Spiele, winkt den Dritten, den Gestaltern, lediglich Spielkram:
1. Preis: ein Besuch bei Audi in Ingolstadt für zwei Personen + zwei Tage "VIP-Schneevergnügen". Frühstück inklusive!
2. Preis: der SPORE-Highend-Spiele-PC
3. bis 20. Preis: "je ein T-Shirt mit Ihrem Design"
Von Nutzungsrechten hat Audi natürlich auch schon etwas gehört und schreibt dazu: "Mit seiner Teilnahme an dem Wettbewerb räumt der Teilnehmer der Audi AG und der Eletronic Arts GmbH an dem eingereichten Wettbewerbsbeitrag ein ausschließliches, unwiderrufliches, übertragbares, unterlizenzierbares, zeitlich, inhaltlich und räumlich unbeschränktes Recht ein, den Wettbewerb in jeder denkbaren Erscheinungsform...."
Beam me up, Scotty! cs
Unserer aller Arbeit
Adobe ist entweder ein luftgetrockneter Lehmziegel oder – aus Designersicht – einer der wichtigsten Software–Hersteller der Welt. Dieser Software-Hersteller hat im vergangenen Januar einen Wettbewerb veranstaltet: den Creative Contest "Don't Copy".
Wir lesen in der Mail, die den Contest ankündigt: "Wer will schon kopiert werden? Niemand. Deshalb veranstaltet Adobe den Creative Contest "Don't Copy" – einen Wettbewerb, an dem junge Kreative mit maximal zwei Jahren Berufserfahrung aller Fachrichtungen teilnehmen können.... Adobe sucht originelle Ideen, die dem Thema ein frisches Gesicht verleihen. Schließlich geht es um die Achtung geistiger Güter – also um die Wertschätzung unserer aller Arbeit. Denn manche Dinge entwickeln sich von selbst – Ideen und Software aber nicht."
Endlich mal jemand, der es kapiert hat! Wir stürzen uns freudig auf die Website von Adobe und auf die Teilnahme- Bedingungen für den Wettbewerb.
Dort lesen wir viel Detailliertes über Bedingungen und Verlauf und es ist durchaus Positives dabei. Zum Beispiel werden Jury und Bewertungskriterien benannt. Wir lesen aber auch:
"1. Preis: Adobe Creative Suite 4 Master Collection
2. Preis: 15 Zoll MacBook Pro
3. Preis: Adobe Creative Suite 4 nach Wahl"
Und: "Rechteübertragung an Adobe Systems
Alle von der Jury ausgewählten Finalteilnehmer (– es gibt zwanzig Finalisten, nicht nur die drei Gewinner –) räumen Adobe Systems unentgeltlich für zwei Jahre das örtlich und inhaltlich unbegrenzte nicht-ausschließliche Recht zur Auswertung des Beitrags ein."
Klar. Wer sich Ideen schenken lässt, muss sie nicht klauen. Ist das die versprochene "Wertschätzung unserer aller Arbeit"? Wovon sollen die Menschen, die keine Ideen klauen, teure Software kaufen, wenn sie für ihre Ideen nicht bezahlt werden? Besonders bedauerlich: Die Veranstalter haben ganz offensichtlich eine Ahnung, was die "Achtung geistiger Güter" bedeutet, enthalten den Gestaltern aber dennoch eine angemessene Vergütung für ihr geistiges Gut vor.
Wir hoffen auf Besserung! cs
Nicht im grünen Bereich
G+J Wettbewerb »Grüne Wiese 2009« mit inakzeptablen Bedingungen
von Burkhard Marowski, Leiter Arbeitsgruppe Wettbewerbe im BDG
»Mit einer Idee fängt alles an«. Oh ja! ›Gruner + Jahr‹ hatte eine Idee – eine Idee, wie das Verlagshaus sich kostengünstig einen ganzen Pool an neuen Medienideen erschließen kann. Die Idee von ›Gruner + Jahr‹ heißt: »Grüne Wiese 2009 – G+J Deutschland sucht die Medienidee des Jahres« (http://www.gruenewiese2009.de/?c=). Gesucht werden Konzepte: für neue Magazine, Online-Formate und alle anderen Medienkanäle. G+J stellt in Aussicht, das siegreiche Konzept weiterzuentwickeln und gegebenenfalls an den Markt zu bringen. Was hier alles anfangen kann, für die Teilnehmer und für ›Gruner + Jahr‹ ...
»Mit einer Idee fängt alles an« – so lautet der Titel des Ausschreibungstextes. Und weiter heißt es: »Was wären wir ohne Ideen? Ideen kann man nicht kaufen.« Zumindest bei ›Gruner + Jahr‹ scheint der Ankauf von Ideen in den Rang einer Unmöglichkeit aufgestiegen zu sein und daher nimmt das Verlagshaus die Ideen zur Not auch geschenkt.
Oh, für das siegreiche Konzept gibt es schon einen Preis. Einen! Er beläuft sich auf 10.000 €. Wer wollte sich darüber beklagen, das ist eben das Risiko einer Wettbewerbsteilnahme. Obgleich: Nur ein Preis bei einem Wettbewerb, der von einem der führenden deutschen Verlagshäuser ausgeschrieben wurde ...? Aber sei es drum, auch ›Gruner + Jahr‹ muss sparen. Betroffen sind davon offenbar nicht nur der Personalbestand und die Veranstaltungs-, Spesen- und Reisekosten, sondern auch die Abteilung »Investition in zukunftsweisende Ideen«.
Da Not bekanntlich erfinderisch macht, sichert sich ›Gruner + Jahr‹ mit diesem Wettbewerb nämlich gleich die Rechte an einer Vielzahl neuer Medienideen, und zwar ganz und gar kostenneutral. »Mit der Teilnahme überträgt der Teilnehmer sämtliche Rechte an seiner eingereichten Idee exklusiv, zeitlich, inhaltlich und räumlich unbeschränkt auf G+J.« Das ist eine wahrhaft spektakuläre Idee, nachzulesen in den Teilnahmebedingungen, die im Übrigen nur sporadisch auf der Homepage einzusehen sind.
Insofern erklären wir den Wettbewerb um die beste Idee für beendet, da der Sieger bereits fest steht: The winner is G+J itself.
Der Dialog
Ein wahrer Dialog mit falschen Namen – und Designern zur Nachahmung empfohlen.
Die Anfrage:
Guten Tag Herr Gardemann,
wie soeben am Telefon kurz erläutert, schicke ich Ihnen anbei die Ausschreibung für ein Medien-Designprojekt, das momentan von XXX. geplant wird. Sollten Sie Interesse an der Teilnahme haben, wäre ich Ihnen dankbar, wenn Sie mir eine kurze Antwortmail zukommen lassen würden. Ich schicke Ihnen dann einen Benutzernamen und ein Passwort zu, so dass Sie alle weiteren relevanten Informationen von der Website herunterladen können.
Mit freundlichen Grüßen,
Fabian Fallershausen
Die Aufrechnung:
Hallo Herr Fallershausen,
vielen Dank für die Zusendung Ihrer Ausschreibung.
Wir sind Grafikdesigner und Mitglieder in der AGD.
Wir arbeiten nach einem Tarifvertrag.
Ihr Budget ist für uns nicht geeignet.
In Wahrheit ist es eine Beleidigung unseres Können und unserer Arbeit.
Folgenden Arbeitsaufwand müssen Sie einplanen:
1. Grafisches Design einer Broschüre „XXX“ bei ca. 10 Seiten Inhalt plus Titel: 20 Stunden
2. Erstellung eines interaktiven (ausfüllbaren) PDF-Dokuments: ca. 4 Stunden
3. Überarbeitung des Logos (eps-Datei): 20 Stunden
4. Relaunch einer Website mit CMS (Joomla! 1.5, Drupal etc.) - Konzept/Styleguide/Umsetzung in Drupal (Umfang ca. 10 Seiten zweisprachig): 40 Stunden
Das sind in der Summe 84 Stunden, ca. 10 Arbeitstage.
Bei Ihrem Budget von 500 Euro ergibt sich ein Stundensatz von 5,95 Euro.
Das ist weniger als der Mindestlohn.
Die Nutzungsrechte für die Vermarktung kreativer Arbeit habe ich noch gar nicht berücksichtigt.
Bitte überdenken Sie Ihre Anfrage.
Gerd Gardemann
Die Preisfrage
Hallo Herr Gardemann,
vielen Dank für Ihre Antwort, der ich entnehme, wie viel Zeit Sie für die jeweiligen Schritte veranschlagen. Da ich nicht weiß, wie hoch die Stundensätze des AGD sind und bislang auch nicht wusste, wie viel Zeit Sie veranschlagen, ist mein angebotenes Budget s.z.s als erster Versuch zu verstehen. Da ich die Möglichkeit habe, die Realisierung der Website anderweitig zu vergeben, stellt sich die Frage, ob Sie Interesse hätten, nur die Punkte 1 – 3 zu übernehmen. Nach Ihrer Kalkulation käme ich dafür auf 44 Arbeitsstunden.
Falls Sie Interesse an diesem Projekt haben sollten, könnten Sie mir einen Preis nennen, zu dem Sie bereit wären, das Projekt zu übernehmen?
Besten Dank im voraus.
Mit freundlichen Grüßen,
Fabian Fallershausen
Die klare Antwort
Hallo Herr Fallershausen,
der Stundensatz beträgt bei uns 76 Euro.
Mit besten Grüßen
Gerd Gardemann
Die Mutmaßung
Hallo Herr Gardemann,
wenn Sie meinen, sich mit diesem Stundensatz in einer realen Welt zu bewegen, müssen Sie entweder sehr begabte Verkäufer oder ahnungslose Kunden haben.
Wenn beides der Fall sein sollte, kann ich Sie nur beglückwünschen.
Mit bestem Gruss,
Fabian Fallershausen
Die Richtigstellung
Hallo Herr Fallershausen,
es trifft beides nicht zu.
Weder sind wir geniale Verkäufer, noch haben wir ahnungslose Kunden.
Wir sind nur ausgezeichnete Grafikdesigner mit mehr als 20-jähriger Berufserfahrung.
Unsere Kunden schätzen an uns:
- Zuverlässigkeit
- Professionalität
- Service
- Flexibilität
- und nicht zuletzt Kreativität.
Deshalb arbeiten unsere Kunden langfristig mit uns zusammen und vertrauen uns. Vor allem kleine und mittelständige Unternehmen nutzen unserer Arbeit, um ihr Unternehmen, ihre Dienstleistungen oder Produkte erfolgreich zu machen.
Im Übrigen: "Wollen Sie nach Japan fliegen, gehen Sie auch nicht in ein Fahrradgeschäft, sondern zu einer Airline."
Guten Tag.
Gerd Gardemann
Hier endet der Dialog. Besser ein Dialog mit Ende...
Schlechte Geobasis
Obwohl AGD Designer und andere ehrliche, vielleicht auch schlichte Gemüter der Meinung sind, dass die öffentliche Hand eine besondere Verantwortung für ethisches und ehrliches geschäftliches Miteinander haben müsste, erreichen uns regelmäßig mehr Klagen als lobende Erwähnungen. Jüngstes Beispiel: Die "Wettbewerbsausschreibung zur Findung eines Signets/Logos für das neu entstehende Landesamt für Geobasisinformation und Landentwicklung Baden- Württemberg".
Dem umfänglichen Titel entspricht ein ebensolches Aufgabengebiet und so ist die Entwicklung eines Signets eine gleichermaßen sinnreiche wie komplexe Angelegenheit. Betraut werden damit in dieser Ausschreibung "Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ... und interessierte Dritte". Die Anforderungen sind ausführlich beschrieben, ebenso die Einreichungsmodalitäten. Zum Beispiel ist einzureichen: "Darstellung des farbigen Logos auf farbigem DIN A4-Karton (4C-Druck Euroscala, 12 % Skalengelb); 10 cm x 10 cm in Reinzeichnungsqualität". Welcher Mitarbeiter das wohl versteht?
Was ihn oder sie erwartet, ist aber jedenfalls klar: 500,- Euro im Falle eines zweiten oder dritten Platzes, 1000,- Euro für den Fall des Sieges – und dazu den Verlust sämtlicher Eigentums- und Nutzungsrechte.
Bevor es dazu kommt, müssen sich die Mitarbeiter-Entwürfe jedoch mit denen von drei Grafikdesignern messen, die ebenfalls per Wettbewerb ermittelt wurden. Das Auswahlverfahren – allein für die Mitarbeiter-Logos – erfolgt in sage und schreibe drei Stufen.
So werden an der Geobasis zahllose Arbeitsstunden in den Sand gesetzt – die von Grafikdesignern ebenso wie die der Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter und interessierten Dritten sowie der Juroren. Zu gewinnen gibt es so gut wie nichts, selbst den drei Best-Platzierten werden die Euros ohne Nutzungsrechte schnell durch die Finger rinnen.
Dabei klingt doch Geobasis so solide.
StickDeLuxe: Luxus schaffen für lau
"Weltpremiere: der erste Designwettbewerb für stylische USB-Sticks." Und in der Tat: Auf so einen Wettbewerb hat die Welt gewartet. Gestaltet werden sollen Clips, mit denen man oder frau den unentbehrlichen Begleiter USB-Stick ans Rever oder ins Dekolleté heften kann. Der Plan: "Designer fertigen ausgefallene Einzelstücke und limitierte Kleinauflagen, so entsteht exklusive Mode mit willkommenem Zusatznutzen." Und wer sind diese Designer? "Jeder kann am Wettbewerb teilnehmen." Minderjährige allerdings nur mit Zustimmung der Eltern. Die ersten 25. Bewerber im August sind dabei.
Dann wird irgendwann entschieden. Wann, das verrät die Website nicht. Auch nicht, wer die Jury bildet und was mit den eingesandten Entwürfen passiert. Die "attraktiven Preise" für die ersten Drei sind: eine TEAC Multi-Function Photo Bank, ein TEAC MP3/MP4 Video Player und TEAC MP3 Video Player mit Touchscreen. Zusätzlich werden die Gewinner auf der Website präsentiert. Traut sich noch jemand, nach Nutzungsrechten zu fragen?
Verantwortlich laut Impressum ist übrigens eine pro-future.biz. unter der Geschäftsführung von Mark von Fritschen. Herr von Fritschen, die Zukunft wünschen wir uns anders. cs
Oh weh: die erste Wahl
Am 7. Juni 2009 ist Europawahl. Und um auch die Erstwähler an die Urne zu locken, hat sich das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung etwas ausgedacht: "Wählen gehen und mitgestalten. Für 3,5 Millionen Erstwähler ein neues und spannendes Gefühl. Euer Plakat könnte bei der Europawahl 2009 Teil der offiziellen Kampagne werden. Nutzt eure Chance und gründet ein Team. Mit kreativen Ideen und etwas Glück gewinnt Ihr im März 2009 eine Reise nach Berlin!"
Das ist hübsch – außer vielleicht für Berliner. Und die potenziellen Plakatgestalter lernen rechtzeitig mit Erreichen der Volljährigkeit, dass kreative Arbeit Spaß machen darf, aber kein Geld bringt. Damit sind sie gut vorbereitet auf ihre Zukunft als "Generation Praktikum".
Wenn sie klug genug sind, das Kleingedruckte zu lesen, lernen die jungen Wähler auch, dass sie mit ihrem Entwurf zugleich sämtliche Rechte abgeben. Denn in den Teilnahmebedingungen zu "Schöner wählen" steht: "Mit der Einsendung von Wettbewerbsbeiträgen werden alle Rechte für eine Veröffentlichung an den Organisator übertragen. Der Organisator ist berechtigt, die Plakate frei zu verwenden, zu veröffentlichen, zu vervielfältigen und zu verändern."
Liebes Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, die mündigen Bürger von morgen haben andere Botschaften verdient. cs
Ein Jahr freie Post!
[lesen...]
Ab die Post: die besten Ideen frei Haus
[lesen...]
Extrem großzügig
[lesen...]
Ehre und Karriere?
[lesen...]
Ein Logo-Versuchs-Projekt
[lesen...]
Was für ein Wurf!
[lesen...]
Gleichzeitige Miterregung
[lesen...]
Gemischter Müll!
[lesen...]
Designförderung in Eigenregie?
[lesen...]
Sechs Gründe …
[lesen...]
Daneben gesetzt: Der Wettbewerb s.i.t
[lesen...]
- Dazu: Designer – eine Spezies mit unermüdlichem Hang zur Selbstzerstörung?
[lesen]
En garde! Die Folge
[lesen...]
Dumping im Westerwald
[lesen...]
Abgerutscht! Galaxy Erding sucht das Glück bei kreativen Kindern
[lesen...]
Ein Schwein kommt selten allein
[lesen...]
Die Internet-Arbeitsgruppe Malsch
[lesen...]
Der Beck’s it Wettbewerb verstößt gegen das Reinheitsgebot
[lesen...]
Manche Wasser fallen tief. Eine Nachlese
[lesen...]
En garde!
[lesen...]
Schiffbruch erlitten: der Wettbewerb der Deutschen Challenge
[lesen...]
Teuer: der "Designpreis der BRD"
[lesen...]
Heiße Luft
[lesen...]
Susy Card? Geschenkt!
[lesen...]
Webdesign für Heimwerker
Logo gegen Heringsdosen
[lesen...]
Sofort kaufen: Logo DeLuxe für 35 Euro
[lesen...]
Auch Ihnen ist kürzlich eine bittere Wahrheit begegnet? Machen Sie Ihrem Herzen Luft, und informieren Sie die AGD Redaktion über das Ereignis.
lecker
Danksagung aus dem Sommerloch
An dieser Stelle möchte ich allen danken, die mit seelischen und materiellen Zuwendungen, inklusive Einladungen, mein Handicap lindern wollten. Kulinarisch war alles dabei: Veganes, Restaurants, Grillpartys mit Liveband, private Candlelight-Dinner …
Das, verbunden mit hochsommerlicher Hitze, hat mich doch ganz schön ins Schwitzen gebracht. Auch bin ich mit nur der rechten Gehirnhälfte (emotional) nicht so gut ausgekommen, wie ich mir das dachte. Darum gab es in dieser Zeit auch einige Missverständnisse.
Als Fazit bleibt: Es macht viel Spaß, ungehindert groß und klein zu schreiben, klar zu denken und selber zu kochen.
Hier ein Klassiker für den Grill oder den Herd mit Grillpfanne: Makrelen* mit Roter Salsa.
Die frischen, ausgenommenen Makrelen säubern und den Bauch entlang der Hauptgräte tief aufschneiden, salzen und mit Zitrone leicht säuern. Zur Seite stellen und die Rote Salsa zubereiten: Tomaten und rote Zwiebeln, Jalapeño (scharfe Paprika, Chili, Peperoni) und frisches Basilikum klein bzw. sehr fein hacken. Mit Olivenöl, Balsamico, Salz und Pfeffer abschmecken. Sie kann durchaus recht scharf sein. Mit etwas Salsa füllt man die Bäuche der Makrele und lässt sie einige Zeit ruhen. Danach in der Pfanne oder auf den Grill bei mittlerer Hitze durchgaren. Dazu reicht man die restliche Salsa und Brot. Und das Beste ist, wenn etwas vom gegrillten Fisch übrig bleibt: Mit Balsamico und Salsa im Kühlschrank marinieren.
Zur Abrundung bereiten wir einen alkoholfreien** Cocktail – Summer Cooler: Ein Longdrinkglas füllt man zur Hälfte mit Eiswürfel. Darauf gießt man 4 cl Orangensaft (frische europäische Orangen gibt es bis August) und Dashes*** Angostura. Das Glas füllen wir mit Zitronenlimonade (7 Up) auf.
Behaltet weiterhin ein kühlen und klaren Kopf
Euer Christhard „Otto“ Landgraf
PS: Einige Rezepte sind als kleines „Büchlein“ erschienen. Ein Exemplar mit handcoloriertem Titel und handgebunden kann durch Zusenden**** von 5 Euro in Briefmarken erworben werden. Uncoloriert ist es als PDF (1,8 MB) verfügbar.
* Achtung! Nicht aus dem Nordostatlantik (Nordsee, Skagerrak und Kattegat)
** Angostura enthält 44 % Vol. Alkohol
*** dash = 1 Spritzer
**** zappo, Scharnhorststraße 25, 10115 Berlin
Illustration: Norbert Egdorf, http://www.egdorf.com
rinks und lechts!
einer fatalen unaufmerksamkeit geschuldet, sitze ich jetzt hier und tippe nur mit der rechten hand.* es ist bei mir die "gute", wie meine großmutter immer meinte. das beim arbeiten auch die andere zu hilfsarbeiten (shift-taste) gebraucht wird, merkt man erst, wenn sie nicht mehr so richtig bewegt werden kann. das wäre zu ertragen und würde mit rückgriff auf bauhaus und otl aicher und damit als remineszenz an unsere altvorderen gut aussehen. mit der bewegungseinschränkung geht auch eine merkwürdige teilung des körpers in zwei hälften daher. auch im kopf. da hab ich aber glück: rechts, die emotionale intelligenz ist fit, links, die rationale ist gerade etwas steif.**
entwürfe mache ich in diesen wochen nur mit rechts, bleistift und marker, verträge müssen warten.
da ich mit links koche, gibt es leider nichts, was mit der kleinschreibung zu vergleichen wäre. höchstens der gang an die imbissbude. deshalb muss ich mich auf hilfe verlassen oder eingeladen werden.
aber ich wäre nicht ich, wenn ich nicht auch noch einen wunsch hätte: gratinierte erdbeeren.
die erdbeeren (500 g) vierteln und zuckern. aus vier eigelb, zucker und einem kräftigen schluck rosé (halbtrocken) durch schlagen im wasserbad eine schaumcreme (sabayon <franz.>, zabaglione <ital.>) zubereiten. in einer feuerfesten form die erdbeeren mit der schaumcreme überdecken und im ofen oder grill goldbraun überbacken. davor hätte ich gern eine leichte gazpacho (kalte, andalusische gemüsesuppe) und ein risotto agli asparagi (spargelrisotto) auf dem tisch. alles vegetarisch, mit saisongemüse und mit einer hand zu essen.
einladungen bitte an: christhard "otto" landgraf
* sturz mit dem rad und gebrochener ellenbogen.
** http://www.andreasjacobs.com
bild: www.idr.med.uni-erlangen.de/orthorad
TINA, MONA und FIFA
Wie ihr wisst, lese ich ab und zu auch mal ein Buch. Das ist manchmal hilfreich und erweitert den Wissenshorizont, vor allem, wenn es gute Fachliteratur ist.
So habe ich mich mit „Die andere Intelligenz – Wie wir morgen denken werden" von Bernhard von Mutius in die Tiefen komplexer Vorgänge begeben. Sehr schön und aufschlussreich. An einer Stelle aber bin ich ins Grübeln gekommen. TINA muss weg, MONA muss her. Dazu müsst ihr wissen, dass meine Nichtangetraute, mit der ich schon seit 30 Jahren zusammen lebe, Christina heißt. Muss ich sie jetzt verlassen, um neu denken zu können – und wer ist Mona?
Beim Weiterlesen fiel mir ein Stein vom Herzen. TINA meint „There is no alternative“ („Es gibt keine Alternative“) und meint ein Denken in einfach gestrickten Mustern. Es wurde von Pierre Bourdieu geprägt und von Margaret Thatcher angewendet. Und MONA ist das Akronym von „More options, novel alternatives“ (Weitere Optionen, neuartige Alternativen) und entspricht dem modernen Denken zur Lösung komplexer Fragen. Nicht „So ist es!“ sondern „Ist es so?“ sollten wir bei all unserem Tun denken.
Und FIFA? Ja, das stand nicht in diesem Buch, aber es ist unser aller Weltfußballverband. Und weil der vom 11. Juni bis zum 11. Juli 2010 ein Turnier organisiert, habe ich in Vorbereitung ein Rezept aus Südafrika herausgesucht: Biltong.
Biltong ist getrocknetes Fleisch, macht wenig Mühe und überrascht. Man muss bloß beizeiten anfangen, mindestens eine Woche vorher, besser 10 Tage.
Und so geht es: 1kg Rindfleisch (in Südafrika nimmt man auch Fleisch von wilden Tieren dazu) in 3 cm breite Streifen schneiden und mit einer Marinade aus 1 TL Koriander, 1 TL Pfeffer, 1 EL Zucker, 3 EL Salz, 2 g Natron und 10 ml Weinessig einreiben und zugedeckt im Kühlschrank ca. 12 Stunden marinieren. Danach kurz (!) im kochenden Wasser blanchieren, trocken tupfen und auf einer Leine trocknen lassen. Man kann das knochenharte Fleisch danach in dünne Scheiben schneiden und zu einem Salat als Chips reichen oder das Fleisch reiben (grobe Käsereibe), mit Frischkäse, Joghurt und Zitronensaft zu einem Dipp zubereiten.
Ich verspreche euch, wenn es auch etwas eigenwillig ist, Fleisch an der Luft zuzubereiten, der Geschmack wird überzeugen.
Mit besten Grüßen
Christhard „Der Retter von Ulm“ Landgraf
Foto: Biltong auf der Leine zum Trocknen, Christhard Landgraf
Was ist gutes Design?
Ganz einfach: Es ist das Ergebnis eines erfolgreichen Ordnungs- und Gliederungsprozesses.
Warum? Nehmen wir im Straßenverkehr den Fahrradfahrer. Zig Schilder, aufregende Passanten und faszinierende Landschaften säumen seinen Weg. Dazu muss er noch treten, lenken, Gleichgewicht halten, atmen, bremsen und schalten. Für diese komplexe* Aufgabe hat sich der geübte Fahrer Superzeichen** zugelegt. Wie bei der Personenerkennung übrigens auch. Damit hat er für unerwartet auftretende Dinge, wie Regen, Kinder oder Katze, noch etwas Aufmerksamkeit übrig. Er hat sich Muster im Kopf abgelegt, die Umwelt hat eine Gestalt angenommen.
Gutes Design schafft Muster, schafft Superzeichen, damit sich die Menschheit im Leben zurechtfindet.
Auch beim Essen bzw. Geschmack haben wir Superzeichen. Es ist also ganz normal, wenn vegane Speisen Skepsis erzeugen. Ein Verzicht, hier auf tierische Produkte, ist nicht sonderlich beliebt. Wer spricht beim chinesischen Essen vom Verzicht auf Senf und Ketschup? Keiner!
Veganes Gemüse-Curry mit Tofu:
Festen Tofu in Sojasoße ca. 20 Minuten marinieren, danach in Olivenöl kross anbraten (wie Semmelbrösel für grüne Klöße). Eine Zwiebel, ein bis zwei Knoblauchzehen und 5 cm Ingwerwurzel, alles klein gehackt, zusammen mit Salz, Chilischoten, Kurkuma, Curry, Koriander und Cumin in Oliven-Öl (je einen Teelöffel, aber da ist jeder selbst gefragt) anbraten. Dazu geben wir vorher eingeweichte Sultaninen, gewürfelte Möhren, Blumenkohl- und Brokkoliröschen, deren gewürfelte Strünke (Gemüse zusammen etwa 1 kg) und 500 ml Kokosmilch. Das alles lassen wir etwa 10 Minuten kochen, bis das Gemüse bissfest ist. Mit dem Saft einer Zitrone und gehackten und gerösteten Cashewnüssen verfeinern.
Habt ihr Zweifler unter den Gästen, sagt erst hinterher, dass es vegan war.
Mit besten Grüßen
Christhard Landgraf
* Komplexität
** Dietrich Dörner: Logik des Misslingen, Rowohlt Tb.; Auflage: 8 (1. Dezember 2003)
Foto: Am Anfang war das Brandzeichen, Christhard Landgraf, 2007
Internet wider die Kreativität
In der Theorie über das Vergessen wird dieser Funktion unseres Gedächtnisses eine Schlüsselstellung zugeschrieben. Vergessen sorgt in unserem Gedächtnis für Ordnung. Vergessen strukturiert unser Wissen und unsere Erfahrungen, wichtige Dinge werden als solche erkannt, und Zusammenhänge werden klarer. Dies bildet die Grundlage jeder Kreativität*, ob künstlerische, wissenschaftliche oder soziale.
Das Internet steht dem Vergessen diametral gegenüber. Nicht nur, dass Inhalte ständig gespiegelt werden, Nutzer verbreiten "gedankenlos" Inhalte über Blogs und Twitter, Facebook und Konsorten, die anschließend über Jahre und Jahrzehnte unterwegs sind. Das ist nicht nur das Gegenteil von Nachhaltigkeit**, sondern blockiert auch neues Denken. Hab ich eine Frage, erst das Internet einschalten, danach vielleicht den Geist.
In Abwandlung einer Bauernweisheit: "Vergessen und Zwiebel heilen jedes Übel" verrate ich heute ein besonderes Gericht: Zwiebeln in Karottensenf.
16 kleine, geschälte Zwiebeln in einem Bräter mit Olivenöl beträufeln, mit 400 ml Weißwein übergießen, salzen und pfeffern und eine halbe Stunde im Backofen backen bis die Flüssigkeit verdampft ist. Zwei Karotten klein hacken und mit etwas Butter in der Pfanne gar dünsten. Salz, Pfeffer und zwei Esslöffel Senf dazugeben und pürieren. 200 g klein geschnitten Speck in einer anderen Pfanne scharf anbraten und mit 200 ml Weißwein ablöschen. Mit diesem Sud den Bratensatz aus dem Bräter ablösen, danach die Karotten zugeben. Wer will, kann mit etwas Sahne noch verfeinern, ist aber nicht notwendig. Den Karottensenf über die Zwiebeln geben. Das Gericht kann als Antipasto bei großen Menüs dienen oder mit Pellkartoffeln als spannendes Wochentagsgericht.
Einen guten Start ins neue Jahr von Euerm Kollegen Christhard Otto Landgraf
PS: Ich werde mit gutem Beispiel voran gehen. Demnächst gibt es einen nachhaltigen Relaunch unserer Website. Und die AGD-Internet-Redaktion fordere ich hiermit auf, meine Beiträge, die älter sind als ein Jahr sind, zu löschen.
* Kreativität bezeichnet die Fähigkeit, neue Problemstellungen durch die Anwendung erworbener Fähigkeiten zu lösen.(wikipedia)
** Webdesign und Nachhaltigkeit: im Blog von Malte Christensen kopfbunt.de
Abb.: Screenshot „Daten sparen“ – innovative Systemerweiterung unter Mac OS X
Die Mind Map* – Kalter Kaffee?
Unser Gehirn ist nicht so linear, räumlich wie zeitlich, aufgebaut wie Texte oder Scribble, sondern komplex. Will man da etwas Ordnung rein bringen, egal ob zum Erkunden neuer Themen oder zum Entwickeln kreativer Gedanken, sollte man sich kleiner Helfer bedienen. Besonders dann, wenn mehrere Personen mit am Tisch sitzen.
Ein gutes Mittel ist die 1971 erstmals von Tony Buzan publizierte Mind Map.
Als ich vor ca. 15 Jahren die erste Begegnung mit ihr hatte, saßen sechs Erwachsene um einen 17“-Monitor und versuchten sich an einem Mind- Map- Monstrum- Programm.
Heute sieht es anders aus: Verschiedene, intuitiv zu bedienende Programme sind verfügbar, als Freeware**, für PC und Mac. Und Beamer gibt es auch.
Die Einsatzmöglichkeiten der Mind Map sind enorm. Nicht nur das Ordnen der eigenen Gedanken, sondern das Assoziieren, das gemeinsame Erarbeiten von Ideen und auch das Präsentieren von komplexen Themen geht damit leicht von der Hand. Man hat schnell das Gefühl, nichts mehr zu vergessen und kann dadurch erleichtert in alle Richtungen ausschwärmen. Beim Präsentieren sollte man aber an eines denken: Die Informationsmenge und -vielfalt kann leicht verwirren. Darum reduziert man sie vorher – auf‘s Wesentliche.
Bleistift, Buntstift und Papier sind aber auch weiterhin willkommen. Damit kann man immer noch impulsiver reagieren. Später werden Skizzen und Notizen in die Map eingearbeitet.
Gegenüber Blogs (1996), Facebook (2004) und Twitter (2006) ist Mind Map schon etwas betagt, aber immer noch kein kalter Kaffee.
Darum heute ein ebenfalls aufmunternder Rezepttipp für die winterlichen Tage: Orangenkaffee.
(Zutaten für 2 Personen: 1 unbehandelte Orange, 6 Gewürznelken, 3 Esslöffel Rohrzucker, 300 ml starker Kaffee, 1 Esslöffel Bitter-Orangenmarmelade, 100 g Sahne).
Die Orange heiß waschen und für die Garnierung etwas Schale abreiben. Zwei dicke Scheiben aus der Mitte heraus schneiden und mit den Gewürznelken spicken. Den Rest der Orange auspressen. Den Zucker im Topf leicht karamellisieren, die gespickten Orangenscheiben dazu geben und mit dem Orangensaft ablöschen. Etwa drei Minuten leicht köcheln lassen bis die Flüssigkeit etwas eindickt. Den Kaffee und die Orangenmarmelade dazu geben und gut mischen. Den Kaffee in zwei Punschgläser füllen und die geschlagene Sahne vorsichtig aufsetzen. Mit der abgeriebenen Orangenschale dekorieren. Wer Alkohol mag, kann die Orangenmarmelade durch Cointreau (4 cl) ersetzen.
Euer Christhard „Otto“ Landgraf
Illustration: Norbert Egdorf
* Gedächtniskarte zur Erschließung und visuellen Darstellung eines Themas
** mein Favorit xMind für Mac und PC
Neue Farbwelten
Farben und ihrer sinnlichen Wirkung kann sich keiner entziehen. Designer sind in diesem Fall nicht allein die ausgewiesenen Experten. Farben sind immer in einem weiten kulturellen Kontext zu beurteilen. Darum sind Laien, also nicht mit Farbe zum Lebenserhalt Beschäftige, ebenfalls dazu bestimmt, sich mit Farben und ihren Wirkungen zu beschäftigen. Nicht die Mode oder der Zeitgeist bestimmen die vorherrschende Farbpalette einer Zeit, sondern Produzierende – da zähle ich auch uns Designer dazu – und Konsumierende sind es gleichermaßen.
Darum auch heute ein leichtes, vegetarisches Gericht: Linsen-Mangold-Curry* Farblich in rot und grün, wobei man mit dem Mangold** weitere Rottöne dazu komponieren kann.
Und so geht‘s: Mangold, den alten Knaben, in Öl mit Zwiebeln, Knoblauch, Ingwer, Sesamsaat, Kurkuma und Cumin, zusammen mit roten Linsen, Brühe und Kokosmilch ungefähr 15 Minuten kochen. Salzen und pfeffern und mit Zitronensaft abschmecken. Frische Minze darunter heben. Fertig.
Erkundet neue Farbwelten und stellt Gewohntes auf den Prüfstand!
Euer Christhard "Otto" Landgraf
* Eine Anregung aus dem dem Klimakochbuch*: Das Klimakochbuch, Klimafreundlich einkaufen, kochen und genießen; (Hrsg.) BUNDjugend; 12,95 EUR [D]; 128 Seiten; ISBN: 978-3-440-11926-6;
Klimakochbuch im BUNDLaden
** Beta vulgaris var.cicla, Mangold – Vulkan: Mit seinen roten Blattstielen ist er ein attraktives Gemüse im Garten. Die Blattstiele bleiben beim Dünsten rot. Siehe auch hier.
Zweifel
In letzter Zeit lese ich oft von gutem Design. Was aber ist gutes Design?
Beschäftigt uns nicht eher „die gute Absicht, eine schöne Gestalt zu erschaffen“* – technisch/praktisch, formal/ästhetisch und semantisch/symbolisch? Und der Zweifel, ob wir die Absicht in die Tat umsetzen können?
Kann man an der Frage nach gutem Design verzweifeln?
Ich glaube nicht, hält doch dieser Zweifel unser Denken in Bewegung. Beflügelt er uns, jeden Tag gute Arbeit zu leisten und damit gute Gestalt zu schaffen, über unsere Aufträge zu reflektieren und die Wünsche und den Nutzen der Benutzer im Fokus haben.
Damit Ihr etwas länger über diese Frage nachdenken oder lesen könnt, tische ich Euch heute ein Schnellgericht (ca. 40 Minuten) auf, mit dem man verzaubern kann: Exotische Fischsuppe.
Für vier Personen: Eine Zehe Knoblauch, zwei Zwiebeln, eine Möhre und zwei grüne Paprika, klein schneiden und in etwas Öl zwei bis drei Minuten andünsten. 250 ml Kokosmilch und/oder 50 g Kokosraspeln, zwei Esslöffel Curry, eine Prise Cayennepfeffer, zwei Teelöffel Salz, ein Esslöffel Honig und einen halben bis dreiviertel Liter Wasser zugegeben. Das kochen wir zehn bis fünfzehn Minuten, bis das Gemüse weich ist.
Danach pürieren wir die Suppe. Jetzt geben wir 600 g Seehecht in mundgerechten Stücken hinzu und lassen alles sieben bis acht Minuten zugedeckt auf kleiner Flamme gar ziehen. Zum Schluss wird mit Salz abgeschmeckt und frischer, gehackter Koriander darüber gestreut.
Es ist fast ein Eintopf und gelingt sehr leicht. Es sind weiter viele Variationen denkbar, z.B. Süßkartoffeln klein gewürfelt mit dem Gemüse zusammen kochen oder mit dem Fisch klein geschnittene Banane zugeben oder schärfer oder dünner …
Mit besten Grüßen
Christhard „Otto“ Landgraf
* Thomas Bremer: Kein Design ist auch (k)ein Design; Design Management, Teil 1, IDZ Berlin und htw Berlin, (http://www.idz.de/de/sites/1267.html)
Kalenderblatt zur Wahl zum 17. Deutschen Bundestag unter Verwendung einer Collage von Silke de Sousa
» Greif zur Feder … «*
Der Briefkasten bleibt leer, der E-Mail-Account quillt über, und die SMS kommen immer im ungünstigsten Augenblick. Wie hebt man seine Liebesnachrichten in elektronischer Form auf? Nun bin ich zwar in einem Alter, in dem man seit Jahren keine mehr bekommen hat, aber wenn eine Liebes-E-Mail bei mir eintreffen würde, was soll ich damit tun?
Ich gebe zu, ich stehe eher auf Briefe, mit der Hand geschrieben und mit einer schönen Briefmarke** frankiert. Auch im Geschäftsverkehr sollte man sich dieses Kommunikationsmittels bedienen. Ein handgeschriebener Brief findet mehr Beachtung als elektronische Post – der Briefkasten ist nicht mehr leer.
Auch sollte der Herd nicht kalt bleiben. Außer-Haus-Verzehr ist bei den Essgewohnheiten für die höchste Treibhausgasemmission verantwortlich. Wir kochen heute ein "Frühsommerliches Menü".
Grüne Radieschensuppe
1 Bund Radieschen mit Blättern, 2 Stangen Lauch in Streifen, 1 gehackte Zwiebel, 1 l Gemüsebrühe, Salz und Pfeffer
Einige Radieschen zur Seite legen, die anderen mit den Blätter fein hacken.
Zwiebeln in Oliven glasig dünsten, Radieschen, Blätter und Lauch dazugeben, mit Gemüsebrühe auffüllen und 10 Minuten kochen. Fein pürieren und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Auf die Teller verteilen und mit den restlichen, in feine Streifen geschnittenen Radieschen bestreuen.
Frühlingssalat mit Ziegenkäse
Löwenzahn und Sauerampfer (beides von der Wiese), Bärlauch und Spinat werden grob geschnitten und vermischt. Im Ofen werden 1 cm dicke Scheiben Ziegenfrischkäse überbacken bis an der Unterseite eine hellbraune Kruste entsteht. Sie werden zusammen mit gerösteten Pinienkernen und etwas Olivenöl über den Salat gegeben.
Grüner Spargel mit Seranoschinken
Den grünen Spargel waschen und am Ende abschneiden. Mit etwas Olivenöl ca. 10 Minuten in der Pfanne braten, kurz vor dem Ende kleingeschnittenen Seranoschinken dazugeben und mitbraten. (Auf 1 Pfund grünen Spargel nicht mehr als 100 Gramm!). Auf den Tellern anrichten und mit frischem schwarzen Pfeffer und Parmesankäse bestreuen. Dazu reicht man Olivenciabatta.
Erdbeer-Buttermilch-Speise
125 Gramm Erdbeeren im Mixer pürrieren. Mit 1/4 Liter Buttermilch, dem Saft einer halben Zitrone, einem Esslöffel Honig und 3 – 4 Teelöffel Johannisbrotkernmehl verrühren. In Dessertgläser füllen und stocken lassen. Mit weiteren 125 Gramm Erdbeeren garnieren.
Briefe willkommen.
Christhard Landgraf
c/o zappo
Scharnhorststraße 25
10115 Berlin
GERMANY
* 50 Jahre "Bitterfelder Weg"
Vor 50 Jahren, im April 1959, fand im VEB Chemiekombinat Bitterfeld eine
Kulturkonferenz statt, die als "Bitterfelder Weg" in die Geschichte eingegangen ist.
** Da gibt es auch für Designer was zu tun.
Abbildung: Briefmarkenmotiv "Schätze der Philatelie - Eichstätt-Brief" zum Tag der Briefmarke gestaltet von unserer verehrten Kollegin Ursula Lautenschläger, Ausgabetag 7. Mai 2009
Das Recht auf Nichtwissen
Unsere Staatslenker haben uns, den mündigen Bürgern, das Recht auf Nichtwissen zugestanden.* Eine gute Entscheidung, allerdings nur ein Anfang. Nichtwissen ist nicht nur Nicht-Wissen-Wollen (s.o.) sondern auch Noch-Nicht-Wissen und Nicht-Wissen-Können.
Gerade letzteres, das Nicht-Wissen-Können, wird von Wissenschaftlern gerne den anderen zu geschrieben. Selbst hat man den vollen Durchblick.
Unter solchen Zeichen stehen die Experten-Debatten zur Finanz- und Wirtschaftskrise, zur Gentechnik, zum Klimawandel usw. usf. Unkunks** haben keine Konjunktur.
Sich immer seiner Unzulänglichkeit bewußt sein, ist ein sehr starker Charakterzug, zeugt von hoher Verantwortung. Und die braucht es, in allen Bereichen, auch im Design (siehe Charta zum Nachhaltigen Design).
Auch beim Essen zubereiten (Kochen ist ja nur ein kleiner Teil davon) trägt man Verantwortung. Essen soll satt machen und bekömmlich sein.
Hier die drei Pfeiler der ökologischen Küche***: Natur- und naturbelassene Produkte verwenden (Konsistenz), saisonal und regional Einkaufen (Suffizienz) und ausgewogenes Verhältnis von Kohlenhydraten, Proteinen, Fetten und Ballaststoffen (Effizienz).
Die meisten Kochbücher sind umzuschreiben!**** Welche Herausforderung!
Mit besten Grüßen Euer Christhard „Otto“ Landgraf
* Gendiagnostik-Gesetz
** Als Unkunks bezeichnet die U.S. Airforce die ‘unknown unknowns’, diejenigen Elemente einer Planung oder einer Theorie, an die vorher keiner gedacht hat, die sich aber hinterher als relevant herausstellen.“ Forscher im Nebel von Jens Soentgen, duz MAGAZIN 02 / 2006, Seite 38
*** Ein Fünftel des CO2, das jeder Deutsche pro Jahr verursacht, also ca. 2 Tonnen, stammt aus der Ernährung. Ökologische Landwirtschaft emittiert ein Fünftel weniger CO2 als konventionelle. Öko-Institut 2005 >>
**** Die freudlose Gewohnheitsküche schneidet in der CO2-Bilanz am besten ab. Öko-Institut 2005 >>
Nur der Schein trügt nicht …
Die Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft der Bundesregierung präsentiert sich im Retro-Design aus dem Jahr 1973 und mit Mandala-Versuchen eines Fünfklässlers. Ob's was nützt?
Dazu fallen mir nur Soljanka und Bockwurst ein. Allerdings bin ich mir dafür zu schade.
Venceremos! Euer Christhard Otto Landgraf
Foto Give-away des BMWi: zappo / Jens Kracheel
Plakat | Signatur im Bundesarchiv: Plak 102-063-007: http://einestages.spiegel.de
Miteinander reden!
Bei meinem letzten Projekt kam es zu einigen Irritationen zwischen dem Auftraggeber und mir.
Eigentlich war es ein ganz normales Projekt: Gestaltung und Satz eines Lyrikbandes, 416 Seiten. Alles klar. Was ich nicht bedacht hatte: Der Herausgeber und Autor ist blind. Auf eine Zusammenarbeit mit einem Blinden war ich nicht vorbereitet. Ich habe einfach nicht daran gedacht, bestimmte Dinge, die für mich selbstverständlich sind, zu besprechen und zu klären. Da wir allerdings freundliche und aufgeschlossene Menschen sind, gelang es uns, die Schwierigkeiten zu überwinden. Es führte mir aber deutlich vor Augen (!), dass wir immer unser Tun und unsere Erwartungen mit dem unserer Kunden in Übereinstimmung bringen sollten. Auch Sehende wissen nicht mit Ellipsen und Gedankenstrichen umzugehen, verstehen nicht unseren Frust bei ellenlangen Autorenkorrekturen. Genauso wenig wissen wir über die Voraussetzungen bei unseren Kunden. Miteinander reden sollte die Basis für eine fruchtbare Zusammenarbeit schaffen.
So sollte man auch mit seinen Gästen vorher darüber reden, wenn man etwas Ausgefallenes kocht oder ungewöhnliche Zutaten verwendet: zum Beispiel Pferdefleisch.
Als Studenten in Chemnitz sind wir damit fröhlich durch die „schweren“ Tage (siehe „Neues aus Ost und West“ gekommen. Hier in Berlin hat man in Spandau mit der Roßschlächterei Bredel eine gute Anlaufstelle.
Pferde-Steaks: Man kauft Minuten-Steaks vom Pferd, am besten von der Lende, brät sie ohne Öl in einer Grillpfanne, würzt sie danach mit Salz und Pfeffer und lässt sie noch fünf Minuten im Warmen ruhen. Dazu reicht man einen Ruccola-Radicchio-Salat (nussig-bitter) mit leichtem Rotwein-Essig-Dressing (mehr als 5% Säure sollten es nicht sein) und Pommes frites (vielleicht auch selber gemacht).
Aber bitte die Gäste vorher fragen.
Euer Christhard „Otto“ Landgraf
Neues aus Ost und West
Ab und zu schaue ich mich in der Welt nach dem wirklichen Leben und bei denen, die darüber berichten, um: „… Wenn in Zukunft einer wissen will, wie es denn wirklich gewesen ist in der späten DDR, sollte man ihm rasch und entschlossen den neuen Roman von Uwe Tellkamp in die Hand drücken: »Nimm und lies.«“ Jens Bisky*, Süddeutsche Zeitung über den Roman „Der Turm“, Gewinner des deutschen Buchpreises 2008 >>
Meine Neugier war geweckt. Ich las: „… Christian nahm seine Tasche, suchte einen Groschen hervor und vertrieb sich die bleibenden Augenblicke mit der Betrachtung des Geldstücks: das Eichenlaub neben der plump geschnittenen Zehn, abgegriffene Jahreszahl mit dem A darunter …“
Ich war verwirrt. Mussten wir doch Jahre lang jeden Groschen umdrehen. Sollte ich mich so täuschen? Nein!
Die Zehn (im Bild oben, unten im Vergleich die Zehn vom Westgroschen) scheint aus einer Antiqua 505 schmalfett (wurde 1955/56 von Arno Drescher für die Fa. Johannes Wagner GmbH, Ingolstadt, geschnitten) entwickelt und kommt einer Münze würdig, elegant und stolz daher, von plump keine Spur.
An Herrn Tellkamp: Wenn man blind um sich schlägt, trifft man meist den Falschen. Wenn man die DDR-Währung nicht leiden konnte, braucht man nicht die Schrift und damit seinen Schöpfer zu verunglimpfen.
Fast ebenso zu unrecht diffamiert wird ein Gemüse: die Steckrübe oder auch Kohlrübe.
Da sie in früheren Zeiten als letzte Nahrung in strengen Wintern und zu Hungerszeiten diente, ist ihr Ruf nicht besonders gut: Steckrübenwinter, Kohlrüben-Kaffee, …
Hier der Gegenbeweis: Cremige Steckrübensuppe mit Ingwer und Chili.
Eine mittlere Steckrübe waschen (schälen ist nicht notwendig), in Würfeln schneiden und mit einer kleinen Zwiebel in Olivenöl dünsten bis das Gemüse glasig wird. Zwischendurch einen Esslöffel fein gehackten frischen Ingwer und eine halbe, klein geschnittene Chilischote dazu geben. (Achtung, bitte nicht überwürzen.) Mit einem leichten Weißwein ablöschen und etwas einkochen. Danach mit Wasser aufgießen bis das Gemüse satt bedeckt ist. Jetzt innerhalb von 10 – 15 Minuten fertig kochen lassen. Die Steckrübe darf nicht zu weich werden. Danach von Feuer nehmen, pürieren, wenn nötig heißes Wasser nachgießen, ruhen lassen und mit Salz abschmecken. Wem das etwas zu einfach ist, kann folgendes in die Suppe legen: klein gehackten Radicchio und/oder Garnelen in Weißwein oder pochiertes Fischfilet.
Liebe Grüße von Christhard „Otto“ Landgraf
* Jens Bisky (*1966 in Leipzig) >>
Vorbereitung ist alles
Jetzt, am Ende des Jahres, sollte man die Weichen schon fürs neue stellen. Leichter gesagt als getan? Nö – einfach an die Kunden und Partner denken, mit denen man schon im Geschäft ist oder war. Das ist immer eine sichere Bank.
Weihnachtskarten verschicken kann ein probates Mittel sein. Allerdings sind wir kreative Köpfe, sollte es da nicht etwas mehr sein? Etwas Besonderes, das vielleicht auch nichts mit der Arbeit (Drucksachen etc.) zu tun hat?
Liebe Frau …,
wir haben im letzten Jahr sehr erfolgreich zusammen gearbeitet. …
… Ich würde Sie im neuen Jahr gern zu einem Besuch in der Ausstellung "Kult des Künstlers: Das Universum Klee" in die Neue Nationalgalerie einladen.
Um diese phantastische Ausstellung richtig genießen zu können, würde ich am… eine Führung organisieren und dazu weitere Kunden einladen.
Ich verbleibe mit den besten Grüßen für …
Ihr kreativer Kopf …
Es gibt bestimmt in anderen Teilen der Welt auch schöne Ausstellungen oder Veranstaltungen.
Wenn für einen Besuch keine Gelegenheit ist, hab ich einen anderen Tipp.
Zwei Leckereien aus der arabischen Welt, leicht und schnell hingezaubert, persönlich vorbei gebracht oder, wenn es zu weit ist, geschickt:
Aprikosen-Walnuss-Pralinen: 400 g getrocknete Aprikosen und 100 g Walnusskerne ganz fein hacken oder noch besser durch die feinste Scheibe des Fleischwolfs drehen. Mit einer Prise Zimt und etwas Aprikosenlikör (Vorsicht: süß!) oder Weinbrand (für den Herren) gut verkneten, zu Kugeln formen und anschließend durch Kokosflocken wälzen. Fertig!
Oder das etwas zeitaufwendigere Sesamkrokant: 100 g ungeschälte Sesamkörner in einer trockenen Pfanne rösten, bis die Körner anfangen aus der Pfanne zu springen. Zwei Esslöffel Honig darunter rühren und sofort runter von Feuer! Auf einem flachen Teller die Masse dünn ausstreichen. Im Kühlschrank etwa eine Stunde fest werden lassen. Danach kann man den Krokant mit einem Messer in Stücke schneiden. Wer es noch etwas feiner haben will, taucht die Krokantstücke in im Wasserbad verflüssigte Schokolade und lässt sie auf Backpapier fest werden.
Und wenn man gleich mehr davon macht, kann auch die Geliebte oder der Geliebte etwas davon ab haben.
Ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Start dank bester Vorbereitung ins neue Jahr wünscht Euch Christhard "Otto" Landgraf
Wer kennt das nicht?
Schwitzen. Toilettendrang. Händezittern. Vollkommene Leere.
Lampenfieber!
Da kann man machen, was man will, bei Präsentationen hat man Lampenfieber. Und nur, weil man unbedingt perfekt sein will, weil man jedes Mal ein Risiko eingeht.
Was wäre, wenn wir nicht perfekt sein und immer Neues ausprobieren wollten?
Stillstand und Langeweile. Wer will das schon?
Damit ist jede Präsentation schön schrecklich. Die Gelegenheit, Neues zu zeigen, versuchen, zu überzeugen und zu begeistern, hat man nicht oft. Darum sollte man sie nutzen.
Zur Beruhigung: Auch das Publikum kennt Lampenfieber. Also, was soll's. Dreht es dir daraus einen Strick, sei froh. Es würde auch jede andere Gelegenheit suchen und nutzen, dir das Leben schwer zu machen. Und wer will schon unter solchen Umständen arbeiten?
Scheitern gehört zum Handwerk und sollte eingeplant sein. Ist man überzeugt von seinem Tun, hat man sogar ein gutes Gefühl dabei.
Einen Tipp gegen Lampenfieber kann ich Euch nicht geben. Ich zum Beispiel lebe damit.
Für die kommenden kalten, dunklen und trüben Tage habe ich aber etwas: Ananastee. Er kommt aus China und lässt dank einer gehörigen Packung Vitamine kein Trübsal aufkommen.
Und so geht's: 500 g frische Ananasstücke mit 300 ml kaltem Wasser im Mixer pürieren. Mit dem Saft von vier Orangen, etwas abgeriebener Zitronenschale, einer Stange Zimt, einer Nelke und 2-3 Esslöffeln Honig in einem Topf auf dem Herd erhitzen. Vorsicht, nicht kochen sonst sind die Vitamine weg.
Kopf hoch. Euer Christhard "Otto" Landgraf
Foto: Gerd Altmann(geralt)/pixelio.de
Sind Radfahrer die besseren ehemaligen DDR-Bürger?
Dank Sachsenring, Wartburg und Co. gab es bei der Motorisierung der Kraftfahrzeuge in der ehemaligen DDR durchaus große Unterschiede. Wen verwundert's, dass das Fahren dieser Kraftfahrzeuge auch dem Messen der finanziellen Kräfte auf der Straße diente. Die Fortsetzung sehe ich zurzeit unter den Fahrradfahrern in der Stadt – und bin ratlos: Ich habe keine Ahnung, was die Kollegen treibt, die Vorfahrt zu nehmen, bei Rot über die Ampel zu donnern, zu drängeln, zu schubsen, und damit ist die Liste der Rüpeleien noch lange nicht zu Ende. Olympische Wettkämpfe auf unseren Straßen? Hier galt doch: Dabei sein ist alles. Doch heute ist das Siegen das Wichtigste. Und wo bleiben die Doping-Kontrollen?
Jede Ankündigung steigender Benzinpreise oder Streiks bei den Beschäftigten des ÖNVP treibt mir, der ich weder Auto besitze noch Bus fahre, den Angstschweiß auf die Stirn. Wieder werden Tausende im Grunde normaler Menschen auf das Fahrrad gedrängt, wo sie zu bedenkenlosen Verkehrsrowdies mutieren.
Das aber war nicht der Grund, warum ich meine geliebte Stadt verlassen habe. Ich wollte Urlaub machen, Euch neue Rezepte mitbringen und mal richtig ausspannen.
Entspannt habe ich, aber mit den Rezepten hat es nicht geklappt. Die Speisekarten der Gastwirtschaften auf unserer Tour (>>) waren über die ca. 1000 km eher identisch. Dafür gab es beim Bier regionale Angebote. Herausragend dabei war Einbeck in Niedersachsen. So ein Bier hatte ich schon lange nicht mehr getrunken – und das noch vor der wunderbaren Kulisse des Marktplatzes.
Aber die Freude war kurz: Beim Verlassen von Einbeck radelten wir an der KWS SAAT AG (>>) vorbei. Eine Firma, die grüne Gentechnik betreibt, von der Werbeagentur LIGALUX (>>) betreut wird, welche die Leadagentur von Greenpeace (>>) ist.
Prost Mahlzeit! Das nenn´ ich Doping, Frau Behrens und Herr Hipp!
Wenn wir schon so weit sind, kann ich nur noch sagen: ALDI Pastini Spaghetti-Gericht (>>) zu 60 oder 70 Cent inkl. Tomatensauce und innerhalb von rund 10 Minuten essfertig.
Alles andere als lecker.
Mit besten Grüßen aus dem Arbeitsleben Euer Christhard "Otto" Landgraf
Foto/Ausschnitt: Maiha / pixelio.de
Berliner Visionen
Ein Bürgerbegehren fordert den freien Zugang zur Spree. Ein Ingenieur will mit seiner Erfindung bis 2011 die Spree zum Badegewässer klären. >>
Gute Nachrichten!
Am 45 km langen Spreestrand ist viel Platz für Badefreunde aus aller Welt. Mallorca und die Ostseeküste werden veröden, denn mittags in der Spree baden und abends ins Theater, ins Museum oder in die Diskothek – das ist wohl einmalig.
Und was bedeutet das für uns? Wir Designer sind mitten drin. Mode- und Textildesigner schwenken um auf Bade- und Stadtstrandmode. Grafikdesigner entwerfen ein neues Stadtwappen und ein Schwimmleitsystem. Produktdesigner entwickeln neue Liegestühle, Taucherbrillen und Unterwassertrinkgläser.
Berlin wird als erste Kultur-, Design-* und Bade-Hauptstadt der Welt in die Analen der Geschichte eingehen.
Bevor es so weit ist, müssen die Berliner noch bärenstarke Nerven beweisen und die Kampagne des Senats "be Berlin" ertragen. Tief einatmen.
Dafür hat man ja Berliner Luft. Es gibt auch ein Dessert mit diesem schönen Namen.
Drei Eigelb mit 125 g Zucker schaumig schlagen und den Saft einer Zitrone dazu geben. Vier Blatt Gelatine kurz quellen lassen und danach ausdrücken.
In 250 ml warmen Apfelsaft die Gelatine komplett auflösen und danach langsam unter die Ei-Zucker-Zitronenmasse ziehen. Alles kaltstellen bis die Masse kurz vor dem Festwerden ist. Das zurückgebliebene Eiweiß mit Vanillinzucker steif schlagen und drunter heben. Portionsweise in Glasschalen füllen, kalt stellen und fest werden lassen. Mit Löffelbiskuit und geschlagener Sahne verzieren und schon hat man "Berliner Luft".
Mit besten Grüßen aus Berlin
Euer Christhard "Otto" Landgraf
* Die UNESCO hat die Hauptstadt als "Stadt des Designs" geehrt. Damit gehört Berlin zum weltweiten Netzwerk der "Creative Cities". >>
Collage Berlin Partner/United Buddy Bears/Taucherbrille: Christhard Landgraf
Akquisition
Wie ihr wisst, lese ich nur zwei designrelevante Zeitschriften: PAGE und print. Die 07er Ausgabe der PAGE stand im Zeichen der Auftragsakquisition. Lange lag diese Ausgabe ungelesen bei mir herum. Da waren wohl Hemmungen im Spiel. Muss ich vielleicht mein Leben ändern, um an neue Aufträge zu kommen? Endlich siegte die Neugier. Doch nach der Lektüre war ich so schlau wie zuvor.
Dann kam unser zappo-Sommerfest. Im Gespräch wurde ich gefragt, wie viel Zeit ich in der Woche für Akquisition aufwende. "Ehrlich? Keine.“ „… ?“ „Aber wir machen jedes Jahr ein Sommerfest; laden Kunden, auch ehemalige, Kollegen, Partner (manche sagen Dienstleister) und Freunde ein. Und das klappt!“ Das schafft Vertrauen, zum Beispiel, wenn man einem Kunden den Chef der Druckerei vorstellt, bei dem viele Sachen von ihm produziert werden. Außerdem kann mal über etwas anderes als Arbeit geredet werden. Und messbar ist es auch: Jedes Sommerfest hat zu echten, neuen Aufträgen geführt.
Als Rezept (das kommt unten) will ich das nicht verstanden wissen. Sondern als Anregung. Die beste Akquisition, und das stand nicht in der PAGE, sind gute Arbeit und zufriedene Kunden. Da wir nicht so gut sind, brauchen wir das Fest, um unsere Kunden wieder auszusöhnen.
Darum haben wir zum Sommerfest für alle etwas auf den Grill gelegt. Steaks für die Unverbesserlichen, Grilltaschen für die Vegetarier und Makrelenspieße für die Neugierigen. Am Buffet gab es neben Obazda, Graved Lachs und anderem Selbstgemachtem eine Makrelenmousse.
Dazu braucht man geräucherte Makrele, Frischkäse, Limetten und Schnittlauch. Die Mousse kann sehr gut vorbereitet werden. Von dem geräucherten Fisch entfernt man alle nicht essbaren Teile. Mit Limettenabrieb, Limettensaft, Frischkäse (ein Viertel vom Fischgewicht) und Cayennepfeffer vermischen und mit dem Pürierstab zu einer Mousse verarbeiten. Den Schnittlauch in Röllchen schneiden, unter heben und das Ganze gekühlt servieren. Für Sommerfeste reicht es, in einer Schale zu servieren – mit etwas Schnittlauch und Cherrytomaten. Für das Abendmenü stechen wir mit dem Löffel Nockerln ab und reichen dazu einen Salat aus Feldsalat mit dünnen Radieschenscheiben. Man kann auch mit frischem Meerrettich und Backpflaumen garnieren. Und ruhig etwas mehr machen. Die Mousse hält sich einige Tage gekühlt.
Mit besten Grüßen
Euer Christhard "Otto" Landgraf
PS: Die 08er Ausgabe der PAGE beschäftigt sich mit alten Leuten in der Kreativwirtschaft. Ich glaub, ich brauch ne neue Zeitschrift.
Illustration: "Das mit der Brühe, machte Mühe …" Norbert Egdorf aus Oldenburg
Was bin ich?
[lesen...]
Schmutzige Geschäfte
[lesen...]
"Ohne Haltung ist alles nur Geschiebe"
[lesen...]
Von Wunderkindern
Auch Designer haben Kinder!
[lesen...]
Design ist Teufelszeug
[lesen...]
Das Internet ist eine gute Sache
[lesen...]
Manchmal braucht man einfach Urlaub
[lesen...]
Was man nicht alles designen kann
[lesen...]
"Ein bisschen Pech ist nichts Schlechtes"
[lesen...]
Mein Repertoire
[lesen...]
Unsere Macht
[lesen...]
Wir sind anders
Warum ich im Westen arbeite?
[lesen...]
Design und Farbe
[lesen...]
Nur weg hier!
[lesen...]
Von falschen Freunden, falschen Hasen und anderen
[lesen...]
Quark und Nudelholz
[lesen...]
Soziales Gemüse
[lesen...]
Design my Butterbrot!
[lesen...]
Fußball und Design*
[lesen...]
Über den Tellerrand
[lesen...]
Wo bleibt der Spaß?
[lesen...]















































